Gestern haben wir euch zu einer neuen Folge “The Cook Up” Willkommen geheißen! Zu Gast in der ersten Episode diesen Jahres: Palazzo. Der Producer, der ursprünglich aus Wien stammt, hat es geschafft, sich ohne eine musikalische Grundausbildung ein Standbein in der HipHop-Szene aufzubauen. In der Vergangenheit produzierte er bereits Beats für nationale Größen wie GRiNGO und Capital Bra – doch auch internationale Stars wie Young Thug und NBA Youngboy durften sich bereits über Musik von ihm freuen. Uns verriet der Künstler, wie er mit dem Produzieren angefangen hat, welche Plug-Ins er verwendet und worauf er bei seinen Produktionen ganz besonders acht gibt.

 

Anfänge seiner Karriere & Werdegang

Doch wie hat Palazzos Karriere als Producer begonnen? Im Alter von 15 Jahren habe er damit anfangen, Schlagzeug zu spielen. “Mit 18 dann richtig Beats zu machen mit Fruity Loops […] Ich hab mit Fruity Loops begonnen und werde auch mit Fruity Loops aufhören.” Eine musikalische Grundausbildung habe er zum damaligen Zeitpunkt nicht gehabt. Den Umgang mit dem Musikprogramm brachte er sich selbst via YouTube bei. “Ich hab’ früher Schlagzeug gespielt, deswegen hab’ ich schon so ein gewisses Knowledge über ‘wie man Drums setzt’ gehabt. Aber den Rest und auch wie man in Fruity Loops agiert – alles über YouTube gelernt. Auch mit Musiktheorie habe ich mich bis jetzt noch nicht wirklich befasst. Aber zum Glück hat letztens auch Timbaland in einem Interview gesagt, dass das nicht nötig ist und ich denk’, dass war dann das Go […] keine Noten lesen zu müssen […].” Mit Hilfe von Tutorials hat er letztendlich Beats seiner Lieblingskünstler*innen nachgebaut “und dann habe ich begonnen meine eigenen Beats zu bauen.”

Seine ersten eigenen Produkte habe er dann auf YouTube hochgeladen. Dass sein Sound Anklang bei vielen Personen gefunden hat, wurde ihm durch die Klickzahlen auf der Plattform bestätigt. “Ich hab’ ganz gute Views gemacht […] Das waren so 21 Savage-Type-Beats oder Travis Scott-Type-Beats […] Dadurch ist man auf mich aufmerksam geworden. So ein Manager hatte eine Künstlerin unter Vertrag und sie hat meine Beats verwendet und er hat einfach mal gefragt: ‘Woher hast du diese Beats immer?’ – und dann hat sie meinen Namen erwähnt und dann wollte er mich unbedingt kennenlernen. Dann bin ich Hals über Kopf direkt von der Uni nach Amerika geflogen. Nach Atlanta. Was natürlich meinen Eltern nicht so gefallen hat erstmal. Aber als dann so die ersten Erfolge kamen, war das schon schön. Auch für meine Familie natürlich.”

Der ständige Ortswechsel scheint für ihn kein Problem zu sein: “Hauptsache mein Laptop ist da. Als ich jetzt […] nach Berlin gezogen bin und natürlich noch kein Studio und so gute Connection hatte, hab ich das meiste zu Hause mit einem Interface und Kopfhörern gemacht.” Über den Vertrag bei Electric Feel scheint er dennoch froh zu sein: “Man geht natürlich auch gerne ins Studio, kommt hierher und ballert erstmal.”

 

