Rik Cordero
Rik Cordero

Das Jahr 2007 nähert sich dem Ende. Bist du rückblickend zufrieden, mit
dem was dieses Jahr lief?

Absolut. Aber wir stehen erst ganz am Anfang, von dem was wir erreichen
wollten. Ich habe dieses Jahr mit so vielen einzigartigen Künstlern
zusammengearbeitet und wenn ich dabei bin das Ganze auszubauen, neue
Kontakte zu knüpfen, kümmere ich mich um andere Bereiche wie Marketing oder gemeinschaftliche Werbearbeit. Mein Ziel ist es unsere Einstellung auf das Marketing und Promotion Gebiet anzuwenden um nicht nur die Marke Three/21 sondern auch die Ideen und die Unabhängigkeit unserer Künstler sicherzustellen.

Du hast allein dieses Jahr vier Musikvideos von oder mit Joell Ortiz
gedreht. Habt ihr ein besonderes Verhältnis oder wie kam diese vermehrte
Zusammenarbeit zu Stande?

Ich erinnere mich daran vor zwei Jahren zum ersten Mal von Joell Ortiz
und seinem lyrischen Fähigkeiten gehört zu haben. Als ich
dann irgendwann seinen Track "HipHop" im Radio hörte, war ich komplett
von seinem Talent überzeugt. It was literally a breathe of fresh air.
Ich bin in den Neunzigern groß geworden, daher war es wirklich sehr inspirierend zu hören, wie Joell aus dem Innern seine Herzen spittet. Zu dieser Zeit kam ich mit der Urban Music Video Szene nicht besonders gut klar und fand es ein wenig frustrierend, dass immer wieder die gleichen Videos gedreht wurden.
Für mich war Joell Ortiz ein Hoffnungsträger für die Hiphop Kultur. Als
sich dann die Möglichkeit ergab das Video für "Brooklyn Bullshit" zu
drehen, habe ich diese natürlich genutzt. Wir hatten vor dem Dreh nicht
viel Zeit uns kennen zulernen aber während des Drehs hatten wir definitiv
eine Verbindung, wir wussten beide, wir würden alles geben um ein
optimales Endprodukt zu bekommen. Und jetzt 3-4 Videos später merke ich
dass wir immer noch dieses Verbindung haben. Das Verhältnis zu seinem
Management Dennis Whyne und Mike Heron ist mittlerweile sehr gut, und
sie helfen mir echt viel wenn es um seine Videos geht. Es ist
faszinierend mit Joell zusammenzuarbeiten und "Brooklyn Bullshit" wird
immer ein wichtiges Video für mich sein, da es Augen geöffnet hat.

Zu Beginn des "Uncle Raheim" Videos von Consequence kann man lesen, dass du das Video zusammen mit ihm gedreht hast. Wie kam es dazu und wie verlief eure Zusammenarbeit?

Ein guter Freund von mir hatte Con’s Album "Don’t Quit Your Daily Job"
ausgeliehen bevor ich geschäftlich nach LA flog. Der Trip war insgesamt
ein wenig frustrierend, ich habe dann im Hotel das Album reingelegt und
das Ding von Anfang bis Ende durchgefeiert. Ohne jemals mit ihm
gearbeitet zu haben, war für mich damals klar, dass es eines der besten
Alben 2007 ist. Als ich dann wieder in New York war hab ich einen High
School Freund, Bre Wilson, angerufen, der mit Con befreundet war. Ich
gab ihm meine Vorschläge für das Video zu "Uncle Raheim" und obwohl ich
dachte, dass der Dreh vielleicht zu lange sein könnte, stimmte Con dem
Konzept zu. Bei der Nachbearbeitung war er dann richtig involviert. Da
hab ich gemerkt was für eifriger Künstler er ist. Wir haben den gleichen
Anspruch was Ausdauer angeht, wir wurde gute Freunde und haben weitere
Videos gedreht. Wenn die Zeit dafür reif ist, werden wir sie
veröffentlichen. Wir arbeiten sehr gut im Team, hinzukommt dass er einer
der ersten war, die mich als Künstler wahrgenommen hatten und nicht nur
als Kameramann.

Wenn du Regie für ein Rapvideo führst, inwiefern sind dann die Rapper an dem Projekt beteiligt? Haben sie ihre eigenen Ideen und Pläne in Beug auf die Videos oder kannst du deine eigenen Ideen und Visionen komplett in den Videos umsetzen?

