Ziellosigkeit, eine schwangere Freundin und sein inhaftierter Bruder inspirierten Deniro Farrar ursprünglich dazu, es mit Rap zu etwas zu bringen. Seitdem hat der 26-jährige aus Charlotte, North Carolina es sich zur Aufgabe gemacht einen authentischen Sound für die Leute seines Heimatstaates zu kreieren, die mit Petey Pablo, Little Brother und J. Cole noch nicht sehr viele Artist hatten, die es über die Staatsgrenze hinaus zu Berühmtheit geschafft haben und von denen die beiden letztgenannten, klingen als kämen sie aus New York. Deniro Farrar sieht sich selbst nicht als den herkömmlichen Rapper, der sich über Gras, Frauen, Uhren und Geld definiert. Zwar spricht auch er über diese und ähnliche Themen, reflektiert diese jedoch und lässt eine kritische Stimme gegenüber diesem Lifestyle laut werden. Wer ist also Deniro Farrar und was hat er da genau vor?

Deniro Farrar kommt aus einer Familie mit sechs Brüdern, zwei Schwestern und ohne Vater. Beste Voraussetzungen also, um in den negativen Attraktionen und Aktivitäten eines armen Umfeldes zu versinken, weil die Mutter nur am Arbeiten ist und sich nicht um ihre Kinder kümmern kann. Seine Familie war berüchtigt in der Nachbarschaft, wodurch auch Deniro Farrar bereits in der Grundschule trotz akademischer Begabung einen gewissen Ruf genoss. Damals zählten Kriss Kross, Lauryn Hill, Three 6 Mafia, 2Pac und Outkast zu seinen frühen Einflüssen.

Wie er heute in Interviews erzählt, saß er, als er etwas älter wurde, ständig im Trap-House seines Bruders, rauchte Gras und freestylte ununterbrochen. Bis er jedoch wirklich Tracks aufnahm sollte es noch bis 2010 dauern, als Deniro Farrar nach einem kurzen Knastaufenthalt schließlich sein erstes Mixtape “Feel This” veröffentlichte. Dadurch erlangte er schon mal eine kleine, lokale Fanbase, die stetig wuchs, da Deniro Farrars Talent und seine markante Stimme schon damals auf diesem ziemlich rohen Projekt heraus stach. Was außerdem bemerkenswert an dem Mixtape war, war dass Farrar auf 31 Tracks diverse Beat-Typen bzw. Beat-Genres benutzte. So fand ein UK-Grime Instrumental genau so seinen Platz auf dem Mixtape, wie Crunk- oder Trap-Beats. Ein System, das sich auch auf seinen neuesten Veröffentlichungen noch wiederfindet.

Deniro Farrars Flow siedelt sich irgendwo zwischen Plies, Young Jeezy und Freddie Gibbs an. Seine Stimme ist tief und warm. Während viele andere junge Rapper, vor allem aus dem Süden oder aus Chicago, zwar gute Flows und harte Beats vorzeigen aber dennoch inhaltslos über teure Uhren, Molly und Versace-Shirts sprechen, erzählt Deniro Farrar Geschichten aus der Hood und reflektiert über seine vergangene oder aktuelle Lebenssituation. Dabei erwähnt er immer wieder die Gewalt, die von seiner Familie in deren Nachbarschaft ausgeht, sein Bruder, der wegen zweifachen Mordes hinter Gittern sitzt und sein Kind, um das er sich kümmern muss. Seit seinem ersten Mixtape konnte Deniro Farrar sich sogar so weit als Künstler weiterentwickeln, dass er einen, nicht unbedingt einzigartigen, aber dennoch interessanten Sound für sich entwickelte. Er selbst nennt das “Cult Rap”, was Sinn macht, da Deniro Farrar rund um sein Produkt, durch Instrumentals und Cover-Artwork, einen gewissen okkulten Vibe erzeugt, der jedoch auch etwas an Cloud- oder Wavvy-Rapper wie Main Attrakionz, SpaceGhostPurrp und Flatbush Zombies erinnert.

Seit seinem 2012er Mixtape “The Patriarch” kann sich Deniro Farrar über wiederkehrende Zusammenarbeiten mit Produzenten wie Kira, Ryan Hemsworth, skywlkr und Lunice erfreuen. Sogar das zur Zeit extrem gehypte Trap-Duo Flosstradamus wollte ein Feature von Deniro Farrar auf ihrem Track “Look At The Sky” haben.

Im letzten Monat veröffentlichte Deniro Farrar schließlich “The Patriarch II“, was in seinen Augen eigentlich der erste Teil hätte sein sollen, da er den ersten als Fehler ansah. Womit er nicht ganz unrecht hat. Zwar ist der erste Teil nicht schlecht, es fehlt ihm aber an vielen Stellen an Substanz. “The Patriarch II” ist definitiv ein rundes Projekt, das neben Deniro Farrars Goon-Storys mit tollen Produktionen und interessanten Song-Ideen aufwarten kann. Auch darauf sind die Klänge von Ryan Hemsworth und Kira dominant.

Deniro Farrar ist jemand mit dem in der nächsten Zeit gerechnet werden muss. Ob er in Zukunft noch größere Gefolgschaften hinter sich bringen und eventuell auch kommerziell auf größerer Ebene erfolgreich wird, wird sich mit der Zeit zeigen. Man sollte ihn auf jeden Fall im Hinterkopf behalten und damit rechnen, ihn nächstes Jahr auf dem XXL Freshman Cover zu sehen. Das Potenzial dafür ist mit Sicherheit Vorhanden.

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