Eine Hand Wäscht Die Andere
Eine Hand Wäscht Die Andere

Nachdem ?Ich? wie erwartet voll eingeschlagen hat und Sido schon im Herbst ein neues Soloalbum releasen will hat Aggro Berlin sogar noch die Zeit gefunden ein neues Sido Projekt zu veröffentlichen. Bei “Eine Hand Wäscht Die Andere” handelt es sich um eine Kompilation, die sich aus 20 Featuretracks des Maskenmannes zusammensetzt und damit einen Überblick über die musikalische Reise des Goldjungen verschaffen will. Ob das Album bloße Geldmacherei darstellt oder einen gelungenen Einblick in die verschiedenen Kollabos des Aggro Künstlers ermöglicht, wird sich nun zeigen.

1 – Verrückt Wie Krass (feat. Fler)

Das Album beginnt mit einen Sido Feature für Fler auf dem Track ?Verrückt Wie Krass? vom ?Trendsetter? Album. Der Song beschäftigt sich mit der damaligen schwierigen Lage und der finanziellen Misere und der nun permanenten Anhäufung von Geldscheinen. Die beiden Protagonisten harmonieren gut miteinander und bieten solide Parts, die aber kaum von den vertrauten Pfaden abweichen. Der Beat von DJ Desue ist ebenfalls solide, ohne aber besonders herausragend zu sein. Somit ist der erste Song von ?Eine Hand Wäscht Die Andere? ein ordentlicher Track, der aber in keiner Weise heraussticht geschweige denn ein Highlight darstellt.

2 – Sureshot (feat. Tai Jason)

Der folgende Song ?Sureshot? stellt das erste außergewöhnlichen Sido Feature dar. Der Maskenmann und Producer/Neurapper Tai Jason featuren hier den aus der Elektroszene bekannten DJ Tomcraft und das fertige Produkt ist eine sehr coole Mischung aus Elektro und Rap. Zwar übernimmt Sido nur die Hook und Tai Jason überzeugt an den Reglern mehr als am Mic, doch ist ?Sureshot? ein ungemein druckvoller und energiereicher Track. Die Fusion zwischen Rap und Elektro ist stark und Sidos Ausflug in die Elektronische Musik mehr als geglückt.

3- Rodeo (feat. Peter Fox)

Das folgende ?Rodeo? mit Peter Fox von Seeed ist vom ?Ich? Album schon bekannt und klingt nach wie vor ein Seeed Lied mit HipHop Feature. Der poppige Track ist sicherlich nicht schlecht und kann auch mit einem guten Sido Part aufwarten, doch bleibt der Song Geschmackssache.

4 – Geblendet vom Licht (feat. Shizoe)

Interessanter ist da schon ?Geblendet vom Licht?, das auf dem Song ?Blinded By The Lights? von The Streets basiert, Der von Mike Skinner produzierte Beat wird dabei leicht verändert und schneller abgespielt und zusätzlich gesellt sich Shizoe mit einer gesungenen Hook dazu. Thematisch haben wir einen sehr ernsten und introspektiven Sido, der auch mit dieser persönlichen Performance überzeugen kann. Somit ist ?Geblendet Vom Licht? ein nicht sehr bekannter aber sehr guter Sido Song, der allerdings an das geniale Original nicht ganz heranreicht.

5 – Ein Teil Von Mir Remix (feat. B-Tight & Seryoga)

B-Tight
B-Tight

Als nächstes wartet der selbsternannte Goldjunge mit dem Remix zu seinem Hit ?Ein Teil Von Mir? auf. Dafür hat er den russischen Rapper Seryoga und B-Tight, der auch jüngst Vater geworden ist, geladen. Bei diesem Song fällt eher B-Tight als Sido auf, da man von diesem solch ehrliche Texte eher nicht gewohnt ist. Ansonsten bleibt der Song in Ordnung, sofern man sich auf das Thema einlassen will.

6 – Das Eine (feat. Kitty Kat)

Auch das neueste Aggro Berlin Signing Kitty Kat ist auf ?Eine Hand Wäscht Die Andere? mit von der Partie. Das gemeinsam mit Sido eingespielte ?Das Eine? ist eine heiße und gut eingerappte Abhandlung zum Thema Geschlechtsverkehr und um Längen besser als das vom Inhalt her verwandte unsägliche ?Ficken? von ?Ich?. Auch der Beat von Paul NZA ist sehr gut und passt bestens zu den versauten Lyrics der beiden Aggro Berlin Künstler. Da bekommt man direkt Lust mehr von Kitty Kat zu hören (und zu sehen).

