Am Freitagabend kam es gegen neun Uhr auf dem Astroworld-Festival in Houston zu einer Massenpanik, bei welcher acht Menschen ums Leben kamen und 25 weitere ins Krankenhaus eingeliefert werden mussten. Das von Travis Scott gegründete Event, welches sich ursprünglich über das gesamte Wochenende erstrecken sollte, wurde nach dem Auftritt des Rappers abgebrochen. Seitdem stehen sowohl der Künstler selbst als auch die Veranstalter*innen und Organisator*innen, die Security sowie die Konzertmenge in den Medien in der Kritik. Innerhalb der letzten Tage gelangten viele Informationen an die Öffentlichkeit: Travis Scott postete mehrere Statements, örtliche Autoritäten gaben erste Antworten und die Opfer konnten namentlich identifiziert werden.

 

Artists und Veranstalter wenden sich an die Öffentlichkeit

Wie bereits berichtet gaben sowohl Travis Scott als auch der Konzertgigant Live Nation am Samstag erste Statements zu den Geschehnissen ab. Darin äußern sie ihr Beileid für alle Betroffenen und versprechen das Anbieten verschiedener Hilfsleistungen sowie das Teilen wichtiger Informationen.

”Ich werde alles tun, was ich kann, um euch auf dem Laufenden zu halten”, verspricht der Rapper seinen Fans in einem Video aus seiner Instagram-Story. Laut Variety plant er außerdem, allen Besucher*innen eine Rückerstattung ihrer Tickets zu zahlen. Zeitgleich sagte er seinen Auftritt auf dem Day N Vegas Festival ab. Laut Quellen sei er “zu aufgelöst, um aufzutreten.”

Des Weiteren hat Scott laut XXL am Montag angekündigt, die Kosten aller Beerdigungen der verstorbenen Opfer und auch weitere finanzielle Hilfen für Betroffene zu übernehmen. Er habe sich mit der Organisation BetterHelp zusammengeschlossen, um online kostenlose Eins-zu-Eins-Therapien anbieten zu können. Außerdem arbeite er mit den Organisationen NAMI (National Alliance of Mental Illness), MHA (Mental Health America) und MHA of Greater Houston zusammen, um Betroffenen die mentale Unterstützung bieten zu können, die sie brauchen.

Live Nation ergänzen in einem weiteren Statement: “Unser Personal hat sich mit den lokalen Autoritäten getroffen, um Informationen weiterzugeben, außerdem haben wir das gesamtes Videomaterial unserer CCTV Kamera an sie übergeben.” Sie versprechen ebenfalls Hilfeleistungen bei der mentalen Unterstützung der Besucher*innen, Familien der Opfer und Mitarbeiter*innen.

Auch andere Artists haben sich zu den Vorfällen geäußert. Roddy Ricch, der vor Scott auf dem Astroworld-Festival spielte, kündigte bereits am Samstag an, seine Nettoeinnahmen an die Familien der Opfer zu spenden. Kid Cudi sprach Betroffenen auf Twitter ebenfalls sein Beileid aus und auch Drake, welcher Überraschungsgast bei Scotts Auftritt war, wendete sich heute via Instagram an die Öffentlichkeit: “Ich werde weiterhin für euch alle beten und helfen, wo ich kann.”

 

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Umstände weiterhin unklar

In Folge von starkem Gedrängel vor der Bühne kam es zur Massenpanik. “Die Menge begann Richtung Bühne zu strömen und zu schubsen, weshalb die Leute, die vorne standen, aneinandergedrängt wurden” beschrieb Feuerwehrchef Samuel Peña in einer Pressekonferenz am vergangenen Samstag. Menschen fielen zu Boden, einige wurden ohnmächtig, viele verletzt. Die strafrechtlichen Ermittlungen laufen, bisher konnten die genauen Ursachen jedoch nicht geklärt werden.