Mit Künstlern zu arbeiten ist immer eine heikle Sache, auf der einen
Seite braucht man das richtige Gespür um die verschiedenen Charaktere und
Egos zu handeln auf der anderen Seite musst du Selbstbewusstsein
ausstrahlen und auf vielen Ebenen sehr flexibel agieren. Es ist immer besser sich
im Vorhinein bewusst zu sein, was der Künstler will, was seine Motive
sind, bevor man das Drehbuch schreibt. Aber normalerweise fragen die
Labels an, dann schickt man seine Idee rüber und entweder nehmen sie
dich oder nicht. Man muss halt manchmal traditionelle Wege gehen, ich
arbeite aber lieber eng mit den Künstlern oder dem Management zusammen,
so das jeder weiß was wir wollen und ein gemeinsames Ziel existiert. Die einzige Sache, die du hierbei vermisst, ist die finanzielle Sicherheit, die dir sonst von einem Label Budget garantiert wird. Ich denke aber nicht, dass einige der Rapper mit mir zusammenarbeiten um sich in sicheren Händen zu fühlen. Ich denke nicht, dass sie immer daran interessiert sind ein Video zu drehen. Es gibt also zwei verschiedene Wege und ich bin für gewöhnlich für jede Route vorbereitet.

Du hast den Trailer zu Jay Z‘s Blue Magic Video gedreht. War es für dich eine besondere Ehre die Möglichkeit zu haben mit solch einer Legende wie Jay Z zu arbeiten?

Es definitiv einer der bedeutendsten Tage in meinem Leben bis jetzt. Jay Z kennen zu lernen ist wie Operah (Winfrey) oder den Papst zu treffen. Es ging alles so schnell und war so eindrucksvoll für mich, dass ich den Eindruck habe, einen flüchtigen Blick auf den Künstler Jay bekommen zu haben, der ja als Inspiration für Millionen von Menschen dient. Mittlerweile ist Jay Z als unglaublicher Businessman und Mogul bekannt, aber für mich war es ein bewegendes Gefühl, dass er sich ansieht was ein paar aufstrebene Künstler machen. Der Trailer fängt diesen "raw spirit" ein. Wir wurden von keiner Agentur beauftragt einen mehreren Millionen Dollar teuren Werbespot zu drehen. Wir wurden einfach gebeten bei den Menschen ein bestimmtes Gefühl zu erzeugen und dank Jay’s Segen haben wir dies bewerkstelligt. Um noch weiter zu gehen, glaube ich sogar, dass wir es geschafft haben unseren Stempel des "Guerilla-Filmaking" aufzudrücken, indem wir nicht auf diejenigen gehört haben, die gesagt haben, dass wir es auf unsere Art und Weise nicht schaffen können.

Viele Menschen haben Vorurteile gegenüber Rapvideos und reduzieren sie oft auf Titten, Autos und Cash. Es scheint, als ob deine Arbeit nicht zu diesem Stereotyp passt, da deine Videos sehr straßenorientiert sind und sich auf ein bestimmtes Minimum beschränken. Anstatt ein paar hübsche Mädels vor einem Blue Screen aufzustellen, gehst du einen anderen Weg. Macht diese Tatsache ein Rik Cordero Video aus? Kannst du deinen eigenen Arbeits- und Regiestil beschreiben?

Ich bin der Meinung, dass es immer ein Hip Hop Genre geben wird, dass die Schlüsselzutaten Girls, Cars und Cash beinhalten wird. Ohne jetzt zu lange darauf einzugehen, muss man sagen, dass diese visuelle Stimulierung seit Jahren stattfindet. Ich denke, dass ich zurzeit mehr an visuellen Metaphern interessiert bin. Wortgetreue Interpretationen sind cool und ich habe auch nichts gegen das Zeigen von Girls, Cars und Cash, wenn es in einem kreativen Kontext geschieht. Es ist aber so, dass wenn es einen anderen Weg gibt einen Song zu interpretieren, ich immer versuchen werde diesen anderen, unüblichen Weg zu gehen. Ich fühle mich immer zu solch einer Herausforderung hingezogen. Das Darstellen und Ablichten echter Emotionen in störenden Milieus ist wahrscheinlich einer der schwersten Aufgaben. Ich bin nicht sicher, ob diese Herangehensweise einen bestimmten Stil darstellt, aber das Fokussieren auf menschliche Bedingungen ist etwas, dass du vermutlich in meinen Videos finden wirst.

Du hast sowohl für Rapkünstler als auch für Rock/Pop Künstler Musikvideos gedreht. Kannst du beschreiben in welcher Hinsicht Unterschiede zwischen einer Regiearbeit für Rapper und dem Drehen von Musikvideos für Rock/Pop Acts bestehen?