7 – Königsklasse (feat. Olli Banjo)

Als nächstes folgt ein Sido Feature auf Olli Banjo?s ?Königsklasse? vom ?Sparring 2? Album. Die Kollabo ist ein typischer Representer mit gutem Beat und guten Parts beider Rapper. Zwar ist der Song ein eher ernster Battletrack und damit nicht so lustig wie die geniale ?Taxi? Saga der Beiden, aber auch Battlen beherrschen Sido und Olli Banjo.

8 – So Bin Ich (feat. Bass Sultan Hengzt)

Auch mit Bass Sultan Hengzt hat Sido schon zusammengearbeitet. Der ausgesuchte Track Song ?So Bin Ich? kann überzeugen und punktet mit relativ lustigen Raps und einer ausgezeichneten musikalischen Untermalung von Paul NZA, obwohl die Kombination Piano und E-Gitarre mittlerweile ihren Reiz verliert.

9 – Ostwest (feat. Joe Rilla)

Ein echtes Highlight stellt der Song ?Ostwest? dar, auf dem Sido und Joe Rilla auf charmante und ironische Weise Ossi und Wessi Klischees parodieren und in der Hook zu mehr Zusammenhalt auffordern. Sido? s Beitrag stellt den von Joe Rilla etwas in den Schatten und zeigt, dass der Maskenmann es wie kein zweiter beherrscht lustige Verse auf technisch hohem Niveau zu bringen.

10 – A.i.d.S. 2007 (feat. B-Tight)

Für A.i.d.S. Fans gibt es mit ?A.i.d.S. 2007? einen kurzen aber gelungenen Battletrack, der die Vorfreude auf ein neues Album schürt und mit einem guten Paul NZA Beat überzeugt.

11 – Ruff Sex Part 1 (feat. George Clinton & Deine Lieblingsrapper)

Natürlich gibt es auch einen Song der Lieblingsrapper auf ?Eine Hand Wäscht Die Andere?. ?Ruff Sex Part 1? aus Don Tone?s Producer Album ?Nichts War Umsonst? passt perfekt zur Lieblingsrapper Philosophie und ist ein funky Partytrack, der mit George Clinton und Belita Woods die richtigen Gäste hat. Somit kann der gut produzierte Track Sido?s Feature Album definitiv bereichern und selbst das nervige ?Tight Alta? von Harris kann verschmerzt werden.

12 – Te Typy (Feat. Don Guralesko)

Im Anschluss folgt ?Te Typy?, eine Zusammenarbeit vom polnischen Rapper Don Guralesko und Sido. Hierbei fällt vor allem auf, dass Sido auch als Producer tätig ist, und dass sein Beat durch die elektronischen Einflüsse angenehm an die Anfangstage von Aggro Berlin erinnert. Auch die Scratches am Ende des Songs kommen gut. Guter Durchschnitt.

13 – Badesong (feat. Khia)

Khia
Khia

Es folgt das Porno Duett ?Badesong? mit Khia, die seit ?My Neck My Back? sowieso einen leicht verruchten Ruf hat. Der Arschfickmann und die Thug Miss übertrumpfen sich mit ihren Ansichten zu einem gelungenen Liebesspiel in der Badewanne. Sehr gelungen ist auch der Beat von DJ Tomekk, der seinen sehr schmalzigen Charakter Porno Vibe des Songs aufrechterhält.

14 – DrogaSexGewaltRap Part 2 (feat. Gimma)

Auf ?DrogaSexGewaltRap Part 2? featuret Sido den Schweitzer Rapper Gimma. Auf einem ordentlichen Brett von Sad bringt Sido eine schwächeren ersten Part und einen besseren zweiten Part, der sich aber nicht richtig auf Drogen, Sex Gewalt bezieht, wie es der Titel vermuten lässt. Auch dieser Song fällt unter die Kategorie Kurioses, was vor allem durch die schwytzerdeutschen Raps von Gimma hervorgerufen wird, kann aber trotzdem gefallen und bietet zusätzlich einen coolen Beat.

