Foto:Al Pereira/Michael Ochs Archives/Getty Images

In unserem neuen Format “Classic Moments” soll auf denkwürdige Ereignisse jeglicher Art im Rap zurückgeblickt werden. In der ersten Episode streifen wir den berüchtigten East Coast vs. West Coast Konflikt, der Mitte der 90iger ausgetragen wurde und mit den unnötigen Toden von 2Pac und Notorious B.I.G. seinen traurigen Höhepunkt fand. Die Fehde startete in der Öffentlichkeit für viele Beobachter mit den Source Awards 1995, die damals zum ersten Mal im TV ausgestrahlt wurden. Die einzelnen Preise verteilten sich dabei im Wesentlichen auf die beiden Label Death Row Records und Bad Boy Records. Death Row Records repräsentierte dabei die Westside und der Labelbetreiber Suge Knight hatte vor allem mit Dr. Dre und dem damals noch jungen Snoop Dogg zwei immens erfolgreiche Künstler in seinem Portfolio. Das in New York ansässige Bad Boy Records wurde von Diddy (damals noch Puff Daddy) gegründet, konnte innerhalb kürzester Zeit mit Craig Mack (der in der Folge aber relativ schnell wieder aus dem Spotlight verschwand) sowie Notorious B.I.G. große Erfolge verbuchen und stieg somit zur ernsthaften Konkurrenz für Death Row Records auf.

Die Source war als Hip Hop Printmagazin in der Prä-Internet Zeit die Anlaufstelle Nr.1 für Rap und hatte in den 90ern einen sehr hohen Stellenwert für Rapfans, Künstler und Labels. Das Magazin veranstaltete auch eine eigene Award Show, die 1995 im August in New York stattfand und das damalige Who is Who des US-Raps versammelte. Naturgemäß nahmen die beiden dominierenden Labels Death Row Records und Bad Boy Records mit versammelter Mannschaft und Enoturage an der Awardshow teil. 2Pac, einer der Hauptprotagonisten der bitteren East vs. West Fehde, war hingegen bei den Awards nicht anwesend. Er verbüßte zu diesem Zeitpunkt nämlich eine Haftstrafe. Pac war auch noch gar nicht bei Death Row Records unter Vertrag, sondern bei Interscope Records. Erst im Oktober desselben Jahres kam er frei, nachdem Interscope-Chef Jimmy Iovine und Suge Knight die Kaution von 1.4 Millionen Dollar stellten. Im Gegenzug unterschrieb 2Pac einen Vertrag bei Death Row.

Die Hauptrollen übernahmen an diesem Abend also andere. In vorderster Front agierte natürlich der gewohnt angriffslustige Suge Knight. Dieser nahm den Preis für den “Soundtrack Of The Year” entgegen, den sich Death Row Records für “Above The Rim” sichern konnte. In seiner Dankesrede grüßte Knight – als Blood Affiliate wie so wie so oft im roten Hemd unterwegs – 2Pac und nutzte die Gelegenheit um einen direkten Angriff gegen seinen Mitstreiter Diddy zu starten. Zum Hintergrund: sowohl Suge Knight als auch Diddy wirkten als Executive Producer an den Alben ihrer Rapper mit und Diddy steuerte dabei gerne Adlibs auf Songs seiner Künstler bei und war zudem auch in den Musikclips (tanzend) zu sehen.

Dies missfiel wohl Suge Knight, der zwar Diddy nicht namentlich nannte, aber ganz klar eine deutliche Ansage gegen ihn richtete:

“Any artist out there that wanna be an artist and wanna stay a star and don’t wanna have to worry about the executive producer being all in the videos, all on the records, dancing, come to Death Row!”

