TRIGGERWARNUNG: Der folgende Text beschäftigt sich mit Vorwürfen schwerer sexualisierter Gewalt. Dieses Thema kann schwierige Gefühle und Erinnerungen, intensive Flashbacks und andere negative Reaktionen auslösen. Bitte sei achtsam, wenn das bei dir der Fall sein könnte.

Aktuell stehen Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs gegen einen namhaften deutschen Rapper im Raum. In diesem Zusammenhang finden aktuell auch andere potenzielle Opfer sexualisierter Gewalt ihre Stimmen und machen Vorwürfe gegen unterschiedliche Akteure der Szene öffentlich.

Wir als HipHop-Magazin sind Teil der Deutschrap-Szene und sind uns unserer Verantwortung als berichterstattendes Medium bewusst. Wir verfolgen die aktuellen Geschehnisse. Wir sind einerseits voller Tatendrang, uns deutlich gegen jede Form des Machtmissbrauchs und gegen sexualisierte Gewalt auszusprechen. Auf der anderen Seite sind wir zugegebenermaßen ratlos. Wie sieht der richtige Umgang mit den aktuellen Geschehnissen aus? Wenn wir uns diese Frage stellen, sprechen wir nicht von unseren persönlichen Einstellungen als Menschen, sondern davon, wie die Handlungsoptionen als berichterstattendes Medium aussehen. Unsere Kolleg*innen von Backspin sind mit gutem Beispiel vorangegangen. Wir fühlen uns ebenfalls nicht wohl damit, am heutigen Freitag weiterhin aktuelle Releases zu teilen, als würden keine schwerwiegenden Vorwürfe gegen einige Akteure dieser Szene im Raum stehen.

Wir stellen uns die Frage, wie innerhalb der Industrie der langfristige Umgang mit solchen Vorfällen und potenziellen Täter*innen aussehen wird. Distanzieren wir und unsere Kolleg*innen uns aus gegebenem Anlass und entscheiden uns dazu, am heutigen Freitag keine aktuellen Releases zu teilen, ist das aus unserer Sicht die einzig richtige Option, mit der Situation umzugehen. Doch was passiert, wenn in naher Zukunft die schweren Anschuldigungen in Vergessenheit geraten, wie es in der Vergangenheit wahrscheinlich leider schon viel zu häufig der Fall war? Dann wirkt unsere heutige Stellungnahme wie eine Aneinanderreihung leerer Worte. Und das möchten wir auf keinen Fall.

Dass in unserer Gesellschaft Machtverhältnisse systematisch ausgenutzt werden, ist Realität. In jeder Hinsicht irgendwie übergriffiges Verhalten unter dem Deckmantel des Genres Rap zu rechtfertigen und damit zu verharmlosen, ist weder in Ordnung noch zeitgemäß. Wir stehen hinter allen potenziellen Opfern sexualisierter Gewalt. Wir sehen die im Raum stehenden Anschuldigungen und nehmen jede Äußerung in diesem Zusammenhang ernst. Es ist unsagbar wichtig, dass wir gemeinsam mit unseren Kolleg*innen als HipHop-Medien in diesem Zusammenhang Geschlossenheit demonstrieren. Den richtigen Umgang mit der aktuellen Situation zu finden, ist ein Prozess und wir haben keine konkrete Antwort parat, wie genau dieser Umgang auf medialer Ebene aussehen wird. Für heute aber so viel: Dies ist kein regulärer Releasefreitag. Aus gegebenem Anlass sehen wir davon ab, weiter Releases zu teilen.

Die aktuellen Vorwürfe sind nicht bestätigt. Solange diese nicht bestätigt sind, gilt in jedem Fall die Unschuldsvermutung. Wie schon in der Vergangenheit bei ähnlicher Berichterstattung sind wir auch im aktuellen Fall sofort mit dem Anwalt des besagten Rappers und rechtlichen Konsequenzen konfrontiert worden. Für verhältnismäßig kleine Onlineplattformen ist das immer wieder ein Problem, auch das ist Teil der Realität.

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