Bereits in besagter Pressekonferenz gab der Polizeichef Houstons, Troy Finner, bekannt, dass sowohl die Drogen- als auch die Mordkommission bei den Ermittlungen beteiligt seien sollen. “Das ist jetzt eine strafrechtliche Ermittlung, welche sowohl Mord als auch narkotische Mittel umfasst und wir werden der Sache auf den Grund gehen”, so Finner. Außerdem erzählt er von einer Berichterstattung eines Security-Mitarbeiters, welcher, während er einem Fan helfen wollte, ein Stechen in seinem Nacken gespürt habe und später bewusstlos geworden sein soll. “Er wurde wiederbelebt und das medizinische Personal bemerkte eine Spritze, die man bekommt, wenn jemand versucht, etwas zu injizieren” fügt Turner hinzu.

Das Houston Police Department veröffentlichte außerdem gestern ein Statement, in welchem sie bestätigen, sich vorher mit Travis Scott und den Leitern der Security getroffen zu haben. “Ich habe sie über meine Bedenken bezüglich der öffentlichen Sicherheit aufgeklärt und gesagt, dass ich in 31 Jahren Berufserfahrung nie mehr Herausforderungen als in dieser Zeit, mit einer anhaltenden Pandemie und sozialer Anspannung im ganzen Land, gesehen habe, die Menschen jeglichen Alters betreffen”, so Finner in dem Statement. Weiterhin wird bestätigt: “Das Meeting war informativ und respektvoll und eine Chance für mich, mein Besorgnis um die öffentliche Sicherheit als Polizeichef zu teilen.”

 

Travis Scott und weitere Verantwortliche des Festivals verklagt

Sowohl Travis Scott, als auch Live Nation, Organisator ScoreMore, Drake, Cactus Jack Records, LLC und weitere Unternehmen und Privatpersonen, die in die Festivalplanung einbezogen waren, wurden laut diverser Medien, unter anderem Billboard und TMZ, bereits verklagt.

Einer der bisherigen Kläger ist Astroworld-Besucher Manuel Souza. Sein Anwalt Steve Kherkher begründet die Anklage wie folgt: “Die Verteidiger haben darin versagt, das Konzert sicher zu planen und durchzuführen.” Außerdem fügt er hinzu: “Stattdessen haben sie die extremen Risiken und Schäden bewusst ignoriert und teilweise aktiv zu gefährlichem Verhalten ermutigt. Laut Souza hätten die Organisatoren über Warnsignale zu vorherigen Zeitpunkten hinweggesehen. So gab es etwa vor Konzertbeginn schon Vorfälle, in denen “Besucher*innen einen Security Zaun um den Park herum durchbrochen haben, auf das Gelände gestürmt und übereinander getrampelt sind.”

Eine weitere Anklage wurde im Namen von Festivalgänger Kristian Paredes erhoben. Demnach hätte Travis Scott’s Konzertgeschichte bei der Planung bedacht werden sollen. Der Rapper ist für sein “Raging” – Aufrufen zu Moshpits, Crowd-Surfing und Stage-Diving – bekannt. Diese Kultur ist typisch für Festivals jeglichen Musikgenres und muss nicht zwingend zu lebensgefährlichen Situationen führen. Aus diesem Verhalten heraus entstehen wahrscheinlich die Vorwürfe, Scott hätte seine Fans zu gefährlichem und unsicheren Verhalten ermutigt. Der Rapper selbst sagt in seinem Video-Statement, er konnte sich nicht vorstellen, wie schlimm die Situation war und ergänzt: “Jedes Mal, wenn mir auffällt, dass etwas vor sich geht, pausiere ich die Show, um den Fans zu helfen, die Hilfe zu bekommen, die sie brauchen.”

Es seien weitere Anklagen zu erwarten.

 

Todesopfer wurden identifiziert

Nachdem bereits am Samstag feststand, dass die Opfer zwischen 14 und 27 Jahre alt waren, wurden nun auch die Namen veröffentlicht. Wir gedenken: Danish Baig (27), Rodolfo Pena (23), Madison Dubiski (23), Franco Patino (21), Jacob Jurinek (20), John Hilgert (14), Axel Acosta Avila (21) und Brianna Rodriguez (16).

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