Image and video hosting by TinyPic

Vor einiger Zeit baten wir unsere User uns ihre Lieblingsalben vorzustellen. Sie sollten uns in Form einer kurzen Review erzählen, warum sich dieses eine bestimmte Album einen besonderen Platz in eurem Plattenschrank verdient hat. In unserer neuen Rubrik “All Time Classic” sollen die besten Einsendungen ihren Platz auf 16bars.de finden.

In der zweiten Ausgabe erzählt uns Micha aus Berlin von seiner Beziehung zum Beginner-Klassiker “Bambule.


Als damals auf Musiksendern noch wirklich Musik lief und keine Werbung und Klingeltöne einen dazu gebracht haben durchzudrehen, habe ich meine ersten Hip Hop Erfahrungen machen dürfen bzw. mithören dürfen. Damals waren es die Fanta 4 und “Die da” lief hoch und runter. Ich war keine Ahnung wie alt und kam nur dazu, da meine ältere Schwester oft den Fernseher laufen hatte. Als ich dann in die Grundschule kam, lernte ich einen Klassenkameraden kennen, der auch eine ältere Schwester hatte und seine Schwester gab ihm irgendwann die “Bambule” CD von den Absoluten Beginnern mit in die Schule. Das war also 1998 und ich war 10 Jahre alt und hatte zu dem Zeitpunkt noch nie ein Hip Hop Album in der Hand [gehalten], geschweige denn hatte ich eins besessen. Wieso er es mir auslieh, weiß ich nicht mehr, aber er tat es. Also saß ich nun irgendwann nach der Schule in meinem Kinderzimmer und legte die Scheibe in meinen Sony Discman […].

Ich hörte die ersten Hip Hop Tracks von einem Hip Hop Album und war sofort angezogen wie ein Magnet. Ich hörte die Songs hoch und runter, stundenlang und erfreute mich jedes Mal aufs Neue, wenn ich die CD wieder einlegte und sie hörte. Schon damals blieb ich auch auf “Hammerhart” kleben, was bis heute einer meiner Lieblings- Hip Hop Songs ist. Das Lustige ist, damals konnte ich mit Sätzen wie “Frauen sind feucht wie?n Händedruck” nichts anfangen (ich war 10 Jahre alt), doch der Style war einfach geil.

Irgendwann musste ich die CD natürlich zurückgeben, [denn] damals war noch nichts mit Brennen oder so. Also musste ich meine Schwester dazu überreden mit mir in einen Laden zu gehen, um die CD zu kaufen, denn ich wollte sie haben. Ich wollte weiterhin Eisfeldt und Denyo hören und mir das Booklet mit dem Fuchs angucken. Glücklicherweise tat sie das und ich war glücklich.

Über die Jahre geriet das Album dann aber irgendwie für mich in Vergessenheit. Die Savas Zeit begann, die Aggro Zeit begann, alle anderen Zeiten begannen – Ausdrücke, harte Texte/Geflexxe, oh mein Gott, was geht denn jetzt? Also das totale Gegenteil zu der freundlichen Hamburger Mukke von damals. Über die Jahre habe ich also alle neuen Rapper und deren Musik abgecheckt und wurde älter und älter und irgendwann sah ich plötzlich das “Bambule” Album [wieder] im Media Markt. Ich dachte, “What the fuck?”, das hast du ja total vergessen! Da musste ich natürlich direkt zu schlagen und habe es ein zweites mal gekauft und war direkt wieder drin in dem Flavor von damals.

Das Krasse war aber auch das ich persönlich mit 13 Jahren anfing Gedichte zu schreiben, was dann später überging in Texte […]. Als ich dann erneut “Hammerhart” hörte und Denyo sagte “Spiel lieber mit Wörtern statt Schach, wenn ich mich matt fühle”, wurde mir alles klar und mir ging es fast kalt den Rücken runter. Damals als 10-Jähriger fand ich die Aussage zwar cool, aber konnte damit nichts anfangen, weil sie mich halt nicht direkt ansprach. Jahre später, wo ich selber schon lange die Liebe zu den Wörtern gefunden habe, dachte ich, “Damn, diese Aussage spricht mir aus der Seele”. Diese Line sagt das, was ich am liebsten mache, und zwar sinnbildlich mit den Wörtern spielen. Und so ein Gefühl hat noch kein anderes Album in mir ausgelöst. Vielleicht war ja auch “Bambule” dafür verantwortlich, dass ich 3 Jahre später, also 2001, plötzlich ein Blatt Papier und einen Stift in die Hand nahm und mein erstes Gedicht […] schrieb, wer weiß.

Auf jeden Fall ist “Bambule” für mich ein Album, mit dem ich auf dieser Ebene sehr viel verbinde und deshalb habe ich es gewählt. Und “Hammerhart” kann ich heute noch im Loop hören, weil es mir einfach nicht auf die Nerven geht. “Bambule” ist für mich ganz klar ein Klassiker und wird es auch immer bleiben. Also danke an Eisfeldt und vor allem an Denyo, wegen dir bin ich an den Wörtern kleben geblieben.

Micha


Schickt uns auch weiterhin eure “All Time Classic“-Reviews! Ob es sich dabei um ein Release eines deutschen, amerikanischen, französischen oder sonstigen Künstlers handelt, ist dabei völlig egal. Erzählt uns was euch mit dem Album verbindet und was es so einzigartig macht. Die besten Einsendungen werden veröffentlicht und mit einem 16bars.de-Goodiepaket prämiert. Sendet eure Vorschläge bitte mit Namen und Anschrift an bewerbung@16bars.de.

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.