6ix9ine, der erst vor kurzem aus dem Gefängnis entlassen wurde und den Rest seiner zweijährigen Haftstrafe im Hausarrest absitzen darf, beantwortet in einem Interview mit Joe Coscarelli von der New York Times erstmals  Fragen zu seiner gewalttätigen Vergangenheit, seinem “Snitching” und seinem schlechten Ruf.

6ix9ine ist erfolgreich im Musikgeschäft. Mit 24 Jahren haben es bereits zwei seiner Hits in die  Top 5 geschafft haben; sein Video zu “Punani” hat es in gerade einmal einem Monat zu 97 Millionen Aufrufen auf YouTube gebracht. Der Rapper, der mit bürgerlichem Namen Daniel Hernandez heißt und auch unter dem Synonym Tekashi69 bekannt ist, hat sich nicht nur durch seine musikalischen Erfolge, sondern vor allem als Internettroll und aufgrund seines Vorstrafenregisters einen Namen gemacht. Anschuldigungen häuslicher Gewalt, der sexuelle Belästigung einer Minderjährigen und seine Beziehungen zum Gangmilieu machen ihn zu einer der polarisierendsten Figuren der Popkultur. Im Februar 2019 bekannte er sich schuldig, in die kriminellen Machenschaften von Nine Trey Bloods involviert zu sein, einer gewalttätigen Gang aus Brooklyn, die Drogen- und Waffenhandel betreiben soll. 6ix9ine kooperierte mit der Justiz und gab sensible Informationen preis, die seine ehemaligen Verbündeten angreifbar machten und die Ermittlungen gegen die kriminelle Gang entscheidend vorangebracht haben sollen. Diese Kooperationsbereitschaft kann als cleverer Schachzug gesehen werden, der 6ix9ine sicher etliche Jahre im Gefängnis erspart hat. Sein sorgsam aufgebautes Gangsterimage wird er in diesem Zusammenhang nicht aufrechterhalten können.

In seinem ersten Interview nach  seiner 13-monatigen Haftstrafe spricht 6ix9ine darüber, warum er sich zum Verrat an seiner eigentlichen Gang entschieden habe. Einzig die Tatsache, dass er an einen einzuhaltenden Streetcode geglaubt habe, habe ihn jahrelang davon abzuhalten, mit seinen Informationen zur Polizei zu gehen. Seine Entscheidung, in der Vergangenheit Teil von Nine Trey geworden sein, bereue er dennoch nicht. Schließlich habe er genau gewusst, worauf er sich einlasse. Ohne seine Verbindungen zu Nine Trey Bloods stünde er karrieretechnisch nicht da, wo er heute steht: Sein Gangimage und die daraus resultierende Street Credibility seien maßgeblich für seinen Erfolg auf dem amerikanischen Markt verantwortlich.

Zu seinen Verbrechen und seinem Fehlverhalten bekenne er sich absolut schuldig. Dazu gehören die körperliche Misshandlung von Sara Molina, der Mutter der gemeinsamen Tochter, sowie die sexuelle Belästigung einer Minderjährigen. Der damals 18-Jährige sei sich seiner Schuld damals nicht bewusst gewesen. Nun wolle er für seine Taten einstehen, ohne sich von der Öffentlichkeit an den Rand der Gesellschaft drängen zu lassen.  Die vergangenen Fehltritte und deren Folgen sehe er vielmehr als Lektionen, die ihm das Leben erteilt habe. Daher bereue er nichts. Ein Rückzug aus der Öffentlichkeit sei für ihn keine Option: “I fell in love with the fact that i inspire people”, sagt er weiter. Die Aufmerksamkeit, die er bekomme, mache ihn süchtig. “I’m a genius at what I do”, rechtfertigt 6ix9ine die Tatsache, dass seine Musik in Anbetracht seiner Erlebnisse und seiner Haftstrafe nicht merklich tiefgründiger geworden ist.

Seine persönliche Sicherheit mache im nach wie vor Sorgen, wenn sein Security Team nicht bei ihm sei. Deshalb Teil des Zeugenschutzprogrammes zu werden, komme für ihn dennoch nicht infrage, allein schon aufgrund seines auffälligen Erscheinungsbildes und seiner zahlreichen Tätowierungen. Die Angst vor dem eigenen Tod sei mittlerweile viel mehr zu seinem Lifestyle geworden.

Auch zur “Black Lives Matter”-Bewegung äußerte sich 6ix9ine im Interview. Sich selbst sehe er nicht in der Rolle eines Aktivisten und seine Wortwahl wolle er nicht überdenken: “Nobody’s going to make me stop saying n****.” Nach wie vor scheint sich 6ix9ine in der Rolle des polarisierenden Trolls zu gefallen. “Keep hating me, because you’re going to keep tuning in”, wendet er sich am Ende des Interviews an die Öffentlichkeit.

Das gesamte Interview in Originalsprache findet ihr hier.

 

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