Image and video hosting by TinyPic

Vor einigen Tagen erschien sowohl in der Berliner Zeitung als auch in der Frankfurter Rundschau ein Artikel mit der Überschrift ?Ich mach dich Offenbach, Alter?, geschrieben von keinem Geringeren als Marcus Staiger, der nach seinem Rückzug aus dem Rapmediengeschäft nun immer mal wieder in der “seriösen” Presse in Erscheinung tritt. In diesem Fall als Journalist in eigener Sache:

Der Text des gebürtigen Schwaben beschäftigt sich mit dem Siegeszug des ?gescheiterten Integrationskanacken? Aykuth Anhan aka Haftbefehl gegen eine bürgerliche Gesellschaft, die ihn und seinesgleichen üblicherweise sich selbst überlässt.
Dabei handelt es sich um eine Art umfassende Bestandsaufnahme der Faktoren, die Baba Haft zu dem gemacht haben, der er und die Persönlichkeit dahinter heute sind.
Dazu gehören schlimme Ereignisse seiner persönlichen Lebensgeschichte, soziale Ungerechtigkeit gegenüber Migrantenkindern, für die infolge dessen das schnelle Geld anstatt in einem ?sauberen? Job auf der Straße zu holen ist, und eine Umgebung wie Frankfurt, die bei der Umsetzung dieses Lebensplans Beihilfe leistet. Gemeint ist der Umstand, dass sich ?Glanz und Elend? unter Anderem ?beim Puffbesuch und Drogenkauf? im Vergleich zu anderen deutschen Metropolen nirgendwo sonst so stark vermischen wie in dieser Stadt, wo gewisse Statussymbole ihren Besitzer zu einem hervorgehobenen Stellenwert verhelfen. Auch in dieser Welt sei das Motiv immer nur die Anerkennung von Anderen.

Hafts Lebensentwurf steht stellvertretend für viele Andere seiner Art, mit dem Unterschied, dass er die Bilder seiner Realität auf nie da gewesene Weise dahin transportiert, wo auch der Normaldeutsche davon Notiz nimmt, und damit sehr erfolgreich ist. In Staigers Worten: ?Das Lebensgefühl dieser Vergessenen in übertriebenen, zugespitzten, zynischen Texten auf den Punkt zu bringen, ist das eigentliche Verdienst der Figur Haftbefehl.?
Um sicher zu gehen, dass die Tageszeitungsleser vom provokant formulierten Gehalt des Artikels über das soziale Reizthema schlechthin nicht unberührt bleiben, fügt er hinzu: ?Schon alleine deswegen sollten seine CDs in jedem ordentlichen Soziologenhaushalt geführt und seine Texte im Deutschunterricht analysiert werden.? Auf dieses Statement folgten in der Online-Ausgabe der Frankfurter Rundschau nicht nur die üblichen selbstgerechten und starrsinnigen Kommentare der Stammleserschaft, sondern auch ein empörter Beitrag mit der Forderung nach einer Stellungnahme des Autors, der Staiger auf eindrucksvolle Art in mehreren Posts nachkam.
Als unterhaltsame Begleiterscheinung zu diesem gesellschaftsrelevanten Diskussion kommt hinzu, wie didaktisch wertvoll der ehemalige rap.de-Chefredakteur den Diskurs unter den Kommentarverfassern fördert, indem er sich konstant bei Ihnen für Ihre Beteiligung am Gespräch bedankt und qualifizierte Beiträge besonders lobt.

Die Artikel findet ihr hier bzw. hier.


Image and video hosting by TinyPic

Was den pädagogischen Wert von Haftbefehls Musik betrifft, sind die Kollegen vom splash-mag ganz Staigers Meinung: Freitag veröffentlichten sie mit “The Notorious H.A.F.T.” ein Mixtape, welches der vermeintlich skeptischen Boom-Bap-Hörerschaft die lyrischen Qualitäten des Ghetto Babas näher zu bringen sucht. Auf dem Remix-Projekt werden die gewohnten Synthie-Bretter einiger der bekanntesten Hafti-Tracks gegen weitestgehend Sample-basierte Produktionen von Beatschmieden wie Shuko, Dexter, Brenk, Suff Daddy und Mortis One ausgetauscht. Insgesamt kommt dabei ein sehr rundes, abwechslungsreiches Mixtape bei raus.

“The Notorious H.A.F.T.” gibt es hier zum kostenlosen Download.

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.