Marteria muss sich dieser Tage in emotionalen Gemütslagen befinden wie sie höher kaum sein könnten. Neues Album draußen.  Sputnik Spring Break, Rock am Ring und Rock im Park an einem Tag. Per Privatjet natürlich und jetzt auch noch die Veröffentlichung seines eigenen Films “Antimarteria“. Schon im Vorfeld hat Marten klar gemacht, wie wichtig und bedeutend dieses Projekt für ihn ist und wie viel Liebe darin steckt. Jetzt hat sein Kunstwerk, welches wer mit Aggro Berlin Mitbegründer- und Filmgenie Specter erschaffen hat, das Licht der Welt erblickt.

Einen Respektpunkt gleich vorweg: “Alle oder Keiner” war sein Motto für den Film. Das bedeutet, dass ihn seit gestern Abend, 22 Uhr, jeder for free im Netz anschauen kann. Korrekte Sache.

Ich hatte gestern Abend die Möglichkeit mir den Film hier in Berlin bei der Premierenfeier im Kino International direkt auf Leinwand reinzuziehen. Die Erwartungshaltungen waren bei so einem Team um Schauspieler wie Frederick Lau, Emilia Schüle, Trystan Pütter, Sascha Alexander Geršak, Miss Plantum, “Halt die Fresse”-Kamera Legende Axel Roschlock und natürlich Marten himself entsprechend hoch. Erste Trailer und Videos ließen ja bereits Szenerie und Kostüm erahnen. Worum es inhaltlich gehen würde, war allerdings nicht klar. Es wurde über popkulturelle Bezüge und Analogien zur griechischen Mythologie gesprochen – und ja all das findet statt, soll aber nicht der Mittelpunkt dieser Review sein. Marteria steht seit jeher für Energie. Ein nicht stoppen wollendes Wort- und Live Energiebündel mit Hang zur Extase. Genau das ist es, was der Film transportiert.

Ort des Geschehens ist das Umland von Kapstadt/Süd-Afrika. Elfenstaub ist das teuerste Dope des Planeten. Wertvoller als Koks & Gold zusammen. Damit zu handeln ist gefährlich und moralisch verwerflich. Wird natürlich trotzdem gemacht. Eine Art Großwildjäger-Bande arbeitet für den Dealer Bronte, gespielt von Sacha Alexander Gersak. Ein schmieriger Typ, dem der Werte-Zerfall offenbar am gut genährten Allerwertesten vorbeigeht und nur seinen Profit sieht. Wer ihn bestiehlt stirbt, so einfach ist das. Dieses Elfenstaub ist Dreh und Angelpunkt der Storyline und sollte auch Marten noch zum Verhängnis werden.

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Besonders hervorzuheben ist hier die überraschend stabile Schauspielerleistung von Axel Roschlock. Er spricht wie ihm der Schnabel gewachsen ist und tut das auf eine extrem sympathische Art, von der man eigentlich gerne noch mehr gesehen und gehört hätte. Konversationen stehen in diesem Film allerdings eher im Hintergrund. Der Fokus liegt ganz klar auf der Musik und den Bildern. Zeitweise hat man das Gefühl ein unfassbar aufwändig produziertes Musikvideo mit Überlänge anzusehen. Viele Tracks des neuen “Roswell“-Albums ergeben durch die Visualisierung des Films noch mehr Sinn als auf Platte. “Blue Marlin” oder auch der Titeltrack des Films “Elfenbein” sind gute Beispiele dafür. Wenn man den Film gesehen hat, kann man erahnen was in Marterias Kopf vorgeht, wenn er diese Songs schreibt.

Im Interview auf dem roten – bzw. türkisenen Teppich während des Premieren-Empfangs erklärt uns Marteria, dass er grundsätzlich sehr cineastisch denkt, wenn er an ein Projekt herangeht. Dabei einen Partner wie Specter an seiner Seite zu haben ist natürlich hilfreich. Dieser habe seine Vision verstanden und filmisch auf den Punkt gebracht.

Und ja, Specter hat ganze Arbeit geleistet. Beeindruckende Landschaftsaufnahmen. Tiefe Einblicke in Südafrikanische Townships. Schnitte und detaillierte Animationen in Hochgeschwindigkeit, dass einem fast schwindelig wird. Und genau da liegt der Minuspunkt des “Antimarteria“-Films. Er ist sehr viel auf einmal und schickt den Zuschauer damit auf eine Art Trip. Stimmen nach der Premiere sagten: “Ich wusste gar nicht, dass ich vorher MDMA nehmen muss, um mir das reinzuziehen”.

Ich möchte keinesfalls zum Konsum illegaler Substanzen zum besseren Genuss des Films aufrufen, allerdings fragt man sich schon, auf wie viel Elfenstaub die Crew bei der Produktion des Films war. Der genaue Handlungsstrang ist beim ersten Sehen schwer zu durchdringen, da der Film mit visuellen Finessen und pompöser Musikalisierung geradezu überladen ist. Kein Platz für kleine Momente. Keine Ruhe. Hier gibt es direkt auf die 12. Aber wie anfangs beschrieben: Das passt eben zu Marteria. Groß, bunt, kreativ und immer an der Grenze zur Extase.

Sehenswert ist der Film allemal, nicht nur für Marteria Fans. Aufgrund der omnipräsenten Alien-Thematik sollten vor allem Anhänger von Martens Alter Ego Marsimoto auf ihre Kosten kommen. Der hat natürlich auch eine Rolle. Allen die Lust haben sich mal für die Spielzeit von 57 Minuten in eine andere Welt zu beamen und aus ihrem Leben auszurasten, ist der Film ebenfalls zu empfehlen. Ich kann mir allerdings auch gut vorstellen, dass einige keinen Zugang zu dieser fiktiven und großen Welt von Marteria finden werden. Dafür fehlt etwas der Witz und Charme in der zwischenmenschlichen Interaktion der Charaktere. Und wer auf der Suche nach einem Rap-Film ist, ist hier ohnehin falsch angesiedelt. “Antimarteria” ist eine andere Welt.

Uli Rich

Den ganzen Film “antimarteria” könnt ihr euch hier reinziehen:

 

 

 

"Antimarteria" - Ein Trip in Richtung Endzeit (Review)
84%Gesamtwertung
Leserwertung: (10 Votes)
84%

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