Vor einigen Tagen veröffentlichte eine Transfrau auf Instagram in ihrer Instagram-Story pikante Nachrichtenverläufe mit dem Rapper Sinan-G und postete daraufhin auch Bilder, die beweisen sollen, dass sowohl Sinan-G als auch Zuna von der KMN-Gang mit der besagten Frau verkehrten. Ob die Nachrichtenverläufe und Bilder wirklich von Sinan und Zuna stammen, können und wollen wir überhaupt nicht bewerten. Dass sich daraufhin Twitteruser über den Fakt lustig machen, dass beide in ihren Lieder versuchen so hetero und maskulin wie nur möglich rüberzukommen, ist erst einmal auch noch kein wirklicher Skandal. Doch dass Raphörer auf Twitter im Jahr 2020 ernsthaft darüber lachen, dass zwei ihrer Vorbilder eventuell mit einer Transfrau geschlafen haben könnten, ist völlig hängengeblieben und sollte gerade von uns Hip-Hop-Medien kritisiert werden.

Hier eine kleine Auswahl der gemeinten Tweets:

Auch wenn Tweets wie diese vielleicht lustig gemeint sind, kristallisiert sich raus, was für ein Bild von Frauen und queeren Menschen diese Twitteruser haben. Eine Transfrau als Fake-Frau zu bezeichnen ist verachtend gegenüber jeder Transfrau, die jahrelang mit psychischen Problemen zu kämpfen hatte, weil sie in einem falschen Körper geboren wurde und in der Gesellschaft über Jahre nicht ihren Platz finden konnte. Einen Sinan-G als Opfer zu bezeichnen, weil er laut Gerüchten mit einer Transe geschlafen hat, macht die Sache nicht viel besser. “Vay Vay du bist gay. Ekelhaft it in mofugga” setzt der ganzen Trans- und Homophobie die Krone auf. Das einzig ekelhafte sind eure Reaktionen auf die Gerüchte. Auch weitere Kommentare, die es lustig finden, dass Männer mit Transfrauen oder Männern schlafen, finden sich zu der ganzen Thematik auf Twitter leider viel zu häufig.

Alte Rollenbilder im Deutschrap

Das Problem der Transphobie im Deutschrap fängt aber natürlich nicht erst bei den Raphörern an. Durch sexistische, homophobe oder eben transphobe Lines werden junge Zuhörer quasi dazu erzogen, jegliche Sexualität und sexuelle Identität abseits von der Heteronormativität als etwas Komisches anzusehen. Mitschuld ist daran bestimmt auch, dass es in der Rapszene bisher keine wirklichen trans* oder andere queeren Role-Models gibt. Verständlich, wenn man bedenkt, was für einen riesen Shitstorm Trans*künstler von einigen Akteuren und ihren Fans aus der Szene befürchten müssen. Dass das allerdings sehr wohl funktionieren kann, sieht man an dem jüngsten Beispiel Mavi Phoenix. Dieser hat sich erst Anfang des Jahres offiziell geoutet, lebt seitdem öffentlich als Mann und kann damit ein Vorbild für seine Zuhörer sein. Wenn wir in Zukunft also weniger Lines wie Bushidos Lorielle London-Zeile gegen Kay One hören und dafür mehr Künstler offen zu ihren sexuellen Vorlieben oder sexuellen Identität stehen können, wäre das ein großer Schritt in die richtige Richtung. Und ja na klar, im Rap wird es immer Grenzüberschreitungen geben, weil verschiedene Lebensrealitäten ungefiltert wiedergegeben werden und es auch um den Battle-Gedanken geht, keine Frage. Aber vielleicht können vor allem Künstler und wir als Hip-Hop-Medien in Zukunft ein wenig mehr darauf achten, dass vor allem junge Rapfans verstehen, dass viele Texte vor allem im Straßen- und Battlerap differenziert zu betrachten sind. Damit wir bei den nächsten Gerüchten zu sexuellen Vorlieben von Künstlern nicht noch einmal soviel Transphobie und Verachtung gegen Menschen aus der LGBTQ+ Community lesen müssen.

Kommentar von Michael Gnahm

Eine Antwort
  1. Der Habicht

    lol transphobie ist doch nur in Kreisen ein Thema, in denen sich Sinan-G und seine Entourage aufhalten, sowie alle anderen Rapper, die auf ultra hart und männlich machen. Niemanden würde es jucken, wenn Leute wie Casper, Prinz Pi oder ein Marteria eine Transperson ficken würde. Könnt euch ja mal fragen, warum die Reaktionen gerade bei Sinan-G so hämisch sind. Oder einen Artikel schreiben, der gerade dieses Welt- und Rollenbild von Leuten wie Sinan-G, Manuellsen oder Kollegah kritisiert. Sich einen Strohmann aus Twitterkommentaren aufzubauen ist aber wahrscheinlich einfacher und angenehmer, als plötzlich Manuellsen vor der Redaktion stehen zu haben lel

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