Ich versuche immer mit derselben Herangehensweise an jedes Genre zu gehen, egal ob es Hip Hop, Pop, Rock, erzählend, kommerziell oder experimentell ist. Es geht darum offen und unvoreingenommen zu sein uns sich die Zeit zu nehmen um die Welt zu verstehen, mit der man sich beschäftigt. Ich hab Regisseure gesehen, die Videos in Genres gedreht haben, für die sie nicht einmal Interesse aufbringen, geschweige denn die Motivation haben etwas über das jeweilige Musikgenre zu erfahren. Diese Feststellung finde ich sehr erstaunlich. Ich jedenfalls bin für jeden einzelnen Frame verantwortlich und wenn man ehrlich zu sich ist, dann wird das Video zu 99% für das Publikum zugänglich sein. Das bedeutet nicht, dass jeder es mögen wird, aber es bedeutet, dass ich das Genre erforscht habe.

Wann hast du dich entschieden deinen Fokus auf Rapvideos zu legen und wie kannst du dir erklären, dass du gerade in diesem Jahr solch einen enormen Erfolg verzeichnen kannst? Es scheint, als ob du bei jedem zweiten Rapvideo Regie führst: von Memphis Bleek, Joe Budden zu RIZ, Remy Martin und Smif-N-Wessun

Ich glaube einfach, dass ein bestimmter Weg offen war. Es gibt einen Mittelweg zwischen den üblichen von Labeln produzierten Videos und Street DVD?s, den ich erforschen wollte. Mit dieser Idee im Hinterkopf habe ich mein Netzwerk an Freunden benutzt um an die New Yorker HipHop Szene zu gelangen und um erstmals mit den Rappern zu kommunizieren. Zuallererst bin ja auch immer ein Fan, so dass meine unkonventionellen Methoden meist aus der Inspiration der Musik entspringen. Mein Vorhaben war es nie den Künstlern irgendwas aufzusetzten, sondern viel mehr ihnen Freiheit zu bieten was die Bilder anbelangt. Wenn die Leute einmal mit meinem Team zusammengearbeitet haben, ist es meist schwer für sie sich wieder an die traditionelle, langatmige Filmemacherei zu gewöhnen.

Gibt es eine lustige bzw. interessante Geschichte, die während eines Videodrehs vorgefallen ist, und die du unseren Lesern erzählen möchtest?

Meine interessanteste Erfahrung bei einem Videodreh habe ich während des Drehs für Big Lou aus DJ Kay Slay‘s Street Sweeper Team erlebt. Das Video "Crack Head" war sehr düster und beinhaltete die ernstzunehmenden und fatalen Auswirkungen von Drogenabhängigkeit. Wir haben das gesamte Video in Camden, NJ, abgedreht, das vor einigen Jahren noch als einer der gefährlichsten Städte in den USA galt. Lou hat uns auf eine Tour durch Camden bei Nacht mitgenommen und alles wirkte wie eine Szene aus The Wire(amerikanische Fernsehserie): verlassene Häuser, Drogenumschlagplätze. Armut etc. Selbst die inneren Stadtbezirke in New York unterscheiden sich noch sehr von den Zuständen in Camden, das wirklich vom Rest der Welt isoliert zu sein scheint. Es war eine ernüchternde Erfahrung und aufgrund dieser Gefühle kam unsere Message in dem Video kam dann auch sehr deutlich zum Vorschein.

Wie würdest du die Entwicklung in der Musikvideo Industrie beschreiben? Sind Einrichtungen wie YouTube etwas Positives für Regisseure oder erschweren sie sogar die Arbeit?

Ich bin der Ansicht, dass die Musik Industrie sich momentan rasch dem Internet anpasst. Ich bin nicht sicher, ob alle die Internetlandschaft komplett verstanden haben, aber wir zu unserem Teil beziehen YouTube und ähnliche Seiten voll und ganz ein. Ich denke, was das Publikum will und was Webseiten versuchen zu kreieren, ist schnelles, gut produziertes Videomaterial, das verbindlicher und zugänglicher ist, als teurer und zensierter Videoinhalt. Für einige Regisseure ist diese Entwicklung sehr furchterregend, während sie für andere den Beginn einer neuen Ära darstellt. Ich selber würde mich in die letztere Kategorie einordnen.

Welches deiner Rap Musikvideos gefällt dir persönlich am besten und hast du ein Lieblingsvideo neben deinen eigenen Arbeiten?

