Evan Ingersoll besser bekannt unter seinem Rappernamen Chuck Inglish und zusammen mit Sir Michael Rocks Teil des Duos The Cool Kids hat im April diesen Jahres sein offizielles Solodebut mit dem Titel “Convertibles” veröffentlicht. Wir haben den Rapper und Produzenten aus Michigan zum Soundansatz auf seinem Erstlingswerk, seiner Entwicklung als Produzent im Allgemeinen und zum Einfluss von Mode auf seine Musik befragt.

16BARS.DE: Wie würdest du „Convertibles“ jemandem beschreiben, der noch nie etwas von dir oder „The Cool Kids“ gehört hat?

Chuck Inglish: Das ist eine gute Frage. Ich denke, es ist wie eine „Space-Funk-Umarmung“. Es ist eine Ansammlung von richtig guten Dingen, wie auf dem „Space-Funk-Planeten“, auf dem ich mich befinde. Man kann es vergleichen wie mit einer Autofahrt. Wie sich die Szenerie, die Tageszeit oder das Wetter während der Fahrt ändert, verändert sich auch der Sound des Albums. Jeder Track erzeugt einen eigenen Vibe. Man kann es aber nicht auf einem Genre festnageln, weil es so viele verschiedene Einflüsse gab.

16BARS.DE: Dein Album wurde vom Incubus-Gitarristen Mike Einziger produziert. Ich weiss, dass er viel mit Leuten aus dem HipHop arbeitet, aber wie kam es, dass du genau ihn für dein Album ausgewählt hast? War das vom Management geplant oder hast du ihn dir selber rausgepickt, weil du seine Arbeit magst?

Chuck Inglish: Es war anfangs ein Vorschlag von meinem Management. Zuerst wollten die nur, dass wir einen Song gemeinsam machen. Ich bin dann aber an Mike herangetreten, als das Album eigentlich schon fertig war. Ich habe ihm die originale Version des Albums vorgespielt die sich ganz anders im Vergleich zum fertigen Album anhört, noch sehr roh und unvollständig. Mit Mike hat sich das Album ein ganzes Stück weiterentwickelt. Durch seinen Einfluss hat das Album musikalisch an Tiefe gewonnen.

16BARS.DE: Heißt neues Album gleich neuer Sound? Wie entwickelte sich dein Sound in den letzten Jahren ohne deinen „partner in crime“ Sir Michael Rocks? Wie hat Mike Einziger deinen Sound beeinflusst?

Chuck Inglish: Mein Sound verändert sich eigentlich von Jahr zu Jahr. Es gibt ein paar Beats, die ich letztes Jahr produziert habe und dieses Jahr nicht mehr hören will. Mike hat meinen Style erweitert ohne seinen aufzuzwingen. Es war ein natürliches Arbeitsumfeld. Ich denke, er sah etwas in mir, dass ihn nicht dazu verleitete, sich großartig einzumischen. Aber es ist natürlich auch eine andere Sache wenn ich mit Sir Michael Rocks als The Cool Kids arbeite, als wenn ich für jemand anderes oder für ein anderes Projekt Beats mache, weil wir auf der selben Wellenlänge sind. Wir könnten aus Mülltonnen-Getrommle einen fetten Beat basteln, darüber rappen und es wäre heiß. Aber das würde ich nicht als eigenen Sound bezeichnen, es ist etwas was wir einfach tun.

16BARS.DE: Wie würdest du dich selbst als „Chuck The Producer“ beschreiben? Nimmst du lieber Instrumente auf oder samplest du lieber auf dem Laptop?

Chuck Inglish: Ich nehme Instrumente viel lieber live auf.

16BARS.DE: Manche nennen deinen Sound „Retro-Futuristisch“. Stimmst du da zu oder hast du eine eigene Bezeichung dafür? Wie würdest du dein Album genre-technisch beschreiben?

Chuck Inglish: Nein, hört sich cool an, das nehm ich. Es wird eigenartig wenn man für etwas seinen eigenen Namen durchbringen will. Die Kunst dabei ist, etwas zu erschaffen, sodass Leute meine Sachen auf ihre ganz eigene Art interpretieren.

16BARS.DE: Wie wählst du deine Features aus? 16 Gäste auf 13 Tracks sind ja richtig viel. Hängt das davon ab, ob ihr befreundet seid oder ob du zu dieser Person aufsiehst?