15 – Fat Gold Chain (feat. Lord Tariq, Peter Gunz, Rain & Cory Gunz)

Als nächstes wird mit New Yorkern um die Wette gespittet. DJ Derezon hat den Klassiker ?The Message? ein neues Beatgerüst verpasst und auf ?Fat Gold Chain? Das Rap Duo Lord Tariq und Peter Gunz, Rain, den schwer gehypten Cory Gunz und eben Sido versammelt. Das Ganze wird keine Innovationspreise einfahren, vermittelt aber trotzdem gute Laune. Besonders Cory Gunz zeigt, dass er nicht umsonst als Rapwunder gilt. Auch Sido zeigt sich in Bestform, so dass alle zufrieden sind.

16 – Mama Ist Stolz (feat. Shizoe, Brainless Wankers) / 17 – Wenn Es Einen Gott Gibt (feat. Celina)

Weiterhin tummeln sich im letzten Drittel der Scheibe eine lustige Punkrockversion des Hits ?Mama Ist Stolz? mit den Brainless Wankers sowie eine melancholische Nummer von Celina featuring Sido. Während die Punkversion von Mama ist Stolz durchaus seinen Charme hat und eine gelungene Abwechslung darstellt (obwohl es nicht an das Original herankommt), kann ?Wenn Es Einen Gott Gibt? nicht ganz überzeugen. Die kritische Auseinandersetzung mit Gott hat dank Ilan auch einen ansprechenden Soundteppich, ist aber sehr pathetisch und unterscheidet sich nicht groß von den gängigen Chartsongs. Auch Sido fällt mit Aussagen wie ?Ha Ha wo ist er? eher unangenehm auf.

18 – So So (feat. Shizoe) / 19 – Samba (feat. B-Tight)

Auch ?So So? von Shizoe hätte man ruhig streichen können, da der Song eher langweilig geraten ist und zudem einen überflüssigen Sido Part bietet. Dagegen ist ?Samba? von B-Tight und Sido wieder eine interessante Angelegenheit: der Track stammt aus den Anfangstagen von Aggro Berlin und dies hört man dem Track auch an. Der düstere Beat ist relativ simpel, kommt aber durch die elektrischen Elemente richtig gut. B-Tight bietet aggressive Zeilen, die flowmäßig nicht immer on point sind und auch Sido?s Verse können mit seinen heutigen Texten kaum noch mithalten. Trotzdem ist die dunkle und rohe Atmosphäre des Songs gelungen und hat seinen ganz eigenen Charme. Von diesen Tracks hätte es ruhig mehr auf dem Album geben können.

20 – Abtörn Girl (feat. Fler & Harris)

Zum Abschluss des Albums haben Sido und Fler auf ?Abtörn Girl? noch ein paar abfällige Worte für nervende Ladys auf Lager. Auf einem ansprechenden Beat von Paul NZA bringt vor allem Fler technisch sehr gute Zeilen, wobei aber der beleidigende Charakter der Texte nicht allen gefallen dürfte.

Fazit: Sido?s Ausflug in die Featurewelt ist weitestgehend gelungen. Dabei gefällt vor allem das Konzept, den Hörern möglichst verschiedene Seiten des Aggro Berlin Rappers näher zu bringen. So gibt es neben einigen Battletracks auch Ausflüge in andere musikalische Bereiche wie Electro oder Punkock/Ska. Glücklicherweise schafft Sido es auch egal in welchem Genre meist gute Performances hinzulegen, die ihm somit einen sehr wandlungsfähigen Style attestieren. Natürlich gibt es ein paar nicht ganz so tolle Songs und vielleicht hätte man mehr Songs aus den früheren Agrgo Berlin Tagen auf der Platte platzieren können. Bis auf wenige verunglückte Songs, ist der Großteil von ?Eine Hand Wäscht Die Andere? aber durchweg positiv zu bewerten, da sich vor allem einige Raritäten auf der Kompilation befinden, die selbst einigen Sido Fans unbekannt sein dürften. Sido Anhänger können daher ohne Bedenken zugreifen, alle anderen, die manche Songs schon ihr Eigen nennen, müssen schauen, ob es sich für sie lohnt in die unbekannten meist guten Featuretracks zu investieren.

Bewertung: 4 von 6
Bewertung: 4 von 6

By: BJ AN

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