Heutzutage sind Azad und Bushido gelinde gesagt nicht mehr die allerbesten Freunde. So sprach Bushido in seiner 2008er Biografie beispielsweise nicht gerade positiv über den Frankfurter Veteran und auch Azad ist nicht sonderlich gut auf den Ersguterjunge Rapper zu sprechen. Erst kürzlich reagierte Azad auf Bushido‘s “Kleine Bushidos” Video mittels seines neuen Lieblingsmediums Facebook:

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Während 2012 also die Fronten wohl irreversibel verhärtet sind, sah es vor ein paar Jahren mal ganz anders aus. Für einen gewissen Zeitraum galten die beiden Originale doch tatsächlich als Verbündete, nahmen zusammen Musik auf und tourten fröhlich und gemeinsam durch die deutschen Konzerthallen. Doch wie kam es zu der zeitweisen Verbrüderung des Nordweststädters und des Berliners? Machen wir mal einen kleinen Zeitsprung in den Sommer 2004. Bushido hatte 2003 mit seinem über Aggro Berlin veröffentlichten Klassiker “Vom Bordstein bis zur Skyline” einen Achtungserfolg hingelegt und konnte mit dem Album sogar auf Rang 88 der Albumcharts einsteigen. Nach dem Release des Sido Albums “Maske” Anfang 2004 verließ er jedoch sein Label und heuerte bei Universal Music Group an. Universal war auch der Brötchengeber Azads, der zuvor zwei Alben über 3P releast hatte und nun mit seinem BOZZ Music Imprint beim Major Riesen untergekommen war. Azad stand im Sommer 2004 dann vor dem Release seines dritten Studio Albums “Der Bozz” und schaute im Zuge der Promowelle auch beim damals noch relevanten Musiksender VIVA vorbei. So traf sich die Faust des Nordwestens in der Nachmittagsshow Interaktiv zum Plausch mit der Moderatorin Gülcan und hatte neben seinen BOZZ Musikern Jonesmann, Chaker und Jeyz überraschenderweise auch den neuen Labelkollegen Bushido im Schlepptau:

Lustig zu sehen ist, dass Bushido zu diesem Zeitpunkt in den Mainstream Medien noch ein relativ unbekanntes Gesicht war und erst im Herbst 2004 mit dem Universal Debut “Electro Ghetto” seinen beeindruckenden Siegeszug in den Charts beginnen sollte. Bereits in diesem Video ist jedoch erkennbar, dass Bushido gut mit den Medien umgehen kann: im Gegensatz zum Warheit Member Chaker, wirkt Bushido auch vor den Kameras einigermaßen selbstbewußt und fällt mit frechen Kommentaren auf. Allerdings versucht auch er, wie der Rest der Azad Entourage, ein wenig krampfhaft auf dem Sofa eine möglichst lockere und coole Pose einzunehmen. Optisch “punktet” Bushido mit seinem Zahnstocher sowie einem Kevin Kuranyi Gedächtnis Bart.

Azad, der zum Zeitpunkt dieser Aufnahme karrieretechnisch noch eine ordentliche Stufe über Bushido stand, dagegen wirkt wie immer eigentlich sehr ruhig und antwortet souverän und reflektiert auf die Fragen der heutigen Kamps Gattin. Sogar bei der Frage zur Rangelei mit sido, den Azad bei den Hip Hop Open 2004 körperlich attackiert hatte, bleibt der Frankfurter gelassen. Die damalige Abneigung gegenüber sido einte zudem Azad und Bushido: auch der Ex Aggro Berlin Bushido Rapper lag im Clinch mit seinem damaligen Label und sollte in der Folge desöfteren gegen sido schießen.

Anscheinend haben sich Azad und Bushido also zumindest im Jahr 2004 gut verstanden. Azad war später auch als Gast auf dem “Electro Ghetto” Album zu hören. Heutzutage wäre eine solche Konstellation nicht mehr denkbar: Warheit haben sich zurückgezogen und auch um Jonesmann ist es sehr still geworden. Während auch ein Azad mittlerweile mit der Musikindustrie zu kämpfen hat, ist Bushido dagegen zum medialen Phänomen aufgestiegen. Umso mehr ist der damalige Auftritt dieser verschiedenen Künstler ein kurioses und denkwürdiges Zeitdokument.

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