Chuck Inglish: Nein gar nicht, ich habe nur alle gennant. Es kommt ja oft vor, dass viele etwas zu einem Album beitragen. Es waren ja oft Leute, die einen Teil ihres Talents in dieses Album eingeflößt haben. Ich bin jetzt nicht extra hinausgegangen und habe die Leute gefragt, ob sie dies und das machen wollen. Es hat sich einfach so ergeben. Das Besondere ist ja auch, dass vielen Künstlern an diesem Album gearbeitet habe, die noch relativ unbekannt sind. Die finden gerade ihren eigenen Weg und da ich viele von ihnen während der Arbeit fürs Album kennengelernt habe, war es einfach für mich, sie ins Boot zu holen.

16BARS.DE: Pitchfork hat folgende Review über dich geschrieben: „Die Musik, die Mikey Rocks und er als The Cool Kids herausbringen setzt eher auf Lässigkeit als auf den brennenden Wunsch, zu beeindrucken. Es ist die Art von Rap, die funktioniert, weil sie engagiert bei der Sache sind.“ — Würdest du zustimmen? Welche Absicht verfolgst du wenn du Musik machst?

Chuck Inglish: Ich fühle mich als würden Menschen meinen Ton, das Maß an Dreistigkeit oder wie ich manche Dinge umschreibe anstatt sie direkt beim Namen zu nennen, in eine Schublade stecken und dabei nicht bemerken, welche Geschichten ich eigentlich dabei erzähle. Aber ich finde das in Ordnung, denn so können sich Leute meine Alben öfter anhören, um einen tieferen Sinn herauszuhören. Ich glaube, dass die Leute mich noch nicht endgültig zuordnen können, weil ich mich ständig weiterentwickle.

16BARS.DE: Gibt es irgendeinen Künstler, tot oder lebendig, mit dem du schon dein ganzes Leben lang zusammen arbeiten willst?

Chuck Inglish: Carlos Santana, Sade und Red Hot Chili Peppers.

16BARS.DE: Was ist zurzeit auf deiner Playlist? Welche Tracks feierst du bzw. hasst du? Welche aktuellen Alben würdest du empfehlen? Hast du einen „All-Time-Favorite“?

Chuck Inglish: Das verändert sich ständig. Zurzeit höre ich viele meiner eigenen Beats, die Band „Washed Out“ und Shaka Khan. Ich mag auch viele Singles, aber was Alben angeht mag ich zurzeit meins am Liebsten. (lacht)

16BARS.DE: Offensichtlich stehst du auf Autos, Mode und einen gewissen Lifestyle. Wie beeinflusst Mode deine Musik?

Chuck Inglish: Es war mal ein großer Einfluss, aber mittlerweile trage ich Mode lieber anstatt darüber zu Rappen. Es gibt heutzutage nichts cooles was man über Mode noch sagen könnte, was in den letzten Jahren nicht schon da war. Ich weiß das ich mich gut fühle wenn ich mein Outfit bequem und fresh ist, also beeinflusst das meine Musik vielleicht ein wenig.

16BARS.DE: Welche sind deine Lieblings-Brands oder -Gegenstände die du auf keinen Fall in deinem Leben missen willst? Hast du einen Gegenstand, ohne dem du nicht aus dem Haus kannst?

Chuck Inglish: Ich habe eine Menge Starter-Jacken. Es kann nie genug Colorways geben! Außerdem stehe ich auch auf klassischen 90er-Kram, wie Badeshorts von Massimo oder No Fear. Und natürlich Karl Kani. (lacht) Es gibt auch ein Paar Air Jordans, im „Carolina Blue“ Colorway, die ich verpasst hatte, als sie rauskamen als ich in der 6ten und 11ten Klasse war. Wenn die noch mal veröffentlicht werden, hole ich mir 200 Paar.

16BARS.DE: Wie oder wann würdest du in Musik oder Mode etwas als „Classic“ definieren? Geht das Hand in Hand?

Chuck Inglish: Etwas das Farben, Formen und Perspektiven cool miteinander verbindet. Etwas, dass nicht von Trends sondern von der kreierenden Person beeinflusst wurde, wie zum Beispiel Crewnecks mit einem Print aus Segelflaggen, die ja eigentlich nichts mit Mode zu tun haben aber in diese Schiene hineingeraten sind. Musikalisch gesehen ist es „classic“, wenn man im Laufe der Jahre gute und schlechte Erfahrungen sammelt und trotzdem mit ein und derselben Energie arbeitet, die einen von Beginn an antreibt.

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