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Wenn man an Rap aus Houston denkt, fallen den älteren Rapfans vieleicht zunächst Scarface und seine Geto Boys ein, die ab 1990 mit ihrem Def Jam Records Debut “The Geto Boys ihre Stadt zum ersten Mal auf die nationale Raplandkarte platzieren konnten. Auch Pimp C und Bun B alias UGK, die zwar eigentlich aus Port Arthur stammen, aber eng mit Houston assoziiert werden,
konnten in den 90ern bereits respektable Erfolge verzeichnen, waren doch insgesamt eher ein lokales Phänomen und über die Grenzen des texanischen Bundesstaats nicht übermäßig bekannt. Ansonsten waren Acts wie beispielsweise der Screwed Up Click (S.U.C.) um DJ Screw nur regionale Erfolge vergönnt.

Erst in den Jahren 2005/2006 schaffte Rap aus Houston den verdienten überregionalen Durchbruch und bestimmte über diesen Zeitraum die Billboard Charts nach Belieben. Diese Zeit kann man durchaus als Golden Era des Houston Raps bezeichnen, denn ein Großteil der lokalen Rapper wie Lil Flip, Mike Jones oder Chamillionaire erreichten in dieser Zeitspanne Verkaufszahlen, die sie bislang nicht mehr wiederholen konnten. Kennzeichnend für den Sound der viertgrößten Stadt der USA sind seit jeher die relaxten und kodeingeschwängerten Screwed & Chopped Hooks, die DJ Screw und seine legendäre Screwed Up Click seit Mitte der Neunziger in ihren Tracks implementierten. Durch Michael Watts (aka ‘5000’), DJ und Chef des Independent Labels Swisha House, und seinen Swisha House Mannen fand dann das Houstoner Klangbild auch den Weg in oberen Regionen der Billboard Charts. Wie dies bei Hypes so üblich ist, atmeten kurze Zeit später alle Mainstream Rapsongs das texanische Soundbild ein, so dass kaum ein Charthit zu dieser Zeit ohne einen starken Südstaaten Einfluss auskam. Der Houston Sound schaffte sogar den Sprung über den amerikanischen Kontinent hinaus nach Deutschland, so dass auch in den Hooks der deutschen Rapzunft fleißig “gescrewed & gechopped” wurde.

Neben musikalischen Highlights stellte der im Südstaaten Rap typische und einzigartige Unity Gedanke mit Sicherheit einen weiteren Erfolgsfaktor dar: so featureten sich die meisten H-Town Rapper gegenseitig auf ihren Alben und oftmals gab es auf den Longplayern richtige Gipfeltreffen der lokalen Rapelite. Die einzigen wirkliche Fehde fand zwischen Lil Flip und dem Swisha House Camp statt und auch Chamillionaire stänkerte eine Zeit lang gegen das seinerzeit sehr erfolgreiche Independent Label. Vor allem Flip warf Michael Watts vor, dass er den originalen Sound der Screwed Up Click abgekupfert habe um damit Geld zu verdienen. Chamillionaire beschimpfte Mike Jones auf einem Track sogar als Dyke Jones. Auch das Verhältnis zwischen den ehemaligen Partnern Paul Wall und Chamillionaire war zwischendruch nicht das beste. Die Differenzen wurden jedoch mit der Zeit wieder beigelegt. Diese Nebensächlichkeiten schmälern jedoch nicht den Gesamteindruck, dass die Kultur und der Sound der Stadt Houston die amerikanische Rapmusik für einen nicht unerheblichen Zeitraum geprägt hat. 2011 ist der Hype zwar wieder längst abgeklungen, doch haben Bun B & Co. ihren verdienten Platz in der Raphistorie eingenommen oder wie der UGK Rapper es formulieren würde: “This is H-Town, Texas, tell me how does it look? Taking over the rap kitchen and we ready to cook”.


