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Vor einigen Wochen veranstaltete das Stuttgarter Label Chimperator zwei Cypher Runden und im zweiten Teil der Cypher Reihe tummelte sich unter den Chimperator Schützlingen plötzlich auch ein gewisser Teesy, der mit seinem Rappart relativ mühelos neben den etablierten Chimps bestehen konnte. Kürzlich durfte Teesy im Rahmen der Chimperator Cypher dann sogar eine Solorunde auf das Parkett legen und nutzte die Gelegenheit um seine Sangeskünste unter Beweis zu stellen:

Wer aber ist der junge Mann im adretten Zwirn, der in dem Cypher Video völlig unaufgeregt neben einem Cro performt und wie selbstverständlich zwischen Rap und Gesang hin und her wechselt? Wir haben uns ein wenig mit Teesy beschäftigt und versuchen nun einen kleinen Einblick in sein bisheriges musikalisches Schaffen zu geben.

Teesy wurde im Osten Berlins geboren und kam laut eigener Aussage ganz unromantisch durch 50 Cent mit Rap in Kontakt. Während er zunächst nur Amirap hörte, kam nach anfänglicher Verspottung später Deutschrap in Form von u.a. Tua, Maeckes & Plan B oder Nico Suave hinzu und auch Teesy‘s Rapversuche begannen zunächst in englischer Sprache ehe er in seiner Muttersprache Texte schrieb. Teesy allerdings beschränkte sich jedoch nicht nur auf das Rappen, sondern legte seinem Künstler Portfolio bald eine weitere wichtige Komponente bei: so begann er im Verlaufe seiner Karriere mit dem Singen und stellt sich dabei als echtes Gesangstalent mit einer tollen Stimme heraus. Erstaunlich ist dabei, dass der Berliner keinen Gesangsunterricht genommen hat, sondern sich anscheinend autodidaktisch das Singen beigebracht hat. Ǔber den Prozess neben Rap auch Gesang in seine Musik einzubauen, kann Teesy heute auch nur noch mutmaßen, wie er im Gespräch mit der Backspin erzählt:

“Dann kam irgendwie das Singen dazu. Irgendwann mal eine Hook geträllert. ich weiß auch nicht woher das kam.”

Wenn man sich die musikalische Bandbreite des Berliners vergegenwärtigen möchte, dann helfen einem vielleicht folgende zwei Clips. So kann Teesy sowohl gefühlvolle und an der Grenze zum Pop(kitsch) angesiedelte R&B Lieder mit Klavierbegleitung einsingen…

…als auch auf selbstbewußten Representern überzeugen:

Wirft man einen Blick auf Teesy‘s bisheriges musikalisches Schaffen, fällt auf, dass er zumindest in der Vergangenheit nicht durchgängig als klassischer Solokünstler aufgetreten ist, sondern auch versucht hat sich innerhalb eines Musiker Kollektivs namens “Junos” einen Namen zu machen. Nachdem er Ende 2008 zum ersten Mal mit seinem Kumpel Ceesy diesen Namen in die Welt setzte und die Beiden Ende 2009 das Album “Juno Stories” veröffentlichten, kamen später weitere gleichgesinnte Musiker aus dem Umkreis hinzu. 2010 waren die Jungs z.B. besonders produktiv und so veröffentlichten Teesy und Co. gleich 4 Projekte unter dem “Junos” Banner. In einem Blog referierten Teesy und die restlichen Junos zu dieser Zeit recht munter über das Dasein als junge, motivierte Musiker zwischen Release Euphorie und misslungenen Konzerten. Anfang 2012 erschien noch ein Junos Download Album mit dem schwelgerischen Titel “Liebe, Leben, Sinneswandel”. Die melancholische Videoauskopplung “Schwerelos” zeigt aber dann doch, das der Sound der Formation damals nicht wirklich ganz ausgereift war und die qualitativen Fähigkeiten der einzelnen Künstler recht unterschiedlich ausfallen:

Teesy zog in der Zwischenzeit nach Kiel um dort Sport und Deutsch auf Lehramt zu studieren. Zudem konnte er sich langsam aber sicher auch als Solokünstler einen Namen machen: im Juli 2011 veröffentlichte er beispielsweise die EP “Sturmzeit”. In diesem Zeitraum entstand auch der tolle und von Teesy produzierte Song “Lippen, die die Welt bedeuten” . Der Ohrwurm Track wurde später verdienterweise auch mit einem Video bedacht:

Die Qualitäten Teesy‘s machten langsam die Runde und auch die Hamburger Indie Plattform Tracksetters bekamen eben jenes “Lippen, die die Welt bedeuten” zu hören. Angetan von Teesy‘s Talent, lud man den Rapper/Sänger/Producer nach Hamburg ein und nach einem Re-relase der “Sturmzeit EP”, arbeitete Teesy fortan mit dem Tracksetters Hausproduzenten T-No an neuen Tracks in Hamburg. Am 24.September 2012 war es dann soweit und Teesy veröffentlichte sein Mixtape “Fernweh”, auf dem er nochmals seinen gefeierten Mix aus Rap und Gesang präsentierte und mit Videoclips wie zu dem nachdenklichen “Dieses Haus” versah:

Folgerichtig wurden nach dem “Fernweh” Release weitere Menschen auf Teesy‘s Musik aufmerksam. So tauchte er u.a. bei BRAVO Web TV auf oder wurde vom geschätzten Schwänzengang Blog für sein Mixtape gelobt. Auch war es wieder einmal Kaas, der das richtige Gespür für vielversprechende Deutschrap Talente hatte: nachdem Kaas in der Vergangenheit bereits Chartstürmer Cro entdeckte, konnte er sich bei einem Ausflug nach Hamburg auch für Teesy‘s Mixtape begeistern und verbreitete Teesy‘s Musik in der Folge in Stuttgart. So kam es dann wohl auch zum Kontakt mit Chimperator und neben Teesy‘s doppelten Auftauchen in der Label Cypher, hatte er das Privileg als einziger Feature Gast auf dem aktuellen Cro Mixtape “Sunny” aufzutauchen. Zudem wird er den Pandamasken Rapper bei dessen nächsten Auftritten als Support begleiten. So langsam wird die Musik also wirklich zu Teesy‘s Job:

Wenn man sich ein wenig länger mit Teesy‘s Musik beschäftigt, dann sind Parallelen mit US Superstar Drake nicht von der Hand zu weisen: wie auch Aubrey Graham pendelt Teesy fließend zwischen Rap und Gesang, beschäftigt sich mit emotionalen Themen und fühlt sich teils auch auf den sphärischen Klangteppichen wohl, mit denen Drake und 40 den R&B in den letzten Jahren gehörig umkrempelten. Ǔber seine Drake Einflüsse macht der Berliner jedoch keinen Hehl, sondern sprach im Interview mit dem Splashmag offen über Drake und andere prägende Künstler:

Er ist definitiv ein Fixpunkt und hat mich musikalisch geprägt, seit ich auf ihn aufmerksam geworden bin. Wahrscheinlich wie kein anderer. Aber auch hierzulande gibt’s einige, die mir imponieren. Marteria fällt mir da immer als erstes ein oder die Orsons, die live einfach unfassbar geil sind. Ein Philipp Poisel ist auch nicht von der Hand zu weisen.

Hinsichtlich der Frage, inwiefern sich seine Künstler-Persona in Sänger und Rapper aufspaltet, kann auch Teesy selber keine klare Antwort geben. So bezeichnet er sich zwar als singenden Rapper, würde sich letztendlich aber für das Singen entscheiden, wenn er vor der Wahl stehen würde. Wenn aber insgesamt dabei gute Musik entsteht, ist diese Entscheidung auch eher zweitrangig.

Bleibt also abzuwarten, in welche Höhen Teesy in den kommenden Wochen und Monaten mit seiner Musik noch gelangen wird. Direkt nach seiner Teilnahme an der Chimperator Cypher wurde sofort vermutet, dass Teesy bei dem Stuttgarter Indie Label untergekommen sei. Zwar wurde wenig später Weekend als neues Signing vorgestellt, doch darf man gespannt sein, ob Chimperator nur einen wohlgesonnenen Künstler auf freundschaftlicher Basis unterstützen wollte, oder bereits ganz andere Pläne mit Teesy schmiedet. Einen talentierten Rohdiamanten mit Erfolgspotenzial hätte man dann aber zweifellos in den Startlöchern.

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