Palazzos Vertrag bei Electric Feel Europe

Aktuell steht Palazzo bei Electric Feel Europe unter Vertrag. Betrieben wird die Firma durch die Berliner Label- und Managementfirma Two Sides und die Künstler- und Kreativagentur A Million Entertainment. Zu den ersten Signings gehören Palazzo, Minor2Go und Jumpa. Ursprünglich wurde die Firma, die amerikanische Wurzeln hat, von Austin Rosen im Jahr 2013 gegründet. Seit letztem Jahr gibt es Electric Feel auch in Europa. “Die […] Entertainmentfirma ist in den Bereichen Musik, Marken und Kultur aktiv. Electric Feel Entertainment hat einige einflussreiche Künstler, Produzenten und Songwriter entdeckt und entwickelt, wie Post Malone, Rich The Kid, Travis Scott, Louis Bell, Frank Dukes, Nick Mira, 24kGoldn oder Iann Dior, heißt es auf der offiziellen Website. Doch wie kam der Kontakt zwischen Palazzo und Electric Feel Europe zustande? “Das Ganze ist so passiert: Ich war schon in Kontakt mit Sonus030 […] und sein Manager […] wurde dadurch eben auf mich aufmerksam – er ist ein A&R bei Two Sides. Er hat mich dann angerufen und meinte: ‘Yo. Wir gründen jetzt Electric Feel Europe. Das wird der Teil von einem Ami-Label und du bist ja auch gut in Amerika connectet […] und wir hätten dich da gerne als einen der ersten Produzenten. So kam das zustande”, so Palazzo. Letzten November habe er dann schlussendlich den Vertrag unterschrieben. “Ich bin auch sehr happy, weil man hier das Zwischending hat, zwischen – ich arbeite auf der einen Seite für die größten deutschen Künstler und auf der anderen Seite hab ich trotzdem diese Ami-Connections, die ich natürlich beibehalten will.”

 

Palazzo über seine Musik

Auch über seine Arbeit sprach Palazzo mit uns: Für seine Musik würde er keine Samples von alten Songs verwerten. “Ich arbeite wenn dann gerne mit Samples von Producer-Homies. Aber ich starte auch sehr viel einfach von Scratch und mach’ meine eigene Melodie. Aber ich hab auch immer wieder gerne Inspirationen von anderen Produzenten […].” Musik produzieren sei für ihn so eine Sache, die man nie ausgelernt hat. “[…] Und ich denke, dass man da bis ganz am Ende immer wieder neue Sachen lernen kann. Das heißt auch, wenn man mit verschiedenen Produzenten im Studio ist, sollte man sich nicht schämen, einfach Fragen zu stellen. Das ist ganz normal, dass man nicht alles wissen kann. Und ich denke das meiste hab’ ich auch einfach von Sessions mit anderen Produzenten gelernt, weil man da auch wirklich sieht, okay, er macht das so – er macht das ganz anders. Vielleicht kann ich was von ihm lernen. Vielleicht kann er was von mir lernen. In der Producer-Community fällt mir echt auf, dass es sehr viel Zusammenhalt gibt – was auch gefordert ist, weil wir noch immer ein bisschen im Schatten stehen. Deswegen ist es da wichtig, dass man Zusammenhalt pflegt, damit wir auch gemeinsam an die Spitze kommen und eben den Leuten zeigen, wie wichtig wir eigentlich sind. Wie wichtig wir bei einer Songentstehung sind.”

Beim Texten scheint er ebenfalls seinen Spaß zu haben. “[…] Ich bin da gerne dabei, helf’ auch gerne beim Melodie finden. Im Endeffekt sind wir Produzenten ja auch gute Topliner, weil die Melodien, die wir ja schon einspielen, geben ja schon eine gewisse Topline vor. Und deswegen bring’ ich mich da auch gerne ein.” Wenn ein Artist zu einer Studio-Session mit einem Audio-Engineer erscheint, würde ihm die Arbeit noch einfacher fallen. “[…] dann kann man sich voll und ganz auf die Musik konzentrieren […] aber es ist natürlich auch kein Problem, wenn man dann selber mal den Engineer spielen muss.” Auf die Frage, ob er das Mixing ebenfalls übernehmen würde, antwortete er: “Hab schon gerne Hands On – kann man in der Session aber auch mal abgeben, um sich auch wirklich voll und ganz auf den Song zu konzentrieren. Von hinten so ein bisschen executive producing zu machen, hilft schon. Macht auch Spaß […].” Der beste Part am Musik machen sei aufgrund seiner Schlagzeuerfahrung das kreieren von Melodien und Samples. Diese leite er oftmals weiter an andere Produzent*innen aus Amerika, denn wie soll sonst eine Kooperation entstehen?

