“Wir haben Türen geöffnet, aber Megan kam, trat die Tür ein, nahm sich einen Stuhl am Tisch, bestellte ein großes Dinner und kippte Hottie Sauce drüber”, so Rapperin Pepa von Salt-N-Pepa, die ihrer Rapkollegin den Award überreichte. Nachdem Megan Thee Stallion Ende Oktober ihr “Something For Thee Hotties” Mixtape und damit ihr viertes Top Ten Album veröffentlichte, wurde sie Montagabend von der Frauenzeitschrift Glamour zur “Woman of the Year” 2021 geehrt.

Die Rapperin nahm den Award mit einer emotionalen Rede entgegen und widmete ihn allen Frauen da draußen: “Ich habe viele Awards als Megan Thee Stallion gewonnen, aber diesen möchte ich als Megan Pete annehmen, eine baldige College-Absolventin, eine Frau, die es geschafft hat, sich in einer männerdominierten Branche eine erfolgreiche Karriere aufzubauen […].” Sie sprach außerdem darüber, dass sie diesen Weg in den letzten zwei Jahren ohne ihre Mutter und Managerin Holly Thomas, die 2019 aufgrund eines Gehirn-Tumors verstorben ist, gehen musste: “Ich will meiner Mutter danken, weil sie mich zu der Frau gemacht hat, die ich heute bin. Sie ist meine beste Freundin, meine Managerin, sie war alles für mich und ich weiß, dass sie heute heute stolz auf mich ist.”

Dabei ist Megan Thee Stallion mit ihrem Erfolgen der letzten Jahre und ihrer Message genau die richtige Frau für diesen Award.

Vorreitern weiblicher Selbstbestimmung

Während schon Rapperinnen wie Lil Kim und Nicki Minaj mit ihrem freizügigen Auftreten und offenem Ausleben ihrer Sexualität den Weg für die heutige Generation and Künstler*innen ebneten, ermöglicht es der aufstrebende intersektionale Feminismus Frauen wie Megan, sich als starke Ikonen zu etablieren. Tina Snow – wie sie sich selbst auch nennt – tritt nicht nur in, sondern über ihre Fußstapfen hinaus: Die Rapperin schafft es, weibliche Sexualität zu thematisieren, ohne, dass Männer dabei eine entscheidende Rolle spielen. Ganz im Gegenteil – Megan Thee Stallion stellt sie als ersetzbar da, eben genau so, wie es Rapper seit Jahrzehnten mit Frauen machen, nur weniger respektlos. Die Rapperin lässt sich von niemandem etwas sagen. Seit Beginn ihrer Karriere wird sie für Freizügigkeit kritisiert. Die Outfits sind zu knapp, die Texte zu sexuell und das Tanzen zu anzüglich. Doch wie “The OG Hottie” selbst in ihrem Song “B.I.T.C.H.” sagt – “it’s 2020 I ain’t finna argue ’bout twerkin'”.

Megan verkörpert genau den Feminismus, den wir heute brauchen. Nachdem Cardi B und sie für ihren gemeinsamen Track “WAP” neben viel Lob auch heftige Kritik ernteten, äußerte sie sich gegenüber der GQ in einem Interview dazu: “Manchmal fühlen sich Menschen nicht wohl genug in ihrer eigenen Haut und ich glaube nicht, dass sie gerne andere sehen, die sich wohl fühlen oder die anderen beibringen, wie sie sich in und mit ihrem Körper wohl fühlen können.” Der Rapperin ist das egal – sie macht es sich zur Aufgabe, ihren Hörer*innen durch Body Positivity und selbstbestimmte Texte zu mehr Selbstbewusstsein zu verhelfen.

Neben Megan dominieren auch Frauen wie Doja Cat, Rico Nasty oder CardiB die internationale Rapszene und brechen durch gegenseitigen Support und Kollaborationen die misogynischte Idee, es könne nur eine erfolgreiche weibliche HipHop-Künstlerin geben.

 

Mix aus Disziplin und Talent

Mit ihren cleanen Reimketten, hartem Flow und realen Texten war es nur eine Frage der Zeit, bis Megan Thee Stallion die Aufmerksamkeit der Rap-Szene auf sich zieht. Sie war die erste Frau, die innerhalb eines Jahres mit dem “Savage Remix” feat. Beyonce, “WAP” und “Body” drei Nummer Eins Singles in den Streaming Charts hatte.

Auch diverse Rückschläge bringen sie nicht von ihrer Erfolgsspur ab. Nachdem 2019 sowohl ihre Mutter als auch ihre Großmutter verstorben sind, präsentierte sie sich der Öffentlichkeit weiterhin als die starke Frau, für die sie bekannt ist, während ihre Single “Big Ole Freak” es in die Billboards Charts schaffte. 2020 folgten nicht nur ein Streit mit ihrem damaligen Recordlabel, in Folge dessen sie 1501 Entertainment wegen eines ausbeuterischen Vertrags verklagte, sondern auch der Vorfall mit Tory Lanez, bei welchem der Rapper Megan in ihren Fuß geschossen haben soll.

Trotz allem veröffentlichte sie im gleichen Jahr ihre EP “Suga”, von welcher es der Song “Savage” nicht nur direkt in die TikTok-Trends schaffte, die dazugehörige Kurz-Koreagraphie wurde zu einem der viralsten Tänze der Plattform. Auch ihr Debütalbum “Good News” erschien 2020. In dem Song “Shots Fired” verarbeitet sie dabei die Geschehnisse mit Lanez auf die selbstbewusste und starke Art, die man von ihr kennt: “You shot a 5’10 bitch with a .22/ Talkin’ ’bout bones and tendons like them bullets wasn’t pellets”.

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