In Form eines offenen Briefes hat sich jüngst der Zentralrat der Juden in Deutschland an die hessische Stadt Rüsselsheim gewandt. Thema darin war der geplante Auftritt von Kollegah beim Hessentag, der dieses Jahr am 14.06. in Rüsselsheim stattfinden sollte. Im Rahmen einer Rap-Night waren neben dem Auftritt von Kollegah auch Auftritte von Farid Bang, Eko Fresh, Azad, Lumaraa und Der Asiate geplant.

In diesem Brief wird klar gefordert, den Auftritt von Kollegah beim Hessentag abzusagen. Als Begründung dafür werden Textzeilen des Rappers zitiert, die der Zentralrat der Juden als frauenfeindlich, homophob und antisemitisch beschreibt. Anstatt der Gewaltverherrlichung eine Bühne zu geben, fordern sie lieber ein Programm, dass für Respekt, Gleichheit und Menschenrechte steht.

Hier die ausgewählten Textzeilen, wie im Brief dargestellt:

Stellung

Mit dieser Forderung stand der Zentralrat der Juden nicht allein da. Zahlreiche Organisationen haben aus ähnlichen Beweggründen gegen die geplante Rap-Night demonstriert und den Oberbürgermeister dazu aufgefordert, diese abzusagen. Im Herbst 2016 konnte dadurch bereits ein Stopp der Ticketverkäufe erlangt werden, woraufhin sich die Stadt aber bereits entschieden hatte, die Veranstaltung wie geplant durchzuführen. In den letzten Tagen wurden die Proteste allerdings wieder größer.

Daher sah sich der Oberbürgermeister der Stadt Rüsselsheim Patrick Burghardt (CDU)  gezwungen zu reagieren. Bis zuletzt hatte er die Veranstaltung der Rap-Night verteidigt. Jetzt sprach er sich jedoch gegen die Umsetzung dieses Konzertabends aus. In einer persönlichen Erklärung empfahl er den zuständigen Stadtverordneten das Konzert endgültig abzusagen. Er habe die Situation falsch eingeschätzt und die Gesamtlage in ihrer Brisanz unterschätzt. Die “persönliche Betroffenheit” vieler Mitbürger, Verbände und Kirchengemeinden, die sich gegen das Konzert ausgesprochen haben, habe ihn umgestimmt. Auch jüngste Vorwürfe gegen Farid Bang, der Nähe zur salafistischen Szene haben soll, sind nicht ungehört an ihm vorbeigegangen.

Gestern Abend wurde bekannt gegeben, dass das Konzert offiziell abgesagt wurde. Somit wird es vorerst keine Rap-Night in Rüsselsheim geben. Zumindest nicht im Rahmen des Hessentags 2017.

Trotzdem ist der Oberbürgermeister weiterhin der Meinung, dass Kultur nicht durch Verbote reglementiert werden könne. Diese Auffassung war anfangs der Grund, dass so viele Parteimitglieder für die Austragung des Konzertes gestimmt haben.

Jetzt, da die Veranstaltung abgesagt ist,  drohen der Stadt Rüsselsheim allerdings saftige Schadensersatzklagen. Die Stadt stehe aktuell in Kontakt mit den Künstleragenturen von Kollegah und co. und verhandelt bereits über mögliche Schadensersatzsummen. Genaue Zahlen sind diesbezüglich allerdings nicht bekannt.

Marcus Staiger erklärte in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung, dass deutscher Rap dasselbe Antisemitismus-Problem habe, wie die ganze deutsche Gesellschaft. Grundsätzlich sei es so, dass die Behandlung der palästinensischen Bevölkerung durch die israelischen Sicherheitskräfte in vielen Teilen der deutschen Rap-Welt als Ungerechtigkeit und Doppelmoral empfunden werde. Weiter sagt er:

Ich habe offenen Judenhass bei Rap-Künstlern bislang nicht erlebt und kann nicht ihre Köpfe reinschauen. Ich kann nur sezieren, was sie so machen. Und im Zusammenhang mit Israel kritisieren sie nach außen die Politik des Staates Israel. Ansonsten ist eben auch sehr viel Trotz dabei.

Kollegah selbst ist kürzlich nach Palästina gereist um dort als Wohltäter zu agieren. Dieser Trip wurde in einem Dokumentarfilm festgehalten, welcher gemischte Reaktionen hervorgerufen hat. Staiger hatte die Motive dieser Reise stark kritisiert.

 

In einer offiziellen Stellungnahme hat Kollegah nun auf diese Vorwürfe reagiert. Besonders die Beschuldigungen des Antisemitismus sind ihm dabei sauer aufgestoßen.

Darin schreibt Kollegah, dass er die Vorwürfe der Gewaltverherrlichung und Frauenfeindlichkeit bereits von Leuten gewohnt sei, die die Kunstform Battlerap noch nicht verstanden haben. Die Vorwürfe des Antisemitismus beschreibt er hingegen als haltlos. Die vom Zentralrat der Juden herausgepickten Zeilen seien über 13 Jahre alt oder nicht mal von ihm selbst geschrieben.

Die oben aufgeführt Line “Ich leih dir Geld, doch nie ohne ‘nen jüdischen Zinssatz mit Zündsatz” stammt in der Tat nicht von Kollegah, sondern von Favorite aus dessen gemeinsamen Track “Sanduhr”.

Anschließend distanziert sich Kollegah klar von den Vorwürfen und bietet dem Vorsitzenden des Landesverbandes der jüdischen Gemeinde in Hessen an, in einer öffentlichen Diskussionsrunde über das Thema zu sprechen und eine gemeinsame, wohltätige Aktion speziell für hilfsbedürftige Juden in Deutschland auf die Beine zu stellen.

In der aktuellen Folge des ZDF Neo Magazin Royal war Kollegah zu Gast und sprach dort ebenfalls kurz über diesen Vorfall.

Den ganzen Brief des Zentralrats der Juden in Deutschland sowie die Stellungnahme von Kollegah findet ihr hier:

Offener Brief an die Stadt Rüsselsheim vom Zentralrat der Juden in Deutschland

Stellung

 

Kollegah’s Stellungnahme zu den Vorwürfen des Antisemitismus

Stellung

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Auftritt abgesagt: Kollegah bezieht Stellung
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