Suge Knight wurde postwendend vom Publikum ausgebuht, ging jedoch  recht selbstzufrieden von der Bühne, denn immerhin hatte er seine provokante Message unter das Volk gebracht. Suge Knight war aber nicht der einzige Death Row Artist, der mit Buhrufen zu kämpfen hatte. Als Dr. Dre den Preis für den “Producer Of The Year” Award entgegennehmen wollte, kam es zu Buhrufen. Snoop Dogg, damals noch jung und aufbrausend, zeigte sich sichtlich verwundert über die Abneigung des New Yorker Publikums  und richtete folgende fragende Worte an die versammelte Menge:

“The east coast ain’t got no love for Dr. Dre and Snoop Dogg? The east coast ain’t got no love for Dr. Dre and Snoop Dogg and Death Row? Y’all don’t love us? Y’all don’t love us? Well, let it be known then! We know y’all east coast! We know where the fuck we at! East coast in the muthafucking house!”

Jahre später hat Snoop Dogg in einem Interview erklärt, was genau er mit seinen Worten bezwecken wollte:

“That was a political move to show that I was not afraid, but I know where I’m at. And I respect y’all cuz y’all respect me. Y’all love me, that’s the reason why we here…Despite what this man has said, y’all love us…Puffy was the big man. He could have turned the light on. If he turned the light on, it would’ve been lights out, trust me. He [took the high road]…The bigger man is the one who apologizes, the one that says, ‘I apologize, I’m sorry.’ Even if you not wrong. You take the high road. And that’s what Puffy showed you that night. He took the high road”.

Diddy reagierte im Verlaufe der Show bemüht schlichtend auf Suge Knights verbale Attacke, indem er während einer Ansprache ausdrücklich Dr. Dre und Suge Knight lobte:

“I’m the executive producer a comment was made about a little bit earlier. But, check this out – Contrary to what other people may feel, I would like to say that I’m very proud of Dr. Dre, of Death Row, and Suge Knight for their accomplishments. And all this east and west? That needs to stop.”

Diese Stelle kann man sich im folgenden Clip anschauen, in dem auch Nate Dogg auf unnachahmliche Art und Weise (“This Bullshit about the East Coast and the West Caost started when…”) seine Meinung zu den damaligen Vorfällen bei der Award Show zum Besten gibt:

Jedoch hat auch Diddy offenbar bei der Show selber ein wenig Öl ins Feuer gegossen, als er zu Beginn eines live performten Bad Boy Medleys den Satz “I live in the east and I’m gonna die in the east.” proklamierte. Einige sahen in dieser Bekundung (warum auch immer) einen versteckten Seitenhieb in Richtung der Konkurrenz aus dem Westen. Hier das ganze Medley in leider magerer Qualität:

Auch das Death Row Camp durfte bei der gleichen Show ein Medley performen.  Auch dies zeigt, dass die beiden Labels damals eine führende Position innehatten:

In der Retrospektive gelten die Source Awards 1995 für viele Rapfans als Startpunkt für die East Coast vs. West Coast Fehde. Zwar gab es zeitlich davor schon erste Vorfälle (2Pac wurde im November 1994 in einem Musikstudio in New York überfallen und angeschossen // Biggie veröffentlichte im Februar 1995 den kontroversen Song “Who Shot Ya”, den viele als versteckten Diss an 2Pac und Anspielung auf den Überfall interpretierten), allerdings  wurde erst bei den Source Awards zum ersten Mal öffentlichkeitswirksam gegeneinander gestichelt und sich positioniert. Die Show zeigt auch, dass sich die Fehde der zwei Regionen im Wesentlichen auf ein Duell zweier Labels beschränkt, die jeweils die Hauptakteure für den Streit stellten.

Nach den Source Awards verpflichtete Suge Knight, wie bereit erwähnt, 2Pac für sein Label. Dieser sprach nach dem Signing erstmals öffentlich darüber, dass er vermutete, dass Bad Boy für den Überfall auf ihn aus dem November 1994 verantwortlich war. Und so nahm das Drama langsam seinen Lauf…

3 Responses
  1. alfonso

    echt nice! koenntet ihr auch was ueber den beef zwischen nas und jay-z (king of new york) etwas erzaehlen

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