Snoop Dogg - Tha Blue Carpet Treatment
Snoop Dogg – Tha Blue Carpet Treatment

Vor kurzem ist der achte Longplayer des Doggfathers aus Long Beach erschienen. Nachdem Snoop mit dem letzten Album “R&G: The Masterpiece” teilweise sehr poppige Stücke an den Mann brachte (“Signs” mit Justin Timberlake) und sich eher auf seine Pimp/Entertainer Qualitäten besann (man denke an seine Rolle als Huggy Bear in Starsky & Hutch) soll es auf dem neuen Album wieder härter und “ruffer” zugehen. Big Snoop Dogg will zeigen, dass er immer noch “Gangsta” genug ist die neue Rapkonkurrenz in Schach zu halten und nichts aus den alten Doggystyle Zeiten verlernt hat. Dies lässt allein schon der Titel des neuen Albums vermuten, der einen Verweis auf Snoops Ganghintergrund bei den Crips auffährt. Ob die Rückbesinnung auf alte Tugenden und Gangbangerzeiten eine logische Konsequenz nach den vielen poppigen Klängen ist, oder eher einen bewussten Schachzug im Zuge des Hypes um Gangbanger und ihre Taten darstellt, bleibt mal dahingestellt.

Fakt ist aber, dass The Game dank der mit ihm verbundenen Gerüchte um Bloods und Gangbanger sicherlich einige zusätzliche Alben mehr verkauft haben dürfte. Auch 50 Cent und seine G-Unit haben die Zeichen der Zeit erkannt und mit Spider Loc einen Typen gesignt, der den Crips zugeordnet wird.

Was man ohne Zweifel aber nur loben kann, ist Snoop’s Bemühen die Westküste wieder zu etablieren. Dies ist ihm mit der Westcoast Friedenskonferenz und der Versöhnung der Streithähne Daz Dillinger und Kurupt zum Teil schon gelungen. Auch halten sich Gerüchte, dass der Doggfather in Zusammenarbeit mit Koch Entertainment versucht eine Plattform für Westcoastkünstler zu schaffen namens Koch West. Auf dem Album wird diese neue Westcoast Unity anhand der zahlreichen Westküsten Artists bestätigt, was definitiv nur zu begrüßen ist. Bleibt nun abzuwarten, ob die Besinnung auf die Wurzeln und die Rückkehr zur Westcoast die Erwartungen erfüllen kann.

01 – Intrology (feat. George Clinton)

Das Intro featuret die Funk Legende George Clinton und fällt dementsprechend funky aus. Der sehr westcoast-lastige Beat stammt von Battlecat, der sich im Westen mit seinen guten Produktionen ja bereits einen Namen gemacht hat. Schon im Intro nimmt Snoop auf die Crips Bezug und zählt auf, was bei ihm alles “blue” ist (ob Snoop die Gruppe Eiffel 65 kennt?). Gutes Intro, das Lust auf mehr macht.

02 – Think About It

Auf einer sehr old school lastigen, souligen Produktion von Frequency nimmt der Doggfather sich Zeit für einen Real Talk. Dabei zeigt er sich von seiner besten Seite und legt über den wirklich entspannten Beat eine richtig gute Performance hin. Natürlich hat Snoop nichts von seinem enormen Selbstvertrauen eingebüßt:

“Sittin” at home watchin motherfuckers at the Grammy’s
Wishin I was there, naw nigga I don’t wish no more
I’m the big cat, fisch in the bowl
Basically you hear these rappers out here using my flow
They need Snoop on they song to make they shit official though”

Ganz klar: der erste reguläre Track des Albums ist ein Kracher.

Nate Dogg
Nate Dogg

03 – Crazy (feat. Nate Dogg)

Westcoast Produzent Fredwreck hat für Snoop einen extrem schrägen Beat gezaubert, der sehr nach Kalifornien klingt und zwar anfangs sehr sperrig und merkwürdig anmutet, aber letztlich doch überzeugt. Um die frische und moderne Westcoastproduktion abzurunden wurde Hookmaster Nate Dogg geladen, um eine seiner typischen Hooks abzuliefern. Der Song kommt insgesamt mehr als ordentlich daher.

04 – Vato (feat. B-Real)

Die im Vorfeld veröffentlichte Streetsingle verdeutlicht Snoop’s Bemühen seine alten Zeiten wieder aufleben zu lassen. Der Track handelt dementsprechend vom Gangsterleben und fährt einen harten und bösen Text des Doggfathers auf:

“This motherfucker ran up on me
Talkin shit with his homies like he was a straight G
Askin where I from while he runnin up
Gangbang my set on every one of ’em
Some things, sons they won’t change
Fools don’t respect nuttin but the gangbang”

Dazu gesellt sich B-Real, dessen Hook perfekt zu Snoops Erzählungen passt. Der Beat kommt von den The Neptunes, die ihre üblichen Pfade verlassen haben und einen richtigen Brecher produziert haben. Insgesamt stimmt also alles und Snoop’s Rehabilitation zum Banger ist auf diesem Ausnahmesong geglückt.

