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So nebul??s ihr sprachlicher Stil f??r das b??rgerliche Sparkassen-Azubi-Ohr stellenweise auch sein kann, so klar zeichnet sich Eines ob des unbarmherzigen wei??en Lichts der aufgerufenen Youtube-Kommentare ab: Die Figur Schwesta Ewa polarisiert zur Zeit so, wie kaum jemand auf dem Deutschrap-Parkett. Die Faktoren, die die geb??rtige Polin in sich vereint, scheinen niemanden gleichg??ltig ??ber sie hinwegsehen zu lassen, sei es innerhalb der urbanen Szene oder im gro??deutschen Raum des medialen Kleingeistdiktats. Frauen im Rap, geschweige denn Stra??enrap, sorgen bis heute noch regelm?¤??ig f??r Diskussionsstoff. Dass eine von ihnen sich zus?¤tzlich auch noch von ihrer derart bewegten Vergangenheit im gesellschaftlich ge?¤chteten Milieu emanzipiert, hat es bis dato noch nie gegeben. W?¤hrend ihr bewanderter Labelchef Xatar von seinem externen Standpunkt seit Anbeginn strategisch vorgeht und sein einziges weibliches Signing in anvisierte Bahnen f??hrt, nutzt Schwesta Ewa die Gunst der Stunde und releast Videos am laufenden Band, die in ihrer Rotlicht-Oldschool-Stra??en-Stilistik aneinander ankn??pfen, sei es â?žRealit?¤tâ??, â?žHektischâ?? oder ihre Deb??ttrack â?žSchw?¤tzaâ??.

Und so l?¤sst auch das mediale Echo nicht lange auf sich warten. In den letzten Wochen h?¤uften sich die Zeitungs- und Fernsehberichte der Newcomerin, nachdem die Kunde der gel?¤uterten Stra??enrapperin mit besonderer Referenz in den Redaktionen der Boulevardmagazine die Runde machte: Die BILD-Zeitung proklamierte im Gro??format â?žFr??her Hure, heute Rapstarâ?? und bat Schwesta Ewa zum Interview. Auch RTL Hessen stand sie zum wiederholten Mal offen Rede und Antwort. Anders als es immerhin in der BILD der Fall war, wollte man sie hier gar nicht erst als eigenst?¤ndige K??nstlerin anerkennen, sondern stattdessen folgenderma??en vorstellen: â?žDie 28-j?¤hrige war fr??her Prostituierte, heute h?¤ngt sie mit Musikern ab.â??

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Letzte war die Frankfurterin nach Cro, Prinz Pi oder Left Boy zudem in der Sendung neoParadise als Showact f??r zwischendurch eingeladen und mit dem Titel â?žRapperin Number One in Deutschlandâ?? ausgezeichnet. Kontr?¤r zu ihrem Alltagsdasein als wandelnde Adidas-Werbes?¤ule schmiss sich die Schwesta neben Gef?¤hrtin Sari f??r diesen Anlass in Schale und gab den behutsamsten Schrankgast ab, mit dem es die Dame des Hauses Violetta vermutlich jemals zu tun hatte. Wenngleich hier zum ersten Mal in den Popul?¤rmedien tats?¤chlich die Musik Schwesta Ewas f??r sich stehen konnte, wurde auch an dieser Stelle ihre Herkunft aus dem Rotlichtmilieu mehrfach betont.

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Aus ihrer Vergangenheit als Prostituierte macht Ewa M??ller, wie sie mit b??rgerlichem Namen hei??t, also weiterhin nicht das geringste Geheimnis. Im Gegenteil macht sie, wie in der Kunst substanziell, ihr gesellschaftliches Brandmal zu ihrem Markenzeichen und zum ungeschminkten Gegenstand ihrer Musik. Was sich in unz?¤hligen Klickzahlen und gespaltenen Bewertungen niederschl?¤gt, zeigt sich analog dazu in den Reaktionen der m?¤nnlich gef?¤rbten Rapwelt. Praktisch gesehen, stehen das gesamte Azzlackz-Lager und nat??rlich ihr AoN-Camp geschlossen hinter ihr, wenn auch nicht ganz klar ist, ob die Herren der Sch??pfung es sich einfach nur nicht unn??tig mit Xatars Loyalit?¤t verscherzen wollen. Was hingegen ihre Rapkollegen au??erhalb der Main Metropole betrifft, werden klare Worte f??r die 28-j?¤hrige herangezogen.