Paul Wall stellt so etwas wie die gute Seele von Swisha House dar, denn während Mike Jones und Slim Thug mittlerweile woanders ihre Brötchen verdienen, hält der weiße Rapper seinem Labelchef Michael Watts bislang die Treue. Wall war einer der Nutznießer des Houston Hypes und schaffte mit seinem “The People’s Champ” Album im September 2005 nach 176.000 verkauften Einheiten den Sprung auf die Pole Position der Billboard Charts. Zudem konnte der Rapper, der auf jedem seiner Tracks gefühlte 50 mal die Worte ‘Hater’ und ‘Candy Paint’ einbaut, mit seinen selbsterstellten Grills ein eigenes Business auf die Beine stellen, das ihm zumindest im Zeitraum 2005/2006 während des großen Houston Hypes einige Extra Dollars bescheren durfte. Auf ‘They Don’t Know darf natürlich ein Feature des omnipräsenten Bun B nicht fehlen:

Paul Wall feat. Bun BThey Don’t Know


Chamillionaire hatte mit ‘Ridin’ eindeutig den größten Single Hit der goldenen Houston Ära. Der Track war weltweit in den Charts und auch in Deutschland erreichte King Koopa’s Abrechnung mit unfreundlichen Polizeistreifen die Top Ten der Single Charts. Auch das Album “The Sound Of Revenge” war erfolgreich und brachte dem Rapper eine Platin Auszeichnung ein. Leider schaffte es der eigentlich sehr talentierte Cham danach nicht mehr an diesen Erfolg anzuknüpfen: der Albumnachfolger “Ultimate Victory” floppte und “Venom” erschien erst gar nicht. Das hat zum Einen sicherlich mit Labelpolitik zu tun, zum Anderen aber auch mit schlechten Tracks und schlechten Ideen seitens Chamillionaire, wie zum Beispiel den kompletten Verzicht auf Schimpfwörter in seinen Tracks. Mittlerweile ist der Spitter auch nicht mehr bei Universal Music Group unter Vertrag. Immerhin hat er sich aber wieder mit Paul Wall und Co. vertragen…

Chamillionaire feat. Krayzie BoneRidin‘:


Chamillionaire-Ridin Dirty von redspider

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Ein weiterer Paul Wall Hit. Als Gast konnte er das Screwed Up Click Mitglied Big Pokey gewinnen:

Paul Wall feat Big Pokey – **Sittin’ Sideways**


Mike Jones entstammt ebenfalls aus der Swisha House Hit Schmiede und konnte mit seinem 2005er Debut “Who Is Mike Jones Platinstatus einheimsen. Neben den so charakteristischen Swishahouse Instrumentals, waren es auch Jones’ mehr oder weniger kreative Einfälle, die ihm viele Fans brachten. So brüllte der Rapper mit großer Vorliebe seine private Telefonnummer auf den Tracks runter und wiederholte innerhalb einer Strophe gerne mal einige Bars komplett, damit auch wirklich jeder verstand, was er meinte. Diese zwei Gimmicks gibt es auch im Video zum Hit ‘Back Then’ zu begutachten. Aber auch Mike Jones hat es nicht geschafft seinen Hype in konstanten Erfolg umzusetzten: erst 2009 erschien ein neues Album (“The Voice”), welches an die Zahlen seines Erstlings nicht annähernd herankam. Zudem bekam der gute Mike bei den Ozone Awards 2008 für sein angebliches arrogantes Verhalten von Trae eine blutige Nase verpasst. Mittlerweile ist Jones auch nicht mehr bei Swisha House unter Vertrag. Mal schauen, was da noch kommen wird in der Zukunft…

Mike JonesBack Then


Slim Thug ist ein weiterer Rapper, der anfangs mit Swisha House in Verbindung gebracht wurde, sich dann aber recht schnell von dem Label losseilte und bei Pharell Williams’ Star Trak Entertainment und Interscope Records eine neue Heimat fand. Das Debut Album “Already Platinum” des sehr talentierten Rappers konnte im Juli 2005 zwar auf Rang 2 charten und ging ca. 130.000 mal über die Ladentheke, doch bemängelten einige Fans, dass sich der Thugger zu sehr vom traditionellen Houston Sound gelöst hatte. Mit ‘Three Kings‘ und Lil Flip‘s Erzfeind hatte er jedoch einen sicheren Banger auf seiner Seite. Mit dabei natürlich Bun B.