05 – That’s That Shit (feat. R.Kelly)

Die erste Single ist naturgemäß sehr kommerziell und R&B lastig ausgefallen. Dabei kann man den eingesetzten Panflöten und dem langsam vor sich hinschleppenden Beat von Nottz durchaus einen Reiz abgewinnen. Textlich werden die Ladys angesprochen, weshalb wohl auch R.Kelly seinen Senf dazugeben darf. Zu Snoop’s sehr entspanntem Vortrag liefert er die Hook, wobei er nicht sonderlich inspiriert wirkt, aber zum Glück auch nicht zu negativ auffällt. Die Single ist zwar nicht sonderlich spektakulär und innovativ, aber die Panflöte kommt gut.

06 – Candy (Drippin’ Like Water) (feat. E-40, MC Eiht, Goldie Loc, Daz Dillinger & Kurupt)

Snoop Dogg springt in diesem Track auf den Hyphy Zug, der momentan ja in aller Munde ist. Dazu hat er sich mit Rick Rock an den Reglern und der Bay Area Legende E-40 auch die passenden Gäste geladen. Der sehr reduzierte Beat fällt besonders durch die monotone Frauenstimme in der Hook auf, die geradezu eine hypnotisierende Stimmung erzeugt. Durch die Gastbeiträge der Westcoast Rapper Daz, Kurupt und Goldie Loc wird deutlich, dass Snoops Versprechen, die Westküste zurückzubringen keine leere Phrase war. Und wenn dabei sogar Veteran MC Eiht einen Gastbeitrag zusteuert, kann sich nur mächtig gefreut werden. Der Hyphy Sound ist zwar sicherlich nicht unumstritten, aber die Single ist trotzdem in Ordnung.

Damian Marley
Damian Marley

07 – Get A Light (feat. Damian Marley)

Snoop Dogg auf einer Produktion von Timbaland. Was auf dem Papier richtig gut klingt, fällt in der Praxis etwas enttäuschend aus. Dies liegt weniger an Snoop selber, der es schafft gleichzeitig entspannt und böse zu wirken und eine mehr als ansprechende Leistung vollbringt. Vielmehr ist Timbaland‘s Beat nur durchschnittlich. Zwar ist die Produktion relativ druckvoll und die spät einsetzenden Pianoklänge erinnern in positive Weise an ein klassisches Westcoaststück, aber trotzdem kann der Beat nicht überzeugen. Damian Marley‘s Hook bleibt auch Geschmackssache.

08 – Gangbangin’ 101 (feat. The Game)

Wie der Titel schon verrät geht es in diesem Track um das berüchtigte Gangbanging. Dabei lädt Snoop als bekennender Crip den mit dem Bloods assoziierten Game ein, was den neuen Unity Gedanken trägt. Snoop überzeugt besonders auf dem Track:

“Have you ever seen 100000 Rip riders from the side
Blue Chuck’s, blue rags, grey clouds, blue skies
On the move, can’t lose, Hill Street blues
Niggaz gotta pay they dues on the crews or with the uzi spray”

Die Produktion von THX ist zwar nicht überragend, geht aber in Ordnung, wie der gesamte Track (nur die Hook nervt etwas).

Akon
Akon

09 – Boss Life (feat. Akon)

Ein Highlight des Albums stellt diese Dr. Dre Produktion dar, auf der Snoop vom Leben eines wahren Bosses berichtet. Dabei passt sein Flow perfekt zu Dres überragendem Beat:

” Some of ’em lie about the shit they got and what they do on the block
Some of ’em lie about the guns they pop
But I don’t, I don’t, I don’t, I don’t!”

Die Art und Weise, wie selbstsicher Snoop protzen kann und wie charismatisch er dabei wirkt, ist beeindruckend. Auch Akon in der Hook geht klar. Somit springt ein richtiger Kracher heraus.

10 – LAX (feat. Ice Cube)

Snoop Dogg und Ice Cube finden sich auf einer Battlcat Produktion wieder. Diese fällt gewöhnungsbedürftig aus: zwar klingt der Beat schön nach Kalifornien und beinhaltet Sirenen und Pfeiftöne, allerdings bedarf es mehrmaligen Hörens um der musikalischen Untermalung etwas abzugewinnen. Ice Cube versucht mit seinem Part den Leuten klarzumachen, dass er immer noch ein Gangster ist und kein Hollywoodtyp, aber ob ihm das jemand abnimmt ist eher fraglich.

