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Christlicher Rap läuft einem nun wirklich nicht jeden Tag über den Weg. Mal abgesehen davon das christliche Musik generell eher selten von den gängigen Massenmedien berücksichtigt wird, nimmt man damit konfrontiert doch häufig eine skeptische Haltung gegenüber den ach so frommen Botschaften ein. Nun ist der christliche Rapper Lecrae mit seinem neuen Album “Gravity” Anfang letzten Monats auf Platz drei der amerikanischen Album-Charts eingestiegen und konnte sich für kurze Zeit sogar die Pole Position bei iTunes sichern. Grund genug also, um diesen Künstler einmal näher unter die Lupe zu nehmen.

Lecrae stammt aus Houston und wuchs wie viele Kinder in sozial schwachen Gegenden ohne Vater auf. Daher blickte er in jungen Jahren zu seinen Onkeln auf, die alle in Gangkriminalität verwickelt waren, was den jungen Lecrae dazu verleitete ebenfalls diesen Weg einzuschlagen. Später begann er Drogen zu nehmen und wurde wegen Schlägereien, Drogenbesitz und Diebstahl öfters verhaftet. Eines Nachts wurde er beim Betreten eines privaten Grundstücks von der Polizei erwischt. Der Polizeibeamte fand in Lecraes Auto eine Bibel, die er als Glücksbringer von seiner Großmutter bekommen hatte. Der Polizist entschloss sich Lecrae laufen zu lassen, doch gab ihm mit auf den Weg, er solle diese Bibel lesen.

Von diesem Moment an versuchte Lecrae ein “christlicheres Leben” zu führen und besuchte einige Gottesdienste und christliche Treffen, doch seine Vergangenheit abzuschütteln und sein Lebensstil so radikal zu verändern, fiel ihm schwer. Der endgültige Wendepunkt für Lecrae war ein schwerer Autounfall, bei dem sein Auto stark beschädigt wurde, er selbst jedoch keinen einzigen Kratzer davon trug. Nach diesem Erlebnis entschloss Lecrea sich sein Leben der Religion zu widmen und zu versuchen, durch seine Musik Hoffnung zu verbreiten.

Zwischen 2004 und 2005 veröffentlichte Lecrae, der auch schon vor seiner christlichen Erkenntnis rappte, sein erstes Album “Real Talk” und startete im gleichen Jahr das Label Reach Records, welches mittlerweile fünf weitere, ebenfalls christlich gesinnte MCs beherbergt. Ein Jahr Später erschien Lecraes zweites Album “After The Music Stops” womit er bereits in den Gospel Charts auf Platz fünf landen konnte. Außerdem war auf dem Album seine bis dahin erfolgreichste Single “Jesus Muzik” platziert, bei der man, im Gegensatz zum vorherigen Album, seine durchaus vorhandenen lyrischen Fähigkeiten zu hören bekam.

2008 erreichte Lecraes drittes Album “Rebel” platz eins in der Gospel-Sparte der Billboard Charts, wohlgemerkt das bis dahin erste Rap-Album an der Spitze der Gospel-Charts. Ein weiteres erfolgreiches Album später, stand Lecrae plötzlich im BET HipHop Awards Cypher von 2011 neben Nitty Scott MC und Estelle, wodurch er einem größeren Publikum vorgestellt wurde. Bald folgte ein Feature auf Statik Selektahs Album “Population Control” und ein von Don Cannon vorgestelltes Mixtape namens “Church Clothes“, welches No Malice von The Clipse als Feature Gast und 9th Wonder sowie Boi-1da als Produzenten vorweisen konnte. Außerdem bekam der Titeltrack des Mixtapes eine visuelle Version, in der auch Cameos von Kendrick Lamar, DJ Premier und dem bereits erwähnten Statik Selektah zu sehen sind. Lacrae rappt in diesem Track aus der Sicht einer Person, die die Kirche für verschiedene Gründe nicht gut heißen kann und dadurch seine diversen negativen Laster rechtfertigt.

Lecrae hat im Laufe seiner Karriere bei Produktionen eher auf den Südstaaten Sound wie Crunk oder Trap gesetzt, doch seit seinem “Church Clothes” Mixtape gehen die Produktionen in alle Richtungen und sein lyrischer Stil ist immer prägnanter zum Storrytelling übergegangen. Sein neues Album “Gravity” ist am 4. September erschienen und neben Lacraes Reach Record MCs ist Big K.R.I.T. ebenfalls auf einem Track vertreten, der dazu noch von DJ Khalil produziert wurde. Durch seinen langjährigen Werdegang und das verstärkte öffentliche Interesse ist es also kein Wunder, dass der inzwischen 32-jährige Familienvater mit diesem Album 70.000 Einheiten in der ersten Woche des Releases verkaufen konnte und somit offenbar nicht nur von frommen Konservativen gehört wird. Denn wie man nun die religiösen Ansichten findet, die Lacrae vertritt, sei mal dahin gestellt. Der Mann kann rappen!

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