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Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten und auch beim Thema Humor gehen die Meinungen der Menschen weit auseinander. Manch einer kann sich über die Darbietung gängiger Geschlechterklischees eines Mario Barth amüsieren, während andere sich lieber an dem provokanten Guerilla Humor Serdar Somuncu’s erfreuen.

Auch im Rap hat Humor durchaus eine Tradition, sei es als Stilmittel im Battlerap oder gar als Kernaspekt des musikalischen Schaffens, wobei Letzteres gerne dann als sogenannter “Spaßrap” tituliert wird. Was dann wirklich witziger, unterhaltsamer Rap und was nur leidlich komischer, zwanghafter Klamauk ist, liegt wohl im Auge des Betrachters. Getreu dem Motto “Humor ist, wenn man trotzdem lacht” sollen ein paar verschiedene Ansätze bzw. Versuche humorvollen Deutschraps nun präsentiert werden.


Fettes Brot, Deichkind & Co: Der Humor der alten Deutschrap Garde:

“Das ist die Freaknovelle, heisser als ‘ne Bockwurst aus der Mikrowelle,
spürst du die Vibroquelle, wenn ich mich an’s Mikro stelle.”

Lustigerweise dominierte in den den hiesigen Rapgefilden für längere Zeit die Spaßfraktion den deutschen Hip Hop. Obwohl man international sonst gerne vom humorlosen Deutschen spricht, schienen zumindest die deutschen Rapper täglich in der Witzkiste zu schlafen und lieferten fröhliche und oft auf lustig getrimmte Songs ab. Nachdem Die Fantastischen Vier bereits ab 1992 in ihren bunten Anzügen nett-fröhliche Ankedoten zum Besten gaben, regierte auch in den kommenden Jahren überwiegend die gute Laune im Deutschrap. Während ernsthafte und aggressivere Rap Entwürfe von Tone oder dem Rödelheim Hartreim eher in der Minderheit blieben, bildeten Bands wie Deichkind, Fettes Brot oder Fünf Sterne Deluxe, die allesamt aus Hamburg stammen, die Speerspitze des sogenannten “Spaßraps”. Zwar boten die besagten Bands nicht nur Ulkereien in ihrer Musik, doch überwog dann doch gerne der harmlose Schabernack, so dass für viele Crews jener Zeit, das teils als abschätzig bezeichnete Genre des “Spaßraps” kreiiert wurde. Hier ein paar populäre Beispiele des damaligen Hamburger Spaß Kollektivs:

Obwohl sie mittlerweile als “erwachsene” Gruppe gelten, assoziiert man die Hamburger Band Fettes Brot wie keine zweite Crew mit dem Unwort “Spaßrap”. “Schuld” daran waren Tracks wie ‘Nordish By Nature’, der im Titel Naughty By Nature persifliert und u.a. mit gesanglichen Reminiszenzen an den Bee Gees Hit ‘Night Fever’ daherkommt:

Fettes Brot – Nordish By Nature:

Die Hamburger Fünf Sterne Deluxe hatten anno 1998 mit der Single ‘Willst du Mit Mir Geh’n’ einen Charterfolg. Auf dem dazu gehörendem Album “Sillium”, gibt es passenderweise einen Remix mit Biz Markie, der sich tatsächlich ‘Will Smith, Meer Gayne’ schimpft und mit Zoten wie “Stundenlang gecruist, doch das Einzige, Was Biz mag, sind die Spielhallen und das Denkmal von Bismarck” quält:

Fünf Sterne Deluxe – ‘Willst du Mit Mir Geh’n’:


Die Orsons: legitimer Nachfolger der Spaßfraktion?

“Bitches Suck My Dick, Cause I Look Like Visa Vie.”

Eine weitere Crew, die man heutzutage unter humorvollen Rap einordnet, sind die Orsons, die nach Ansicht einiger Kritiker das Genre des “Spaßraps” konsequent und auf moderne Weise weiterführen. Auch wenn sie sich sicherlich nicht auf eine Schublade begrenzen lassen wollen und ihr musikalischer Horizont auch über die damals so populären Kalauer hinausreicht, punkten die Orsons mit vielen skurillen und größtenteils unterhaltsamen Ideen, die sie sowohl in Musik- als auch Videofrom präsentieren, wie jüngst der Clip zu ‘Jump’ beweist. Zudem waren die Jungs aus dem Hause Chimperator sogar mit Fettes Brot bereits auf Tour und haben folglich schon einmal vor einem womöglich passendem Publikum gespielt. Ob man jedoch Die Orsons als Band in der Tradition des alten Hamburger Raps wahrnehmen sollte, bleibt weiterhin fraglich, da sich die Musik weiterhin nicht in gewohnte Kategorien zwängen lässt und, wie zuletzt bei der Juice EP geschehen, der Orsons Sound stetig wechselt:

Die Orsons – Jump:


K.I.Z., Favorite & Co: Böser Humor:

“Deine Freundin wollte mein Schwanz, sie war läufig. Jetzt ist sie tot, es waren 6 Meter 90.”