11 – 10 Lil’ Crips

Ein weiterer harter Track, der Snoop’s Gangbangerzeiten aufnimmt. Dabei klingt er in der Hook ein bisschen wie in “G Bedtime Stories”. Wiederum haben die Neptunes einen für sie ungewöhnlichen Beat gezaubert, der gut zu Snoop’s heftigen Lyrics passt. Der Track ist also in Ordnung, wenn auch nicht ein Spitzentitel.

12 – Round Here

Eine weitere Zusammenarbeit vom O.G. Calvin Broadus mit seinem Mentor Dr. Dre. Thematisch geht es weiterhin um Snoop’s Hood und den dazugehörigen Gefahren und Unannehmlichkeiten. Komischerweise erinnert Dre’s sehr ruhiger Beat stark an Eminem‘s Song “Stan”. Erst die in der Hook einsetzenden Pianoklänge lassen auf das Handwerk des Meisters schließen. Das Ergebnis ist sicherlich gut, da beide ihre Arbeit verstehen, aber mehr als ein solides Stück springt nicht heraus.

13 – A Bitch I Knew

Die Tatsache, dass Snoop Dogg ein Pimp ist, der gerne von seinen Eroberungen erzählt, dürfte schon hinlänglich bekannt sein. Auf diesem Track widmet er sich demgemäß dem weiblichen Geschlecht und hält einen expliziten Diskurs über Bitches, die er im Laufe der Jahre kennen gelernt hat. Dabei ähnelt sein Erzählstil durch die Erwähnung der vielen Frauennamen dem von Too Short, was als eine Hommage an den Oberpimp gesehen werden darf:

*”I went up in this big fat bitch named Treva
She had a best friend with titties named Vanessa
She told me to undress her, yessir
Ain’t no pressure, later that semester
She put me down with her homegirl named Tanisha
She was so vicious, lios so luscious
Suck a nigga dick and have it shinin like some dishes”*

Snopp’s Raps haben natürlich einen hohen Unterhaltungswert. Dazu ist der Beat von Rhythem D eine Bombe von Westcoast Beat und rundet den sehr guten Track passend ab.

14 – Like This (feat.Western Union, LaToiya Williams & Raul Midon)

Snoop und seine neu gegründete Gruppe The Warzone (mit Soopafly, Damani und Bad Lucc) laden zum Tanzen ein .Zu dem absoluten chilligen und relaxten Beat von Soopafly wird versucht die Ladys auf die Tanzfläche zu kriegen. Zwar ist der Beat sehr R&B angehaucht und könnte beim ersten Hören als beliebig abgestempelt werden, aber die ganze Sache ist so entspannt und cool, dass man den Song nur mögen kann. Vor allem die Vorstellung, dass Snoop und seine Buddies sich auf dem Dancefloor austoben ist grandios.

15 – Which One Of You (feat. Nine Inch Dix)

Ein weiterer schräger Beat aus der Schmiede von 1500. Klingt sofort nach Kalifornien. Auch dieser Beat ist anfangs gewöhnungsbedürftig, aber wird mir mehrmaligen Hören immer besser. Snoop Dogg und die Nine Inch Dix sind sowieso über jeden Zweifel erhaben: es wird ausgiebig über “Bitches” gerappt und dabei gesungen(!), was sehr lustig rüberkommt. Somit entsteht eine sehr gemütliche Atmosphäre, in der die Pimps so entspannt zu Werke angehen, dass man sich gerne davon anstecken lässt.

16 – I Wanna Fuck You (feat. Akon)

Der Song befindet sich auch auf Akon‘s neuem Album und ist als Single von Akon mit Snoop Dogg als Feature erschienen. In dem USA läuft der Track schon extrem erfolgreich, teilweise auch als Clean Cut “I Wanna Love You”. Der Inhalt dürfte anhand des Liedtitels nahe liegen: der Pimp Snoop referiert über Bitches und Pussy. Der Beat kommt von Akon und ist sehr clubtauglich ausgefallen. So kommt die Zusammenarbeit von Snoop und Akon aufgrund der astreinen Produktion in den einschlägigen Clubs bestimmt gut an uns ist auch sonst ganz ordentlich, ohne ein besonders Highlight zu sein.

