Deutschland befindet sich immer noch in Schockstarre nach dem gezielt rassistischen Anschlag in Hanau, bei dem am vergangenen Mittwochabend insgesamt 9 Hanauer mit Migrationshintergrund ihr Leben lassen mussten. Unser Land hat ein Nazi-Problem, das nicht mehr von der Hand zu weisen ist und die Hemmschwelle zum rechtsradikalen Terror scheint beängstigend schnell gesunken zu sein.

Nachdem sich der in Hanau aufgewachsene Künstler Azzi Memo bereits via Social Media mit einem Statement öffentlich zu Wort gemeldet hat, spricht er nun in einem Interview mit dem Spiegel nochmals ausführlich darüber, wie er die Tat einordnet und wie er und seine Stadt trauern und versuchen zu verstehen. Unter den Opfern befand sich auch der Sohn eines Cousins von ihm und einige der Verstorbenen waren ihm persönlich bekannt. Ein Freund von ihm hat den Anschlag mit einem Schuss in die Schulter überlebt und befindet sich aktuell im Krankenhaus.

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Mehmet Seyitoglu, so sein bürgerlicher Name, erklärt in dem Interview, das Hanau im Grunde eine sehr friedliche Stadt sei, in der das multikulturelle Leben Seite an Seite gut funktioniere. Außerhalb des Internets habe er kaum Berührungspunkte mit direktem Rechtsradikalismus gehabt und die örtlichen Shisha Bars dienen als Treffpunkte für jedermann, völlig unabhängig von Herkunft, Religion oder Hautfarbe.

Auch wenn die innere Trauer und die damit einhergehende Wut vermutlich tief sitzt, sind sich Memo und sein Umfeld sicher, dass Gewalt niemals die Lösung sein kann:

“Ja, wie wäre es, wenn wir jetzt auch alle eine Waffe hätten? Auch nicht gut, oder? Gewalt ist keine Lösung, nie. Niemand hat das Recht, ein Leben zu nehmen.”

Außerdem schreitet Azzi Memo nun selbst zur Tat und arbeitet aktuell mit einigen Rapper-Kollegen an einem Charity-Song, dessen Erlöse zu 100 % an die Angehörigen der Opfer aus Hanau gehen sollen. Dabei erhält Unterstützung von Rooz, der Rap-Deutschland öffentlich dazu auffordert sich bei ihm zu melden, wenn sie Teil dieses Projekts sein wollen:

 

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