“Schon wieder dieser schreckliche Typ ohne jegliche Bildung und ich heiß euch willkommen zu Styles die dreckig sind wie Mülltonnen.”. Mit diesen Worten eröffnete Samy Deluxe vor genau 20 Jahren das legendäre Album “Deluxe Soundsystem” und sollte damit den ersten Schritt in Richtung Unendlichkeit gehen. Rap auf einem bis zu diesem Zeitpunkt (auf deutscher Sprache) nahezu unübertroffenem Level, gepaart mit stilsicheren Produktionen aus der Schmiede seiner Crew-Mitglieder Tropf und Dynamite ebneten den Startschuss für eine der erfolgreichsten Karrieren der deutschen Rap-Musik. Aber mal der Reihe nach:

Gründung

Nachdem Samy und Dynamite bereits Mitte der 90er unter dem Namen “No Nonsense” gemeinsam musikalisch aktiv waren und damit den Hamburger Untergrund unsicher machten, holten sie im Jahre ‘97 den Produzenten und Sound Engineer Tropf mit ins Boot, um fortan zusammen zu agieren. Aus dem zu dieser Zeit von Jan Philipp Eißfeldt, besser bekannt als Eizi Eiz oder heute als Jan Delay, gegründeten Eimsbush Basement heraus, arbeiten die 3 Künstler an Tracks und veröffentlichten noch im gleichen Jahr ihr erstes Demotape, auf dem bereits ihr Szene-Hit “Pures Gift” zu hören war.

Während die Absoluten Beginner bereits seit ihrem Debütalbum “Flashnizm” im Jahr 1996 und spätestens seit “Bambule” um Hits wie “Liebeslied” im Jahr 1998 einen ordentliche Hype hatten, wollte Eißfeld seine Reichweite und Kontakte nutzen, um einen Major Vertrag für die Jungs von Dynamite Deluxe an Land zu ziehen. Nachdem sich das allerdings als schwierig erwieß, releaste das Trio 1999 die “The Classic Vinyls LP” über das von Eizi Eiz gegründete Label “Eimsbush Entertainment” und machten damit auf eigene Faust auf sich aufmerksam.

Zu dieser Zeit genoß Samy Deluxe aber ohne hin schon einen Ausnahmestatus, seit er auf der Beginner-Hitsingle “Füchse” einen denkwürdigen Part ablieferte und damit auch den Mainstream erreichte. Diesen Hype nahmen die Jungs mit ins neue Jahrtausend und veröffentlichten im Jahre 2000, nun mit Unterstützung des Major Labels EMI, ihr Debütalbum “Deluxe Soundsystem“.

Hits & Erfolge

Die Deutschrap-Hysterie zur Jahrtausendwende war groß: Die Fantastischen Vier lieferten bereits seit einigen Jahren ab. Es folgten Formationen wie die Absoluten Beginner, Freundeskreis, Stieber Twins und viele mehr. Diese Welle kam auch Samy, Dynamite und Tropf zu Gute und so konnten sie ihr Debütalbum wenige Wochen nach Veröffentlichung auf dem 4. Rang der deutschen Charts platzieren. In den Jahrescharts landeten sie mit dem Album auf Platz 70. Zum Vergleich: Die “Marshall Mathers LP” von Eminem schloss auf Platz 12– und das legendäre “2001“-Album von Dr. Dre auf dem 45. Platz ab.

Insgesamt hielt sich das Album für 21 Wochen in den Top 100 der deutschen Albumcharts und wurde 2001 von der Deutschen Phono-Akademie mit dem ECHO in der Sparte Hip-Hop/R&B national ausgezeichnet.

Als Singles wurden die Tracks “Wie Jetzt“, “Ladies & Gentleman” und natürlich die inoffizielle Welt-Cannnabis Hymne “Grüne Brille” zusammen mit Eizi Eiz ausgekoppelt. Das Live-Video der Releaseparty in Hamburg ist übrigens ein Must See für jeden Fan der alten Hamburger Schule:

Die Zeit danach: 

Man könnte schon sagen: Der Rest ist History. Interessanterweise gaben Samy, Tropf und Dynamite noch im selben Jahr ihre Trennung bekannt, um zusammen an einem Solo-Debüt Album von Samy zu arbeiten, welches im darauffolgenden Jahr 2001 in die Läden gekommen ist und dem Hamburger Rapper seine erste goldene Platte einbrachte.

Zu einer namentlichen Reunion sollte es erst im Jahre 2008 wieder kommen, als die Hamburger ihr Album “TNT ” mit den Singles “Dynamit” und “Alles bleibt anders” zusammen mit Jan Delay auf den Markt brachten. Wenn deutscher Rap in diesen Jahren auch eine schwierige Phase durchmachte und sich irgendwo zwischen der Hochphase von Aggro Berlin und dem noch kommenden Hype um Künstler wie Casper, Cro & Marteria befand, stellte das Dynamite Deluxe Comeback definitiv ein musikalisches Highlight dar. Ob das Projekt Dynamite Deluxe noch eine Album-Trilogie erleben wird, bleibt abzuwarten. Ihr Debüt-Werk gilt dabei allerdings bis heute als eines der wichtigsten Alben der deutschen Rap-Geschichte und sollte damit in jeder gut sortierten Deutschrap-Sammlung einen Platz finden.

 

 

 

 

 

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