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Schon seit ewigen Zeiten gehört es im US Rap zum guten Ton, dass ein MC über die nötige Street Credibility verfügt um dem Klischee, dass Rap von der Straße kommen muss, Ausdruck zu verleihen. So kommt es, dass recht viele Rapkünstler sich mit ihren juvenilen Schandtaten brüsten und (Märchen-)Geschichten epischen Ausmaßes über diverse kriminelle Aktivitäten mit allerlei Inbrunst und Detailverliebtheit an die Endhörer bringen. Teils auf Albumlänge wird sich passioniert dem Guntalk gewidmet (“We riding ’round with guns the size of Lil Bow Wow“) und Gewalt als legitimes Mittel gerne auch mal glorifiziert, auch wenn dann die bekannte Formel “Ich beschreibe nur, was ich sehe” als Entschuldigung herhalten muss.

So ein richtiger bis an die Zähne bewaffneter Goon lebt dann auf dem Großteil seiner Tracks natürlich auch nicht monogam und hurt stattdessen mit möglichst vielen verschieden Frauen rum, in die er sich aber nie verliebt, sondern nur benutzt. Eher gewinnt man manchmal den Eindruck, dass sich Rapper XY aufgrund seiner ausschweifenden Loyalitätsbekundungen an die Hood und die Homies, eher seinen Thug Kollegen zugeneigt fühlt…

Leider muss sich aber auch der härteste Gangbanger den Gesetzen der Musikindustrie unterwerfen und eine kommerzielle Single aufnehmen, damit der neue Longplayer nicht nur die Crackdealer anspricht, sondern auch Radiostationen sowie Gelegenheitshörer anlockt. Am Besten funktionieren in dieser Hinsicht dann ein clubtauglicher Track oder noch besser ein freundlicher Song für die Ladies inklusive seichtem Gesang. In der Folge passiert es dementsprechend häufig, dass der sonst so kompromisslose und knallharte Gangsterrapper plötzlich zum romantischen, verständnisvollen und emotionalen Lover mutiert, der bei Kerzenlicht seine Bitch verwöhnt, die nun natürlich nun wahlweise ‘Baby Girl’ oder ‘Shawty gennannt wird. Der Traum vom Mainstream Airplay hat bereits aus mehreren Goons unterwürfige Pantoffelhelden gezaubert, die nun im Folgenden anhand einiger Beispiele vorgestellt werden sollen.

Einer der führenden Frauenversteher stellt mit Sicherheit Ja Rule dar. Jeffrey Atkins hat zum Einen vor allem zu Beginn seiner Karriere gerne mit dem Gangster Image kokettiert und war beispielsweise Mitglied einer Gruppe mit dem so sympahtischen Namen ‘The Murderers’. Der gute Ja hat aber auch frühzeitig erkannt, dass das Nonstop Thuggin auf Tracks zwar Anerkennung und solide Plattenverkäufe mit sich bringt, aber das der ein oder andere softe Song für die Ladies die Verkaufszahlen noch einmal vervielfacht. So kam es dann, dass Mr. Holla und sein Labelchef/Producer Irv Gotti von Album zu Album immer mehr und poppigere Schmachtfetzen entwarfen um die heißersehnten Dollars zu ernten. Standesgemäß gesellte sich die damalige Murder Inc First Lady Ashanti mit ihren Gesangsparts auf die kitschigen Schnulzen, um den Schmalz-Faktor der Tracks nochmals zu verstärken.

Höhepunkt der Achse des Bösen, bestehend aus Ja Rule, Ashanti und Irv Gotti, stellen der Song sowie das Video zu ‘Mesmerize‘ dar, in dem sich der Rapper und sein Team einer Hommage zum John Travolta Tanzstreifen ‘Grease‘ versuchen. Da schlendert Ja Rule wie ein kompletter Volldepp über eine Dorfkirmes und rappt bzw. singt wie ein verliebter Gockel triviale Liebesreime in Richtung Ashanti. Zwischenzeitlich fährt das verliebte Päarchen noch eine Runde Autoscooter und Ja Rule beweist seine Männlichkeit am Basketball-Stand. Insgesamt stellen Track/Video einen großen, leider aber ernstgemeinten Witz dar, der seinerzeit zwar enorm erfolgreich war, aber zum Beispiel vom Blender Magazine unter die 50 schlechtesten Songs aller Zeiten gewählt wurde:

Ja Rule‘s Wandel hin zum ultimativen Schnulzensänger sowie die heftigen Dissattacken seitens 50 Cent, führten schließlich dazu, dass der einstige Multi Platinum Artist immer mehr in die Bedeutungslosigkeit verschwand und gipfelte in einem Aufenthalt auf Staatskosten, den der Rapper derzeit absolvieren darf.