Ich denke, dass "Brooklyn Bullshit" mein Lieblingsrapvideo ist, da es exakt das wiederspiegelt, was von Anfang an geplant und beabsichtigt worden war. Das Video gab Joell einen großartigen Ausblick auf sein Album und hat seine Texte sehr präzise visualisiert. Eines meiner Lieblingsrapvideos aller Zeiten ist Mark Romaneck’s "99 Problems" Video für Jay Z. Mark Romaneck ist ein legendärer Filmemacher und seine Videos bleiben dir noch sehr lange nach dem eigentlichen Betrachten in Erinnerung. Als Beweis dafür solltet ihr mal Fiona Apple’s "Criminal", Janet Jackson‘s "Got Til It’s Gone" oder Johny Cash’s "Hurt" auschecken.

Du hast deine eigene Produktionsfirma Three/21 Films. Kannst du uns etwas über die Firma und deine Partnerschaft mit YouTube erzählen?

Three/ 21 Films wurde 1999 mit dem Ziel gegründet innovative Musikvideos, Dokumentarfilme und Kurzfilme zu produzieren, und dies mit allen erdenklichen Mitteln zu verwirklichen. Das bedeutet, dass wir weniger Wert auf Ausbildung, Genehmigungen und Regeln legen und uns dafür darauf fokussieren für jede Situation eine unkonventionelle Lösung parat zu haben. Da unser gesamtes Produktionsteam ein eher kleines Team ist und aus Leuten besteht, die schon lange zusammenarbeiten, haben wir es geschafft alle möglichen Kommunikationsbarrieren aus dem Weg zu räumen. Die Struktur unserer Firma ermöglicht es also die Kosten des traditionellen Filmedrehens auf ein Minimum zu reduzieren.

Aufgrund dieser unabhängigen Herangehensweise konnten wir in weniger als einem Jahr 1.7 Millionen Klicks bei YouTube verbuchen, was die Aufmerksamkeit von Ross Hoffman auf sich gezogen hat, der uns angeboten hat eine Partnerschaft mit YouTube einzugehen. Somit bekamen wir einen verbesserten YouToutube Kanal und die Möglichkeit jeden Künstler mit dem wir ein Video gedreht haben auf einem Basislevel zu promoten und zu vermarkten.

Welche Art von Musik hörst du in deiner Freizeit?

Während des Tages höre ich sehr viel Hip Hop: Underground, Mainstream, Down South, East Coast, etc. Abends tendiere ich eher zu Songs von den Smashing Pumpkins, Weezer, J Dilla, Nico, Modest Mouse, The Monkees, The Temptations, Jon Brion, Aimee Mann, etc.

Gibt es noch einen Künstler mit dem du gerne zusammenarbeiten würdest und für den du gerne ein Video drehen würdest?

Ich denke, dass ein Videodreh mit einem Künstler wie Kanye West oder Billy Corgan (Sänger der Smashing Pumpkins) eine Erfahrung wäre, die mein ganzes Leben verändern würde. Diese Menschen sind Künstler, die in kreativer Hinsicht so unglaublich viel auf dem Kasten haben, dass es fast schon unmöglich ist mit ihnen mitzuhalten. Solch eine Zusammenarbeit wäre also wirklich fantastisch.

An welchen Musikvideos arbeitest du derzeit und welche Projekte stehen demnächst bei dir an?

Wir haben gerade ein Video mit Buckshot namens The BDI (NO Doubt) abgedreht, dass von 9th Wonder produziert worden ist und einen wahnsinnig komischen Gastauftritt von Charlie Murphy beinhaltet. Weiterhin haben wir noch einige Projekte für Def Jam in der Pipeline sowie einige kommerzielle/reklamebezogene Kollabos mit Rob Stone und Cornerstone Promotions. Auch haben wir einen Spielfilm namens ?Inside A Change? in der Entwicklung, in dem Al Thompson (Royal Tennenbaums, A Walk To Remember) und Jamie Hector (The Wire; Blackout) mitspielen werden.

Letze Worte?

Special shoutout to the Three/21 Films team, Nancy Mitchell, Steve Carless,Brady Nields, Neo Afan, Dan Lai, Ryan Biazon and all of the bloggers and
renegade filmmakers who are part of the movement. Always stay inspired and
remember that success is less about money and more about how valuable
you can make yourself to others.

Aktuelle Rik Cordero Videos:

Memphis Bleek – Get Ya Money Up

Joell Ortiz – 125 Grams (Pt.4 – Finale

A.P. – Keep Trying

Consequence – Uncle Raheim

Mehr Infos zu Rik Cordero:

www.three21media.com

www.myspace.com/rikcordero

2 Responses
  1. Dick_Strong
    Dick_Strong

    soweit ich weiss, soll let’s ride die neue single werden.wer hat den track produziert??das nore album konnte ja nur ein flop werden.das mit dem daz dillinger album find ich dagegen sehr schade.

    Antworten

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