Die Bounce Brothas dürften dem geneigten Deutschrap Hörer spätestens seit dem letzten Jahr ein Begriff sein: das Producer Duo versorgte Capo mit einem modernen Hochglanz-Klangteppich und trug somit wesentlich zur musikalischen Weiterentwicklung des Offenbachers bei. Zuletzt servierten die Bounce Brothas zudem niemand Geringeren als Haftbefehl mit “Julius Cesar” ein orchestrales Straßen-Brett, auf dem sich das Azzlackz Oberhaupt genüsslich austobte und einen gelungenen musikalischen Einstand bei Universal Music feierte.

Anlässlich ihres jüngsten Outputs nutzten wir die Gelegenheit und sprachen mit den Bounce Brothas u.a. über die Entstehung von “Julius Cesar”, die Zusammenarbeit mit Haftbefehl, die Resonanz auf das Capo Album “Hallo Monaco” sowie über die Entwicklung deutscher Produktionen in den letzten Jahren.

Durch Haftbefehl´s “Julius Cesar” konntet ihr zuletzt wieder mal mit einer Produktion auf euch aufmerksam machen. Könnt ihr erzählen wie es zu dem Pick kam? Habt ihr den Beat explizit für Haft produziert? Wart ihr mit dabei, als er ihn zum ersten Mal gehört hat?

Zum Pick des Instrumentals kam es während der Vorproduktion für Capos nächstes Album nach “Hallo Monaco”. Durch unsere enge Zusammenarbeit mit Haftbefehl und Capo kommt es immer wieder zu kreativen Überschneidungen und man flasht sich gegenseitig.

Was ist eurer Meinung nach das entscheidende Element im “Julius Cesar”-Instrumental? Wie war eure Herangehensweise bei der Produktion?

Es gibt eigentlich drei wesentliche Elemente, die unserer Meinung nach erwähnenswert sind. Einmal ist da der Chor, der sich durch das ganze Instrumental zieht und den Beat irgendwie trägt.
Dann gibt es da diese ignorante Synth-Melodie, die bewirkt, dass der Song im Refrain total krank und abgewichst wirkt und eine Art futuristischen 80er Jahre Mafia-Sound erzeugt. Das ist unserer Meinung nach das besonderste Element des Instrumentals. Dann sind da noch die Stomps, die vor dem Refrain in den Versen reinkommen. Da haben wir erst mal einen relativ simplen Stomp-Sound benutzt den man aus jeder zweiten Trap-Produktion kennt und haben diesen dann in der Nachproduktion mit einem Marschier-Sample gelayert. Man assoziiert mit der Figur “Julius Cesar” immer riesige römische Armeen und davon haben wir uns inspirieren lassen.

Wie ist die Zusammenarbeit generell mit Haftbefehl? Wie lange dauert es bei ihm bis ein Track schließlich fertig ist?

Haftbefehl arbeitet sehr zielorientiert und weiß meistens genau was er will. Oft kommt er einfach ins Studio, rappt schnell ein bis zwei Songs ein und zieht dann sofort wieder ab. Manchmal kommt er erstmal mit zehn Steaks an, schmeißt die in die Pfanne und das gesamte Stockwerk haut sich dann den Bauch mit Fleisch voll und danach gehts erst los.

Vor ein paar Monaten hat er “Azzlack Stereotyp 2” angekündigt. Werdet ihr dort auch mit Produktionen vertreten sein?

Seit Anfang des Jahres sind wir mit den Aufnahmen des kommenden Haftbefehl Albums beschäftigt. Einen Großteil der Produktion wird Bazzazian übernehmen. Wir sind wahrscheinlich mit ein bis zwei Produktionen vertreten, aber vielleicht werden es auch noch mehr.

Seid ihr ansonsten zufrieden mit den Resonanzen auf Capos Debutalbum “Hallo Monaco” auf dem ihr auch mit einigen Produktionen vertreten wart?

Sogar sehr. Bei Capo muss man sagen, dass er sich durch seinen Image-Wechsel in einer sehr besonderen Situation befindet. Viele der alten Fans waren enttäuscht, dass sich seine neue Musik so sehr von seiner alten unterscheidet und reagierten darauf teilweise sehr extrem. Das war dann am Ende doch ein sehr großes Thema. Capo hat sich stilistisch von seinem Bruder Haftbefehl unabhängig gemacht und ist nicht auf der Azzlackz-Welle mitgeschwommen, obwohl das für ihn einfacher gewesen wäre. Er wollte seine eigene Vision umsetzen und hat damit ein erfolgreiches Debut hingelegt.

Ihr seid schon seit vielen Jahren als Produzenten aktiv. Wie empfindet ihr die Entwicklung der Produktionen in Deutschland? Gibt es mittlerweile ein Alleinstellungsmerkmal für “Beats made in Germany”?

Unserer Meinung nach können die Produzenten in Deutschland international mithalten. Natürlich sind die USA, was Vielfalt und Kreativität angeht, jedem anderen Land im Rap immer 10 Schritte voraus, aber das liegt nicht daran, dass die Produzenten in Deutschland nicht experimentierfreudig genug sind, sondern an den wenigen Rappern, die es wagen neue Wege einzuschlagen. Die Produzenten müssen sich leider zu oft nach der Nachfrage richten und das schränkt kreativ unglaublich ein. Jedoch gibt es da auf jeden Fall schon neuen Wind.

Welche anderen deutschen Produzenten stechen für euch zur Zeit aus der Masse heraus?

Es gibt halt sau viele gute Produzenten in Deutschland. Was man wahrscheinlich nach außen nicht so sehr mitbekommt ist, dass sich viele Produzenten in Deutschland untereinander gut verstehen, viel miteinander kommunizieren und sich auch gegenseitig aushelfen. Man gibt sich gegenseitig Ratschläge, tauscht manchmal sogar Kontakte aus und trifft sich wenn man mal in der Stadt ist auf ne Latte Penis in den Popo. Das war ein Test, ob ihr wirklich alles lest. (Anm. der Redaktion: Ja tun wir!)
Für die Kollegen, die sowieso nur runterscrollen, um ihren Namen zu lesen, hier ein paar nette Shoutouts: Hallo Lex Barkey, Joshimixu, Brisk Fingaz, Leon Tiepold, Tschabo, Shuko, Farhot, Crada, M3, PhreQuincy, Gee Futuristic, Abaz, Bazzazian, DJ Desue, 7inch und so weiter und sofort.

Welcher Beat ist momentan euer Favorit? Welche Produktion hat euch im Jahr 2014 bisher am meisten beeindruckt?

Jeff: JMSN – The One

und Ty Dolla $ignNever Be The Same aus der “Beach House EP”

Khaled: Schoolboy Q feat. BJ The Chicago KidStudio aus dem Album “Oxymoron”

Welche Projekte kann man in Zukunft von euch erwarten? Gibt es Künstler in Deutschland mit denen ihr gerne noch zusammenarbeiten würdet?

Jetzt gerade kommt das Album “Camouflage” von Nazar auf dem wir zweimal vertreten sind und wir arbeiten noch Tracks aus für das kommende Rapsta Album. Ansonsten steht das nächste Album von Capo an und neue Tracks für Bausa. Dazu konzentrieren wir uns gerade noch auf eigene Künstler wie Sängerin Rola und den Rapper Meezy.
Gerne zusammenarbeiten würden wir mal gerne mit sido, Cro, Xavier Naidoo, Kool Savas, Herbert Grönemeyer, Rockstah, Teesy, Beatsteaks, Casper, Marteria, Miss Platnum, Yasha… es gibt schon ziemlich viele coole Künstler in Deutschland.

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