Deutscher Rap entwickelt sich immer weiter. Von Freundeskreis, zu Sido, zu Haftbefehl, zu wem auch immer. In regelmäßigen Abständen sorgen musikalische Stilwechsel dafür, dass unsere Definition von Rapmusik sich immer weiter verändert – und das ist auch gut so. Aktuell ist die New Wave” (Urheberrecht bei Osvkv) quasi die Fortsetzung der neuen Deutschen Welle. Allen voran steht ein junger Artist aus der Nähe von Köln im Rampenlicht – Edo Saiya. Im Folgenden findet ihr einige der Gründe für seinen Erfolg und Daten rund um den Shootingstar.

Authentizität

Egal ob Sido, Apache oder Capital Bra. Authentizität ist einer der Grundbausteine jeder erfolgreichen Rapkarriere. Es ist wichtig, dass ein JAW den Eindruck vermittelt, wirklich mit inneren Dämonen zu kämpfen – genau so wie Leute von der 187 Strassenbande erwarten kriminell zu sein. Zu häufig wirken Artists konstruiert und vermitteln den Eindruck einer “Industry Plant“. Im Umkehrschluss erkennen Zuhörer häufig den Unterschied und bringen “echten” Künstlern mehr Liebe entgegen, so auch in diesem Fall.

Authentizität ist schwer zu messen. Wirft man einen kleinen Blick in die erstaunlich üppige Diskografie von Edo Saiya, sticht ein Projekt dabei besonders hervor „The Cold Hit Hard“. Alle Songs tragen Uhrzeiten als Titel: von 3:28 Uhr bis 3:51 Uhr. Diese 23 Minuten sind deckungsgleich mit der Länge des Projekts. Das Cover gibt außerdem folgende Information: „PLEASE LISTEN TO THIS PROJECT AT 3:28AM“.

Ursprung dieses Konzepts ist ein äußerst persönliches Telefonat des Kölners gewesen, welches zu dieser Zeit stattgefunden hat. Die Songs vermitteln den Eindruck, dass sie eigentlich nur für ihn selbst seien und nicht an eine Sekunde an PlaylistenTauglichkeit gedacht wurde. Die Tracks sind, aufgrund der naheliegenden Uhrzeiten schwer auseinanderzuhalten. Vielleicht führt das dazu, dass die Songs seltener gestreamt werden. Das absolute Ergebnis ist ein selbstgeschri Konzeptprojekt, welches den Hörer genau durch die Realität begleitet, die Edo Saiya erlebt hat – und das in höchst künstlerischer Art und Weise.

TeamFuckSleep

Jeder der Edo verfolgt weiß, dass er Teil des Kollektivs TeamFuckSleep ist. Gemeinsam mit Felikz, Jalle, Freezy, Kidnfinity, Kid Cairo (und vielen mehr) bricht die „zweite Generation“ der Crew immer weiter nach vorne. Große Teile des Erfolgs gehen dabei natürlich auf den Nacken von Sierra Kidd. Egal ob simples pushen auf Instagram oder der „Sorry Not Sorry (Remix)“, Kidd machte als Kapitän den ersten Schritt und ist maßgeblich daran beteiligt, dass seine Jungs das bekommen, was sie seiner Meinung nach verdienen.

Als Künstler ist der gebürtige Emdener schon länger Teil der Öffentlichkeit, als man auf den ersten Blick vermuten könnte. Schließlich ist sein Auftritt beim Bundesvision Song Contest mittlerweile satte 6 Jahre her. Innerhalb dieses Zeitraums machte Kidd eine persönliche und gleichermaßen musikalische Entwicklung durch und wird von vielen Fans unter anderem für seinen progressiven Sound gefeiert. Damit setzte er eine Art Grundbaustein für Musik, die seit Ende 2018 auf dem Come-Up ist. Hätte Sierra Kidd nie „Rest In Peace“ gedroppt, hätten es Künstler wie Edo Saiya, Negatiiv OG oder Lil Lano vielleicht etwas schwerer die Massen anzusprechen.

Alles in allem wirkt TeamFuckSleep wie die optimale Heimat für Edo. Statt analytischen Schlipsträgern bekommt er die Möglichkeit mit Künstlern zu arbeiten, die die gleiche Vision teilen und versuchen ihre Träume zu verwirklichen.

Organische Numbers

Das alles mag zwar schön und gut sein, leider definieren sich erfolgreiche Künstler primär über eine Sache: Zahlen. Und auch die kann Edo Saiya vorweisen. 870.000 monatliche Hörer auf Spotify (knapp 300.000 mehr als Sierra Kidd), 67.000 Follower auf Instagram und 10.000.000 Streams auf „Highway“ sind nur einige Eckdaten, die veranschaulichen, was für eine Fanbase hinter Edo steht.

In Zeiten von Kai und diversen Rappern, mit erstaunlich schnell wachsenden Followern, stellt sich dabei natürlich folgende Frage: Sind die Rezipienten echt? Diese Frage lässt sich hervorragend mit der Entwicklung seiner Live-Auftritte beantworten. Am 22. Dezember 2018 war Edo mit einigen anderen Künstlern in Berlin gebucht und performte vor einer dreistelligen Anzahl an Besuchern – mitten in der Nacht.

Genau ein Jahr später spielt der Kölner seine erste, große Live-Show in Berlin – vor über 1.200 Zuschauern. 365 Tage hat es gebraucht um die Besucher außerordentlich zu steigern. Der Andrang war dabei auch für die Veranstalter nicht zu erwarten, schließlich wurde dreifach hochverlegt. Letzendlich ist auch das Metropol zur ausverkaufen Mosh-Pit Arena geworden. Dabei stand hinter der Organisation unter anderem Manager Jan Rode, welcher vor einigen Jahren mit seiner Firma Tube One daran arbeitete YouTuber wie Alberto oder DieAussenseiter medial in Szene zu setzen. Mittlerweile wurde die erste Tour von Edo angekündigt, welche unter dem Namen “Brille Kaputt” in kürzester Zeit den Großteil der Venues ausverkauft hat. Wer keine Tickets mehr gekriegt hat, bekommt dafür auf dem diesjährigen splash!-Festival die Möglichkeit sich von seinen Live-Qualitäten begeistern zu lassen.

Mediale Präsenz

Wenn ihr euch nun fragt, weshalb ihr ggf. noch nie von Edo gehört habt, gibt’s auch auf diese Frage eine simple Antwort: Die Musik findet größtenteils in einer safen Bubble statt und bekommt von anderen Plattformen geringe Aufmerksamkeit. Wenige Musikmagazine setzen sich mit der neuen Generation von Künstlern auseinander. Wenn dann doch berichtet wird, kommt es vor, dass Schubladendenken und nicht greifende Vergleiche mit anderen Künstlern einen eigentlich sinnvollen Beitrag zunichtemachen. Wer jetzt Interesse daran hat mehr von ihm zu hören, hat die Möglichkeit in der Hotbox, bei MachLaut, der Bravo oder natürlich auf 16BARS:

Geschrieben von Haci Altinpinar

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