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Dass es sich bei Xatar um einen der “realsten” Interpreten der Sparte Gangsta Rap hierzulande handelt, sollte spätestens seit dessen wohl-publizierten Raubüberfall auf einen Goldtransporter, sowie seiner anschließenden Flucht durch mehrere Länder bekannt sein. Wer von Interpol gesucht wird, hat alles nur kein Kredibilitätsproblem.

Nachdem der Bonner schließlich doch noch im Nordirak gefasst und anschließend zu 8 Jahren Haft verknackt wurde, erschien nun letzten Freitag, etwa zweieinhalb Jahre nach besagtem Überfall, sein neuestes Album “Nr. 415”. Der Titel bezieht sich dabei auf Xatars Inhaftiertennummer in der Vollzugsanstalt, in der auch das vorliegende Album entstand. Nicht die optimalsten Voraussetzungen um dem seit dem Coup immens gestiegenen Bekanntheitsgrad musikalisch gerecht zu werden.

Ob es dem Alles oder Nix Records-Gründer trotz der widrigen Umstände gelungen ist, die hohen Erwartungen zu erfüllen, prüfen wir in einer neuen Ausgabe “Durchgehört”:

01. Intro / 02. 415 (prod. by Maestro)

Nachdem Motto “Allow me to re-introduce myself” stellt sich Xatar unter seinem neuen Knasttitel vor und erinnert uns über einen treibenden Maestro-Beat daran, mit wem man es hier zu tun hat.

03. Knast oder Kugel (prod. by M3)

Der Beat erinnert mit seinem düsteren Bounce an Dr. Dre– Produktionen zu dessen besseren Tagen. Xatar macht das, was er am Besten kann und erzählt “Straßengeschichten”:

“Wo ich wohne, ist sogar ein ‘Selam’ gelogen / Ein ‘Wie geht’s?’ ist riskant / und ein ‘Wie laufen Geschäfte?’ heißt ‘Kauf dir ne Weste!'”

04. Hazaks feat. Bero Bass (prod. by Maestro & REEF)

Über eine smooth dahingroovende Instrumentierung von Maestro und REEF, die sich gemeinsam und Solo für den größten Teil der Albumproduktionen verantwortlich zeichnen, berichten Xatar und Bero Bass von ihren Neidern und Hatern oder kurz “Hazaks” (“Kanaken voll Hass / beten nachts, dass du Unfall machst”).

05. Beifall feat. Schwesta Ewa (prod. by Maestro & REEF)

Der Westcoast-Vibe hält an, thematisch bleibt alles beim alten. Die Hook inklusive Kool Savas-Seitenhieb geht genauso gut ins Ohr, wie der Gastbeitrag von Alles oder Nix-Senkrechtstarterin Schwesta Ewa (“Komm mir nicht mit Boxen du Depp / Trag die Walter im Tanga, denn Fotzen sind frech”)

06. Skit ? Für immer Yok ? Aram Kaya / 07. Für immer Yok (prod. by Maestro)

Hier nimmt unser Protagonist spielerisch Bezug auf all die Vorfälle, die in den letzten Jahren für Schlagzeilen um seine Person sorgten. Angefangen bei seinem tätlichen Angriff auf ein “Bunny” in Hugh Hefners Playboy Mansion bis hin zur Folter im irakischen Gefängnis plaudert Xatar hier aus dem Nähkästchen. Maestros Beat lässt das Banditen-Dasein durchaus verlockend klingen.

“Plaboy Mansion, Xatar in Rage / Gucke keine Cartoons, doch box (Bugs) Bunnys auf Nase / LAPD fragt wer hat geboxt / Xatars Antwort: Ganz klar Yok”

08. Connekt feat. Celo & Abdi, Capo & Haftbefehl (prod. by REEF)

Auf “Connekt” sind die Azzlacks zu Gast und so geht es, ohne Zeit mit Hooks zu verschwenden, weiter mit dem Crime-Talk. Der unterhaltsame Crew-Track wird von Reefs Produktion atmosphärisch untermalt.

09. Ein Dieb kann kein Dieb beklauen (prod. by Mete Makkat)

Über einen Beat der ordentlich Space-Funk atmet, erzählt Xatar mit der detaillierten Sicht eines Insiders die Geschichte einer “Geschäftsbeziehung”, die ein unschönes Ende nimmt.

10. Attrappen feat. Farid Bang & Eko Fresh (prod. by REEF)

Alle drei MCs liefern hier über die von Jazz-Akkorden getragene Produktion grundsolide Parts ab.

11. Interpol.com (prod. by Maestro)

12. Wieder erreichbar feat. SSIO & Kalim (prod. by Maestro)

Xatar, SSIO und Kalim beschreiben ihr Dilemma, warum sie nicht ihre Finger vom Rauschgifthandel lassen können. Der Beat zeichnet sich wiederum durch eine starke Westcoast-Charakteristik aus, was keineswegs negativ zu verstehen ist, denn dies geschieht auch weiterhin auf dem inzwischen gewohnten Niveau.

13. Befreundete Feinde (prod. by M3)

Über einen bekannten Funk-Loop beschreibt Xatar, wie er sich auf die Exekution eines Freundes vorbereitet, der ihn bestohlen hat. Harter Scheiß!

14. Meine Welt feat. Nate57 (prod. by REEF)

Wahrscheinlich das unerwartetste Feature des Albums ist wohl Nate 57, der aber erstaunlich gut mit Xatar, wie auch REEFs eindringlichem Instrumental harmoniert.

15. Knastreservierung (prod. by REEF)

“Knastreservierung” zeichnet sich durch eine etwas reflektiertere Sichtweise auf das bereits dargestellte Themenfeld, sowie wieder mal durch die starke Produktion aus.

16. Es ist wie es ist (prod. by Maestro)

Hier beschreibt Xatar, wie sich, vor dem Hintergrund eines näher rückenden Haftaufenthalts, die Sicht auf scheinbar alltägliche Dinge verändert.

17. Führe mich auf den graden Weg (prod. by M3)

18. Wenn ich raus komme feat. Aram Kaya (prod. by M3)

Der letzte Track der regulären Playlist ist, wie der Titel verrät, der Zeit nach Beendigung der Haftstrafe gewidmet und so schmiedet Xatar Pläne.

FAZIT:

Xatar hat mit “Nr. 415” ein überdurchschnittlich gutes Gangsta-Rap-Album abgeliefert. Nicht nur weil die transportierten Geschichten mehr als nur ein Hauch von Athentizität umweht und sie so für besonders spannende Unterhaltung sorgen. Sondern auch weil Xatar sein Rapgame erheblich abgestept hat und mehr als nur einmal mit Lines überzeugt, die man ihm noch vor einigen Jahren nicht unbedingt zugetraut hätte.

Was das Ganze zum wirklichen Hit macht, sind die durchweg hochqualitativen Produktionen von Maestro, Reef, M3 und Mete Makkat, die zwar nicht unbedingt das Rad neu erfinden, aber für Xatars Crime-Storys stehts die passende atmosphärische Untermalung liefern – mal düster, mal melancholisch, mal auflockernd, mal treibend, jedoch stets auf höchstem Niveau.

Insgesamt ist “Nr. 415” eine wirklich runde Angelegenheit und jedem empfohlen, der glaubwürdige Gangstageschichten in adäquatem Soundgewand, hektischen Flowgewittern und spaßigem Hipster-Rap vorzieht.

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