W?¤hrend Fler seine Begeisterung f??r die Blondine ??ffentlich macht und bei seiner letzten Begegnung mit Visa Vie erkl?¤rte: “Die ist dope, alter. Die macht Ansagen, die hat auf jeden Fall was zu erz?¤hlen.”, bekommen Aussagen wie die PA Sports‘ von vielen Seiten Zuspruch:
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Musik ist immer Geschmackssache. Die Aufruhr um ihre Person scheint sich jedoch losgel??st von ihr als K??nstlerin zur allgemeinen Streitfrage dar??ber zu erheben, was in den kulturellen Grunds?¤tzen des Hip Hop erlaubt ist. Das Widerspr??chliche an der Debatte ist, dass Schwesta Ewa genau das macht, was im Rap, besonders im Stra??enrap, gefordert ist: N?¤mlich das Lebensgef??hl ihrer eigenen Erfahrungswelt abseits gesellschaftlicher Konventionen und Vorschriften authentisch wiederzugeben. Etwas erlebt zu haben und es k??nstlerisch zu verarbeiten. Der Freigeist im Rap scheint allerdings an seine Grenzen zu kommen, wenn es sich bei dem Urheber kontroverser Inhalte um ein Mitglied einer Minderheit innerhalb der Rapszene handelt, wie in diesem Fall einer Frau. Die Szene, die sonst von der Gesellschaft ein Umdenken und Abr??cken von Vorurteilen gegen??ber sozialschwachen Randgruppen einfordert, die in ihrem Streben nach Erfolg und Anerkennung vom â?žrechten Wegâ?? abgekommen sind, macht sich an dieser Stelle der Doppelmoral schuldig. Dass Stra??enrapper, die wegen schweren Raubes im Gef?¤ngnis sa??en, im Fall Schwesta Ewas auf einmal mit der Moralkeule schwingen und von Vorbildfunktion sprechen, k??nnte man durchaus schon als befremdlich bezeichnen.

W?¤hren die Tragweite der bislang einzigartigen Rolle Schwesta Ewas neue Fragen im deutschen Stra??enrap aufwirft und die Szene vor Herausforderungen der eigenen Integrit?¤t stellt, hat die ganze mediale Aufruhr um ihre Person sich bisher f??r sie noch nicht in erw??nschtem Ma??e ausgezahlt. Die Formel â?žJeder Hater ist nur ein Klick mehrâ?? trifft einerseits zu, wenn man auf ihre immensen Aufrufzahlen sieht, konnte ihr allerdings auf der anderen Seite zu keinem Erfolg im Hinblick auf ihr Release verhelfen. Obwohl ??ber die Alles-oder-Nix-Rapperin so viel wie ??ber kaum einen anderen Newcomer berichtet wurde, blieb ihrem Mixtape â?žRealit?¤tâ?? ein entsprechender Charterfolg verwehrt.

Bleibt ihr als Person nur zu w??nschen, dass das Aufsehen ??ber die skandalisierte Ex-Prostituierte Schwesta Ewa nicht die eigentliche K??nstlerin Schwesta Ewa zur Nebenfigur verkommen l?¤sst und ihre musikalischen Ambitionen zwangsl?¤ufig als Randerscheinung in den Hintergrund weichen m??ssen.

Derzeit scheint sich Ewa wohl erstmal darum zu k??mmern, ihren Proteg??, das neue Alles oder Nix-Signing Emo 33, ins rechte Licht zu r??cken, wie ihr j??ngster Auftritt in dessen nun ver??ffentlichten “Halt die Fresse”-Comming Out verdeutlicht:

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