Bislang wurden eher handzahme Humoristen in diesem Artikel vorgestellt. Für diejenigen, die eher über politisch unkorrrekten Rap lachen können, sollen nun ein paar passende Künstler erwähnt werden:

Auch K.I.Z. wird von den großen Medien gerne unter dem Term “Spaßrap” subsumiert, doch ist der Mainstream Presse immerhin aufgefallen, dass sich die Berliner Gruppe nicht wirklich mit Bands wie Fettes Brot vergleichen lässt. Im Gegensatz zu den bereits genannten Crews, verfolgen die Kannibalen In Zivil einen viel provokanteren und vulgären Stil, mit dem sie ihre satirischen und teils gesellschaftskritischen Texte anreichern. Der knallharte Humor K.I.Z.‘s wirkt jedoch trotz aller Bosheiten nicht platt, sondern beinhaltet trotz aller Schimpftiraden zwischen den Zeilen gerne mal intelligente und politische Querverweise. Der K.I.Z.‘sche Wahnsinn hat also Methode, auch wenn man die Jungs nicht nur auf Satire reduzieren sollte: in vielen Tracks frönen die Berliner ohne jegliche Hintergedanken dem kontroversen ab 18 Humor. Somit setzten sich K.I.Z. qualitativ von den früheren Blödelbarden ab und punkten mit einem frischen und besonderem Humor:

K.I.Z. feat. sido – Das System (Die kleinen Dinge):

Ebenfalls ein Provokateur vor dem Herrn ist der gute Favorite. Der Harlekin hat sein Themenfeld vor allem auf billigen Schnaps, Pep und willige Schlampen gelegt und punktet dabei mit unterhaltsamen Lines, die gerne weit unter die Gürtellinie gehen. Getreu dem Motto “Hart aber Herzlich” kann man dem guten Fave seine Verbalinjurieren nicht wirklich übelnehmen und lacht vielmehr über die abstrusen Geschichten des selbsternannten Anarchos. Zudem baut der Essener auch gerne einige selbstironischen Passagen in seine Musik ein, die zum Schmunzeln animieren (“Letzten Sommer dachte ich wäre bei Mario Kart. Warum? Weil ich auf Heroin in ‘nem Cabrio lag”):

Favorite – So Wie Fave Bist Du Auch:


Wortwitz & Punchline Humor:

“Und du hast sächsischen Dialekt? Der Boss nicht, er hat sechs Ischen, die er leckt.”

Auch im Battlerap wird seit jeher versucht den Gegner u.a. mittels lustiger Punchlines zu demontieren. Um eine spritzige und witzige Punchline zu platzieren, bedarf es an Wortwitz sowie Kreativität. Zwei prominente Vertreter des orginellen Sprücheklopfens sind folgenden Herren:

Wenn man an Wortwitz denkt, dann führt zwangsläufig auch kein Weg an Kollegah vorbei. Der Kanada Germane siedelt seine Texte zwar vorwiegend im Rotlicht Milieu an, doch schmückt seine Erzählungen rund um Kokssteine und gewerblicher Kriminalität mit ein gesunden Prise Humor aus. Dank seiner vielen klugen Vergleiche und der teils extrem übertriebenen Räuberpistolen aus dem Alltag eines stoffvertickenden, frauenabschleppenden Zuhälters, schafft es der Selfmade Records Rapper bei den Zuhörern Schmunzeln hervorzurufen und somit auf eine besondere Art und Weise auch auf hohem Niveau zu unterhalten:

Kollegah – Big Boss:

Ebenfalls ein lustiger Spießgeselle und ausgelassener Sprücheklopfer ist der Kollege Farid Bang. Von Eko Fresh und Summer Cem geschult, unterlegt der Düsseldorfer seine Straßengeschichten mit angrifflustigen Ansagen und sonstigen Neckereien, die seine Anhänger durchgängig abfeiern. Zwar beschreitet der Banger bei seinen zahlreichen Punchlines gerne auch mal den Weg des Stumpfen, aber ein Gespür für Wortwitz und gut pointierte Lines, kann man ihm nicht abschreiben( “Ich Zeig Größe und zieh meine Hose aus):

Farid Bang feat. Summer Cem – Es Ist Soweit:


Humor im Gangsta-/Straßenrap:

“Treff mich in Hong Kong, wo Jet Li boxe, oder in Compton, wo ich Warren G klatsche.”

Auch im Street-oder Gangstarap haben mittlerweile in gewissem Maße Wortwitz und Humor Einzug gefunden. Zwar verbindet man diese Rapart nicht unbedingt mit flotten Sprüchen, doch integrieren die hiesigen Streetrapper inzwischen in einigen Fällen ein paar stumpf-lustige Ansagen in ihren Hood Tales. So lockert beispielsweise Haftbefehl seine Geschichtchen rund um Nutten & Kokain mit “amüsanten” Zeilen auf (“du chillst mit Peter am Kiosk“), was dazu führte, dass selbst eingefleischte Backpacker sich auf den Frankfurter Azzlack einigen können.

Haftbefehl – An Alle Azzlackz:

Auch ein Massiv, den man sich anfangs als bierernsten Totschläger vorstellte, hat den Vorzug von Jux & Dollerei in seiner Musik entdeckt: der Al Massiva Löwe schmückt seine Texte mittlerweile dermaßen mit übertriebenen Waffen-und Tötungsszenarien aus, dass man sich wie in einem 80er Jahre Actionfilm vorkommt und zum Schmunzeln animiert wird. Auch ist Massiv bekannt dafür, relativ eigene Wortkreationen zu schaffen, so dass Fans immer wieder auf neue Satzschöpfungen des Wahlberliners freuen. Auf die Spitze getrieben hat Massiv seine Schelmereien, indem er u.a. seinem Track ‘Black Gun Baretta’ eine Akustik Version spendiert hat:

Massiv – Black Gun Berretta (Akustik Version):


Man sieht also: egal ob kreativer Wortwitz, spielerische Stumpfheit, bewußte Provokation oder einfach grundehrliche Heiterkeit, Humor zeigt auch im Deutschrap viele Facetten und reicht von Fettes Brot bis hin zu Haftbefehl. Was man dann wirklich als witzig oder lustig empfindet, bleibt dabei glücklicherweise jedem Zuhörer selbst überlassen, so dass jede Art spaßigen Raps eine Daseinsberechtigung hat.

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