Slim Thug feat. T.I. & Bun BThree Kings


Da war die Swisha House Welt noch in Ordnung: Michael Watts versammelt seine drei Goldesel auf einem Track. Ein Houston All Time Classic:

Mike Jones feat. Slim Thug & Paul WallStill Tippin


Nachdem sein UGK Kollege Pimp C plötzlich für einige Zeit einen Urlaub auf Staatskosten antreten durfte, musste Bun B vorübergehend als Solokünstler zurecht kommen. Mit seinem Solodebut “Trill” nahm der Veteran auch diese Hürde im Oktober 2005 mit Bravour. Was man Bun hoch anrechnen muss, ist die Tatsache, dass er unermüdlich “Free Pimp C skandierte und somit UGK am Leben erhielt. ‘Get Throwed’ war ein Highlight des Albums und auch einer der Gründe, warum Bun B in der folgenden Zeit zu einem der beliebtesten Featuregäste wurde. Lustigerweise sind sowohl Pimp C als auch Young Jeezy auf dem Track zu hören: nach Pimp C‘s Post-Gefängnis Attacken gegen Atlanta (“Atlanta is not the South”) wäre dies wohl eher nicht mehr möglich gewesen. Auf der Albumversion ist zusätzlich ein Jay Z Verse.

Bun B feat. Pimp C, Z-Ro & Young JeezyGet Throwed


Lil Flip konnte bereits 2004, also noch kurz vor dem eigentlichen Beginn des Houston Hypes mit seinem Album “U Gotta Feel Me” einen großen Erfolg verzeichnen: der Longplayer fand in der ersten Releasewoche 198.000 Käufer und für einige Zeit bildete Flip Gates die Sperrspitze des Houston Raps. Neben seinem simpel gehaltenen und relaxten Rapstil, fiel The Clover G in dieser Periode vor allem durch seine Fehden mit T.I. und dem kompletten Swisha House Camp auf. Nach dem großen Hype, ging es aber dann auch für Lil Flip bergab: die nachfolgenden Alben fanden nicht mehr besonders großen Anklang und zudem nervte Flip mit gefühlten 300 Tribute Songs u.a. für Haiti, Pimp C und die Virginia Tech.

Lil FlipGame Over (Flip):


Bun B hat eingeladen und Alle sind gekommen. Wenn der UGK Rapper und inoffizieller Bürgermeister Houstons Bock auf einen Houston All Star Track hat, dann nimmt halt die gesamte Rap Elite der Stadt teil und selbst der geldgeile Lil Flip skandiert: “I told Bun when you need a verse, just holla. You know how we do it, you don’t gotta spend no dollars.” Der Track und die audiovisuelle Umsetzung unterstreichen noch einmal die starke Unity im Staate Texas. Nur der auf dem Album noch zu findende Chamillioanire Part fehlt aus welchen Gründen auch immer. By the way: Was ist eigentlich aus Atzec geworden?

Bun B feat. V.A. – Draped Up (Remix)


Trae war im Jahre 2005 noch ein echter Geheimtipp, konnte aber dann völlig zu Recht mit seinem Klassiker “Restless” Mitte 2006 den Sprung in höhere Gefilde schaffen und mutierte zum allseits beliebten und respektierten Künstler mit ausreichender Steeet Credibility. Der Hype um seine Person gipfelte dann in die offizielle Proklamation des “Trae Day”, der seit 2008 alljährlich am 22. Juli in Houston zelebriert wird.

TraeSwang


Ein weiterer Houston All Star Track. Die Highlights dieses Bangers sind neben dem kompletten Fehlen der Swisha House Jungs, Lil Flip‘s häßlicher Pelzmantel sowie der Cowboy Hut tragende Chingo Bling. Auch der inzwischen verstorbene Hawk, seines Zeichen Mitglied der Screwed Up Click, ist mit einem Part in dem Video dabei. Das Spektakel wird natürlich von Bun B präsentiert:

V.A. – Houston Mic Pass:

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