Deutscher Rap überflutet das Internet: GossipInformanten aus der Szene schießen auf sämtlichen YouTube-Kanälen aus dem Boden und bringen Gerüchte und News in selbst geschnittenen Appetithäppchen an die Leute. Mit teilweise bemerkenswerter Aktualität lösen diese Clips mittlerweile von Redaktionen verfasste Artikel und Beiträge als Medium der Wahl ab und fungieren als DeutschrapNewsticker der Szene – manchmal auch auf Kosten der Wahrheit.

Diese Entwicklung kann durchaus als kritisch betrachtet werden. Glücklicherweise gibt es mit der Rapschau ein Pendant zum unprofessionellen Einheitsbrei. Das Gesicht hinter einer bunten Sturmmaske verborgen, sitzt der sich selbst „Mr. Rap“ nennende YouTuber vor einer mit RapperVisagen drapierten Tapete und spricht über Deutschrap. Irgendwie klasse. Doch was macht Mr. Rap besser als die anderen?

Zunächst mal ist er in seiner Berichterstattung furchtlos, ehrlich und verdammt lustig. Während deutscher Rapjournalismus irgendwann falsch abgebogen ist, rast der ironische Maskenmann auf der Überholspur an vielen vorbei.

Das Alleinstellungsmerkmal der Maske könnte auf den ersten Blick etwas lächerlich wirken, hat allerdings einen vorteilhaften Effekt: Durch seine Maskierung hat er die Möglichkeit über jeden zu sagen was er will, egal wie “böse” es sein mag. Einige Rapjournalisten lassen sich durch bedrohlich agierende Künstler beeinflussen, Gespräche werden zunehmend b und eine orale Befriedigung des Gegenübers gehört quasi zum guten Ton eines Interviews. Auch ihm kann man an dieser Stelle vorwerfen, dass er die Maske nur trägt, um sich den möglichen Konsequenzen seiner Aussagen zu entziehen. Doch selbst wenn das der Grund für seine Verkleidung sein sollte, wäre es zumindest eine charmante Lösung.

Wenn er brisante Themen wie die Gerichtsverhandlung von Nash oder Meros Beef mit Sero El Mero aufgreift, könnte zu Beginn ein äußerst bou­le­var­desker Eindruck entstehen. Doch schaut man sich das Video an, findet man nicht nur gut recherchierte Fakten, sondern ebenfalls eine Darstellung der Themen die für viele Zielgruppen geeignet sind. Zumeist tragen sich die Videos auch nur durch Erzählungen, Einblendungen sind eher die Seltenheit. Dabei stellt er beispielsweise dar, dass Beef für Promo schon immer gute Vermarktung mit sich brachte. Leicht ironische Aussagen, die zu keinem Zeitpunkt in abfällige Respektlosigkeiten umschwenken, gehören bei der Rapschau dazu.

Ein besonderes Highlight stellt sein Interview mit Sido dar. Dieser kündigte via Instagram an, dass sein nächstes Interview mit Mr. Rap sein werde, andernfalls wird er nie wieder ein Interview geben. Diese Chance ließ sich der Rapschau-Host nicht entgehen. Das daraus resultierende Interview ist pures Gold. Nach nicht einmal einer halben Minute gibt es einen Stromberg-artigen Handschlag, der an Fremdscham schwer zu überbieten ist. Guter Start. Sido’s Aussage, dass er gerne etwas trinken würde, kommentiert Mr. Rap lediglich mit einem dahin gemurmelten „Okey“. Großartig.

In dem 8-minütigen Interview folgen allerlei Sticheleien gegen die deutsche Rap-Legende:

Indirekte Kritik an der Teilnahme bei der Castingshow The Voice of Germany, die wörtliche Betrachtung von “Tausend Tattoos auf der Haut” und “Bilder im Kopf” sowie Anspielungen auf sexuelle Übergriffe auf dem splash! Festival sind ein erfrischender Gegensatz zum normalen Interview-Alltag. Dabei scheut sich Mr. Rap nicht indirekt gegen Künstler wie Kollegah zu schießen und gleichermaßen Breitseiten an Davoud von TV Strassensound zu verteilen. Manche Fan-Fragen gehören einfach vorgelesen.

In diesem Kontext muss man aber gleichermaßen ein Kompliment an Sido aussprechen, nicht jeder Rapper hat genug Gefühl für Humor und Selbstironie um bei diesem Format stattfinden zu können. Das hat leider nicht jeder. Wir wünschen Mr. Rap alles gute und wollten nur kurz mal sagen wie toll wir das alles finden.

Geschrieben von Haci Altinpinar mit freundlicher Unterstützung von Tom Ulrichs.

Aktuelle Deutschraptracks findet ihr außerdem in unserer Playlist:

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