Am besten wäre es laut ihm, wenn man den finanziellen Aspekt mit Künstler*innen, mit denen man zusammenarbeitet, bereits im Voraus abklärt. “Aber ist auch schwierig, da nicht den Vibe zu killen. Deswegen versuch’ ich das dann immer danach in Ruhe anzusprechen. Meistens aber auch schon bevor der Song rauskommt.” Falls man mit dem jeweiligen Artist nicht auf einen Nenner kommen würde, könne es auch passieren, dass das Endprodukt gar nicht droppt.Aber ich finde da ist es wichtiger, dass man seinen Punkt hält.” Palazzo scheint es von enormer Wichtigkeit zu sein, seine Prioritäten nicht über Board zu werfen, sondern sich selbst treu bleiben und diese einzuhalten.

Zusammenarbeit mit amerikanischen Artists

Wie enstand die Verbindung nach Amerika? “Das war bei mir damals so, dass ich tatsächlich selbstständig nach Atlanta geflogen bin.” Um seine Kontakte ins Ausland zu pflegen, entschied er sich dazu, selbst die Reise anzutreten. Wie wir heute wissen, durchaus erfolgreich. “Was ich jedem immer nur mitgeben kann, ich mein’ heutzutage ist es umso schwieriger einfach nur Samples zu senden, das man echt versucht zumindest einmal im Jahr nach Amerika zu reisen, dort Connections in echt zu knüpfen. Das heißt mit A&R’s, anderen Produzenten – oder du lernst Künstler kennen, die gerade den Aufschwung haben. So kam ich zu meinen ersten Ami-Placements, weil ich die Leute in echt kennengelernt habe.”

Palazzo erzählte von einer Studio-Session mit einem amerikanischen Künstler: Ich war mit Rich Homie Quan im Studio – das war immer einer der Künstler, zu dem ich immer aufgesehen hab und war auch einer, mit Young Thug, der Trap groß gemacht hat in Atlanta […] dann war ich mit ihm im Studio und ich war die ganze Session natürlich mega aufgeregt […] und am Ende der Session dachte ich mir, wie bring ich ihn dazu, den Kontakt zu halten? Tatsächlich war das dann so, dass er zu mir kam und mich nach meiner Handynummer gefragt hat und ich ihm dann über […] iMessage hab Beat-Packages zukommen lassen konnte.” Auch heutzutage scheint er noch in Kontakt zu Rich Homie Quan zu stehen. Der Producer verriet ebenfalls, dass 2022 ein oder mehrere Projekte in dieser Konstellation folgen könnten.

Grundlegend scheinen die Amerikaner und die Deutschen ein ganz anderes Verhältnis zu haben, was Studio-Sessions anbelangt. “Ich hab ihn auch im Studio erlebt und die Amis haben eine ganz andere Art im Gegensatz zu Deutschen, wie sie Songs machen. Und zwar punshen die alles freestyle ein. Das heißt Bar für Bar wird dann der Song aufgenommen […]”. Auch einen weiteren Unterschied gäbe es, vergleiche man das Budget für Produzent*innen mit dem von amerikanischen Künstler*innen versus Deutschen. “In Amerika ist natürlich das Budget viel höher. In Deutschland muss das noch bisschen ankommen. Wie viel zahl’ ich einem Produzenten wirklich? Wie viel Prozente bekommt er wirklich? Bekommt er auch Master-Punkte? Was hier in Deutschland immer noch ein schwieriges Thema ist, aber ich denke, wir kommen langsam dorthin. Und ich seh’ ja auch, wie es von Jahr zu Jahr besser wird. Es gibt Produzenten-Alben. Es gibt Produzenten, die immer bekannter werden.”

Das Producer für einen Track von enormer Wichtigkeit sind, sollte außer Frage stehen. Man könnte die Artists als Spielmacher*innen bezeichnen, denn erstens liefern sie den Grundbaustein für einen guten Track und zweitens, ohne einen Beatgibt es keinen Rap. Ein gemeinsames Zusammenspiel zwischen Producer und Künstler*in ist wichtig, denn nur so kann ein gutes Endprodukt entstehen. Für dieses Jahr scheint Palazzo schon einen Plan zu haben: Er spielt mit dem Gedanken ein Projekt zu starten, bei dem er einen “deutschen Newcomer mit einem amerikanischen Newcomer” auf einem seiner Beats verknüpft. Eins ist Gewiss: Wir sind gespannt, was der Producer 2022 für uns bereithält.

Autorin: Jessica Lehner

 

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