Jamie Foxx
Jamie Foxx

17 – Psst! (feat. Jamie Foxx)

Dieser von Jamie Foxx, N8 und Brainz produzierte Track ist in allen Belangen eher schwach ausgefallen. Musikalisch wird seichte Clubmusik serviert und selbst der so charismatische Snoop Dogg wirkt auf dem langweiligen Song etwas uninspiriert. Ein schwacher Lückenfüller.

18 – Beat Up On Yo Pads

Ein durchschnittlicher Song, der man auch hätte vom Album streichen können. Der schwache Beat kommt von Denaun Porter. Inhaltlich geht es Snoops Bemühen den Kids mit Sport (Football) eine Perspektive zu bieten. Immerhin hat der Track also eine positive Message und Snoop Dogg zeigt, dass er sich um die Jugend kümmert.

19 – Don’t Stop (feat. The Warzone & Kurupt)

Ein weiterer Possetrack, der mit einer illustren Liste an Westcoast Rappern aufwartet. So ist eine weitere neue Gruppe namens The Warzone dabei (Snoop, MC Eight, Goldie Loc und Kam) und auch der Young Gotti Kurupt steuert ein paar gute Zeilen ab. Snoop hält sich hier im Hintergrund und überlässt seinen Gästen das Feld. Dabei entsteht ein guter Battletrack, der durch THX’ hart pumpenden Beat mächtig nach vorne geht. Kein Superhit, aber eine überzeugende Zusammenarbeit der Westcoast All Stars.

20 – Imagine (feat Dr.Dre & D’Angelo)

Dr Dre hat auf diesem Track eine weitere ruhige und entspannte Produktion an den Start gebracht, die durch D’Angelo in der Hook einen souligen Einschlag verliehen bekommt. Der Beat nimmt also die Grundmelodik von Boss’ Life auf und erreicht ebenfalls dessen Klasse. Thematisch verlässt der Song die vorher eingeschlagenen Pfade, indem Snoop und Dre versuchen die Zuhörer mit ernsten Lyrics zum Nachdenken anzuregen:

*”Imagine it never happened
Imagine no rappin
Imagine niggaz trapped
Imagine it havin’ action
Imagine Biggie with his son
Imagine Pac gettin call pop ’bout one
Imagine a mother struggling
Dealing with a system that don’t give a fuck about who shot her son”*

Text und Beat harmonisieren wirklich gut miteinander, so dass einer der besten Albumtracks zustande kommt.

21 – Conversations (feat. Stevie Wonder)

Der Abschluss des Albums wartet nochmals mit einer echten Größe als Gast auf: Stevie Wonder übernimmt die Hook des sehr gospelartigen Songs, der zudem auch nach Funk klingt (produziert von DJ Pooh und Stevie Wonder). Snoop schlägt versöhnliche Töne an und kommt nach den derben Lyrics der vorigen Songs mit einem friedlichen Text und einer optimistischen Botschaft daher. Tatkräftig wird er hierbei von Stevie Wonder im Refrain (“Just go talk with God”) unterstützt. Somit stellt der Song einen gelungenen Abschluss der Platte dar, auch wenn wiederum kein echtes Highlight entsteht.

Fazit:

Das neue Album vom Doggfather kann nicht ganz überzeugen: zwar befinden sich auf dem Longplayer mehrere gute Tracks, aber vieles ist auch nicht mehr als durchschnittlich und solide. Natürlich gibt es kaum grobe Ausfälle nach unten, aber unter einigen guten Tracks hat sich auch viel Mittelmaß geschlichen. Am Besten gefallen die erste Streetsingle “Vato”, die Dr. Dre Produktionen “Imagine”, “Boss Life” und “A Bitch I Knew”. Die restlichen Tracks sind auch gut, jedoch sind viele Produktionen anfangs ungewöhnlich sperrig und bedürfen mehrmaligen Anhörens um ihre Qualität zu entfalten. Snoop’s Leistung selber ist grandios: der Mann hat auch nach einigen Jahren im Rap Biz nichts von seinem Charisma verloren und erzählt in gewohnt einzigartiger Weise über Gangster, Knarren und Bitches. Seine entspannte Vortragsweise in Songs wie “Like This” oder “Crazy” bleibt unübertroffen. Auch ist es lobenswert, dass er eine Riege an Top Westcoast Rappern auf der Platte versammeln konnte, was berechtigte Hoffnung auf eine baldige Rückkehr der Westküste macht. Insgesamt ist das Ergebnis nach den großen Erwartungen also etwas enttäuschend, wenn auch ein leicht überdurchschnittliches Rap Album bleibt. Snoop Dogg und Westcoast Fans kommen sowieso auf ihre Kosten.

Bewertung: 3,5 von 6
Bewertung: 3,5 von 6

Gehört von: DS

2 Responses

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.