Gestern Abend wurde “der wichtigste Musikpreis Europas” in Berlin verliehen. Nachdem die Verkaufszahlen unserer Lieblingsgattung von Musikern dieses Jahr verhältnismäßig in die Höhe schossen, waren gestern alle Augen im Deutschrap auf den Echo gerichtet- Anlass genug für uns, die traditionsträchtige Verleihung aus Rap-Perspektive zu rekapitulieren:

Durch die galante Selbstinszenierung der hiesigen Musikindustrie führte, wie schon im Vorjahr, eine auf Pop und Sex getrimmte Helene Fischer und verwies damit subtil auf die Richtung, in die sich der Abend bewegen würde. Passend dazu titelt der Spiegel: „Mehr Szene, weniger Helene!“

Die Nominierungen und Showacts zeigten eigentlich ein ausgewogenes Verhältnis zwischen den Genres auf, die derzeit in den Charts repräsentiert sind. Spätestens als Beatrice Egli den Preis als Newcomer International gegen Größen wie Macklemore absahnte, wurden die priorisierten Kriterien der Industrie allerdings deutlich ersichtlich.

Aber alles der Reihe nach: Generell zeichnete der gestrige Abend ein sehr deutschsprachiges Bild, was nicht zuletzt auch dem deutschen HipHop zugute kam. So durfte Marteria seine Singles „OMG“ und „Kids“ performen, nachdem der dort vor zwei Jahren nur als Randerscheinung neben Joy Denalane auftrat. Die kleine Show mitsamt Knabenchor sorge ob solcher Begrifflichkeiten wie „kiffen“ oder „saufen“ direkt im Vorfeld für Kontroverse im ARD, zählte aber zweifellos und treffsicher zu den abzählbaren Höhepunkten der Gala.

Ein weiterer herausstechender Auftritt aus Rapsicht war noch der erfolgreiche Rekordversuch der Fantastischen Vier, die zum 25-jährigen Bestehen 25 eigene Songs in 250 Sekunden performten. Jan Delay betrat die Bühne erwartungsgemäß in neuer Rockmanier und gab seine St. Pauli Hymne zum Besten. Max Herre hingegen lud sich den US-Soulsänger Gregory Porter ein und ging seinen Slot sehr minimalistisch an: Eine Band, zwei Hocker, ein Mikro und eine Hornbrille. Und über Allem hinweg tönte die seelenvolle Stimme Gregory Porters. Die Echoverleihung war seiner nicht würdig, kann man nur sagen.

Während sich sido im Vorfeld über die mangelnde Berücksichtigung seiner Person im Zuge der Nominierungen beklagte, sollte auch für die anderen Vertreter der urbanen Musikrichtung nicht wirklich viel herausspringen. Immerhin hatte auch der deutsche Gangsta-Rap seinen verdienten Platz in der Sendung, jedoch beschränkte er sich auf wenige Sitze im Publikum und dem leicht anhaftenden Flair eines Saunaclub-Besitzers Lebemanns:

Eine Trophäe konnte schlussendlich nur Max Herre mit nach Hause nehmen, der in der Kategorie “Hip Hop/ Urban NationalBushido, sido, Casper und Alligatoah ausstach. Chakuza und RAF Camora mussten sich in der internationalen Parallel-Kategorie Eminem geschlagen geben. Der Preis für das beste Video ging nicht an Marteria oder Cro sondern Y-Titty, der beste Newcomer des letzten Jahres war in den Augen der Echo-Jury nicht Alligatoah oder Genetikk sondern Adel Tawil. Beim Publikumspreis für den “Radio Echo” setzte sich Christina Stürmer gegen Cro durch.

Das letzte Wort der Sendung kam schließlich von der Moderatorin Helene Fischer selbst und lautete: „Vielen Dank, das war der Bambi 2014″.
Wer die Sendung verpasst hat, kann sie sich hier in der ARD Mediathek ansehen.

11 Responses
  1. Corry
    Corry

    Dazu will ich mal mehr sagen. “Beatrice Egli>Macklemore-Newcomer”,ah ja,DSDS vor Internationaler Superstar, fängt gut an. “Max Herre “Hip Hop/ Urban National”> Bushido,sido,Casper Alligatoah.Max Herre?Hör mir auf. Video:”Marteria oder Cro sondern Y-Titty” , WARUM WERDEN DIESE SPASTIS ǓBERHAUPT FǓR EINEN PREIS NOMINIERT? Newcomer:Alligatoah/Genetikk sondern Adel Tawil? Och bitte, der ist auf 4 gechartet, und ist noch nicht mal sonderlich bekannt.Lächerlich.

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  2. Baschi83
    Baschi83

    Stimme dir weitestgehend zu…aber Adel Tawil nicht sonderlich bekannt??? Naja denn,mich stört viel mehr das er als Newcomer nominiert war weil er ja 1.inner Boy-band und danach sehr erfolgreich mit ich+ich unterwegs war also schon mehrere Jahre Musikgeschäft aufm buckel hat!
    Aber so ist es halt…und ja ich zahle als hip-hop/Rap Hörer auch meine Rundfunkgebühren und will da nicht ne elendig dumme Helene Fischer sehen!

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  3. Urbaneurope
    Urbaneurope

    Adel Tawil ist ein Newcomer? ^^ Der hat doch schon 2009 oder so mit Azad 150.000 CDs mit Prison Break Anthem verkauft und war auch sonst Solo erfolgreich. So ein Müll diese Veranstaltung..

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  4. Key0512
    Key0512

    Kinder die im Chor: “Keiner hat mehr Bock auf Kiffen, Saufen, Feiern…” singen und dass im ARD. Guter Junge Materia hahahah

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  5. Droux
    Droux

    was soll man erwarten wenn sich die industrie selber belohnt ?!?
    das ist doch wie fast jeder medien preis eine reine inzucht veranstaltung… es gewinnt der, der sich am hemmungslosesten ficken lässt. das rap da diesmal nicht so gut abschneidet find ich eher positiv.

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  6. HipHop92
    HipHop92

    haha haupsache ihr guckt noch diesen müll und erwartet irgendwelche “gerrechtiggeit”? ihr wisst schon, dass der echo nur die verkaufszahlen auswertet? die 5 besten werden nominiert und der der am meisten verkauft gewinnt. fertig aus. dass max herre mehr als alligatoah, bushido & sido war klar. (hätte ihm höchstens casper strittig machen können)

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  7. Dencak09
    Dencak09

    Das Adel Tawil kein Newcomer ist sollte jedem klar sein.
    Aber selbst wenn, warum gewinnt er, wenn es doch nur um Verkaufszahlen geht, den echo ?
    Alligatoah hat für Willst du Gold bekommen.
    Genetikk haben für das Album Gold bekommen.

    Lächerlich, einfach lächerlich.

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