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Der Blick auf die Sachlage der sog. ?Referenz-Tracks? ist zurzeit wieder so aktuell wie eh und je. Dank des Internets wird die Verbreitung digitaler Inhalte allein durch einen Mausklick ermöglicht und so geraten immer öfter Trackfetzen oder gar fertig ausproduzierte Songs ins Netz, die in dieser Form jedoch gewöhnlich fernab der Öffentlichkeit unter Verschluss gehalten werden.

Reference Tracks” bedeuten in diesem Zusammenhang eine Art Demoversionen, bei denen die Parts des späteren Interpreten vom Songwriter als eigentlichem Urheber des Stücks vorgetragen werden. Dabei sind die Übergänge zum Ghostwriting fließend, je nach dem, wer schlussendlich unter den Credits des veröffentlichten Tracks als dessen Autor aufgeführt ist. Zwar ist deren Gebrauch hinter den Kulissen bisweilen eher die Regel als die Ausnahme, jedoch geraten diese ?Kooperationen? im Normalfall unfreiwillig als Leaks an die Oberfläche und sind zumindest den Beteiligten Künstlern auf der Empfängerseite mehr als peinlich, wenn sich der direkte Vergleich zwischen ?Original? und ?Fälschung? ermöglicht.

Bei tanzenden Popsternchen und stimmgewaltigen Soulgoldkehlchen wird jedoch für gewöhnlich kein Geheimnis um die Tracks und Lyrics aus fremder Feder gemacht. Aktuell treibt Roc Nation-Signing Rita Ora ihr Unwesen in den Charts mit ihrer vom Elektroduo Chase & Status radiotauglich aufgemotzten Interpretation der Single ?R.I.P.?, die allerdings ursprünglich aus dem Fundus der brachliegenden Songvorschläge für Rihanna stammt und von keinem Geringeren als Aubrey Graham b.k.a. Drake zu Papier gebracht wurde.

Rita Ora feat. Tinie Tempah – R.I.P.

Drake – I’m Ready For You

Auch Young Money-Prinzessin Nicki Minaj steuerte schon einen Songvorschlag für die bondagewillige Schönheit aus Barbados bei: In einem Interview gegenüber ?The Fader? erklärte sie über den Track “Saxon“, in dem sie sowohl die Rolle als auch die Stimme Rihannas überaus überzeugend annimmt, wie “fucked up” sie sich nach dessen Leak gefühlt habe. Nachdem der Song nach außen trat, wurde er somit unbrauchbar als Track für Rih-Rihs ?Rated R? und fand sich mit einem nur leicht abgewandeltem Beat, dafür aber komplett anderem Text als ?Lipstick? auf der Tracklist des Albums wieder.

Was die Entstehung des schicksalhaften Überhits ?Umbrella? betrifft, tritt Mastermind The Dream weitaus unbefangener an die Öffentlichkeit und erklärt, er habe den Song ursprünglich für Britney Spears geschrieben, deren Management das Produkt allerdings kurzerhand ablehnte, als es ihnen ihn folgender Form zukam:

Weniger freiwillig, jedoch ebenso schmerzlich musste Lupe Fiasco einen bereits fertig aufgenommen Track an seinen Kollegen B.o.B. abtreten. Obwohl Lupe als Rapper für Bruno Mars? Chartdebut “Nothing on you” intendiert war und seinen Part vollständig aufgenommen hatte, entschieden die Verantwortlichen, die Popnummer an Bobby Ray weiterzureichen – das Ergebnis ist bekannt. Lupe Fiasco, der infolgedessen nach eigenen Angaben suizidal wurde angesichts des beraubten Radioerfolgs, muss den Vergleich jedoch keineswegs scheuen, ganz im Gegenteil:

Lupe Fiasco – Nothing On You

Was im R&B und besonders im Pop Gang und Gebe ist, kommt im Hip Hop konträr dazu aber einem Gesichtsverlust gleich. So weist auch Nas aktuell alle Ghostwriter-Vorwürfe von sich und und streitet die Anschuldigungen der Journalistin Dream Hampton kategorisch ab. Paradoxerweise werden dem Sohn Gottes selber so einige Schreibertätigkeiten unter verdeckter Hand für andere Künstler nachgesagt, wie beispielsweise für Will Smiths Grammy ausgezeichneten Hit ?Gettin? Jiggy with it? sowie weite Teile des dazugehörigen Millionen-Sellers “Big Willie Style“.

Auch Jay-Z ist bekannt dafür, seine Reime hin und wieder anderen Rappern zugute kommen zu lassen. Oft geschieht das sogar ganz offen unter Erwähnung seines Namens in den Credits des Songs. So ist allgemein bekannt, dass beispielsweise Dr. Dres Evergreen “Still D.R.E.” auf Jiggas Kappe geht und ein Blick ins Booklet des 1996 erschienen Soundtracks zum Michael-Jordan-trifft-Loony-Tune-Klamauks “Space Jam” offenbart sogar, dass Shawn Corey Carter für Bugs Bunnys Rap-Debüt “Buggin’” verantwortlich ist.

Auch für Bugatti Boy Diddy hat Hova über die Jahre schon die ein oder andere Zeile geschrieben. So leakte beispielsweise im Vorfeld von Dirty Moneys “Last Train To Paris“-Album die Swizz Beatz-Produktion ?Ultra?, auf der Jay-Z zunächst as himself zu hören ist, um im zweiten Part dann in die Rolle des White-Party-veranstaltenden und Ciroc-Vodka-promotenden Diddy zu wechseln. Auch “Ultra” fand bei der endgültige Zusammenstellung der Album-Tracklist keine Berücksichtigung.

Doch selbst von einer der Lead-Singles des “Last Train To Paris“-Albums kursiert eine ?Rohversion? im Netz. Auf dieser ist dem ebenfalls als Writer aufgeführten J. Cole dabei zu lauschen, wie er dem Auftraggeber aus dem Bad Boy-Camp den Flow der Strophen zu “Coming Home” vorgibt:

J. Cole – Coming Home

Dass es sich bei dem vorgestellten Tatbestand keinesfalls um ein Phänomen der Neuzeit handelt, beweist der wohl in der Geschichte des Rap am besten nachweisbare und dokumentierte Fall von Ghostwriting, der wohl keiner weiteren Erklärung bedarf:

Da sich Dr. Dre?s ausgiebiger Einsatz von Schreiberlingen für die Rapparts in seinen Produktionen, wie erwähnt, allgemeiner Bekanntheit erfreut, fallen die diesbezüglichen Enthüllungen an dieser Stelle weniger skandalträchtig aus: Die Odyssee des langerwarteten und vor ewigen Zeiten schon angekündigten ?2001?-Nachfolgers ?Detox? hat mit den Jahren schon so einige Leaks hervorgebracht, sodass die Freude über den Anschein eines baldigen Releases alle mögliche Kritik an den offensichtlich von seinen Kollegen für ihn geschriebenen Zeilen übertrifft.

Dies war auch bei Südstaaten-Repräsentant Ludacris der Fall, der im ?OG?s Theme? unmissverständlich, wenn auch sehr beeindruckend, in der Persona Dr. Dres spittet. Weil auch dieser Track aus undichter Stelle zutage trat, gesellt sich ?OG?s Theme? vermutlich zu der mittlerweile langen Liste, der nicht mehr für das Jahrzehnte währende Album-Projekt verwendbaren Leaks:

In diesem Sinne und um es mit Diddys ihm in den Mund gelegten Worten zu sagen: ?We still here, you rockin with the best / Don’t worry if I write rhymes, I write checks?.

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