Sein aufopfernder Kampf für die Frauen, soll in diesem Special aber belohnt werden, so dass der “Peinlicher R&B Faktor” nach dem Ja-Rule-O-Meter bewertet werden wird, oder wie der anscheinend ständig verliebte Ja Rule es ausdrücken würde: “Cause every woman just wanna be happy”.


Lil Flip feat. LeaSunshine

Wer Mr Tribute Song himself gut kennt, der weiß, dass sich Fliparacci für nichts zu schade ist um sich ein ordentliches Auskommen zu sichern. So war der Flipper nicht abgeneigt neben den sonstigen Baller-Hymnen auch mal ein softeres Liedchen aufzunehmen. Dabei ging er nach dem Schema F vor: ein Video, das Lil Flip und seine Ladies an sonnigen Plätzchen zeigt, standardmäßige Liebesfloskeln des Rappers und eine Sängerin in der Hook, die Folgendes zum Besten gibt:

Sunshine
I can call you my baby boy
You can call me your baby girl
Maybe we can spend some time (some time)
I can be your sunshine!
I can call you my baby boy
You can call me your baby girl
Maybe we can spend some time (some time)
I can be your sunshine!

Großartig auch, wie grazil und leichtfüßig sich Lil Flip in der Hook neben der Sängerin bewegt. Da hat ein Besenstiel mehr Rhythmus als der komplett ungelenke Houston Rapper. Kaum zu glauben, dass Lil Flip mal wesentlich erfolreicher als sein Erzfeind T.I. war…

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Fabolous feat. TamiaInto You

Eigentlich gehört Fabolous zu den Guten und hat schon seit seinem Karrierebeginn immer wieder passable Liedchen für die Girls geträllert, so dass der R&B Faktor bei ihm homogen und nicht unpassend wirkt. Auch ‘Into You’ ist eigentlich gediegenes Liedgut, sofern man den Song im Hintergrund laufen lässt. Wenn mab jedoch mal auf den Text achtet, dann könnte man den Eindruck gewinnen, dass Fabolous zu lange in Weichspülerkonzentrat gebadet hat:

Being a player was becoming too stressful
But ever since, this superwoman has come to my rescue
My winter’s been wonderful, my summer’s been special*

Anscheinend hat Fabolous also trotz Tracks wie ‘Keepin It Gangsta’ und trotz seiner Street Family Crew einen äußerst weichen Kern, der ihn dazu bringt, die Pistole ein- und die Teelichter auszupacken. Ich dachte immer sein Herz wäre schon an seine Weed Carrier Paul Cain (Fab’s Bruder) und Freck Billionaire vergeben.

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Paul WallGirl

Okay, Paul Wall hat nie behauptet, dass er zu den härtesten Jungs gehört. Dass er aber so ein Softie ist, wie der Track ‘Girl’ vermuten lässt, damit hätte wohl Keiner gerechnet. Inhaltlich beschreibt der Song Paul Wall‘s Beziehungsprobleme: obwohl er mit seinem Baby Girl glücklich war, wurde das junge Glück durch eifersüchtige Freunde und Wall’s stressige Rapkarriere auf eine harte Probe gestellt. Nun will Shawty den Houston Rapper verlassen, was dieser aber natürlich nicht zulassen will: “But don’t go baby”. Das Video geizt dann auch nicht mit zahlreichen Flashbacks aus Paul Wall‘s glücklichen Zeiten mit seiner barbusigen Geliebten (gespielt von Meagan Good).

Untermalt wird die rührselige Love Story von einem extrem käsigen Beat, der alle Register zieht um klarzumachen, dass es sich um einen feinfühlenden Song handelt. Lustigerweise bleibt Paul Wall seinem Prinzip treu, dass er in wirklich jedem Track erwähnen muss, dass er “on the grind” ist (“I’m just on my grind paper chasin”). Der Typ bedient sich wahrhaft auch in einem schmierigen Love Song immer wieder demselben Vokabular. Ebenfalls schön anzusehen: Paul Wall‘s dämliches Grinsen bei 0:59 und sein einfühlsamer Tanz ab 3:00:

Bleibt festzuhalten: Paul Wall hat schwärmerische Gefühle für Geld, Grills, sein ‘Girl’ und wahrscheinlich auch Mike Jones und Slim Thug.

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Diddy feat. Usher & LoonI Need A Girl Part One:

Diddy der alte Schlawiner weiß natürlich, wie man sich Top Ten Hits zusammenschustert. Mit I Need A Girl Part One kletterte der Entertainer folgerichtig bis auf Platz 2 der Billboard Hot 100. Auch diese Schnulze bietet ein klares Highlight: dem schönen Loon nimmt man direkt ab wenn er schelmisch grinsend verrät: “Yo, now I have met a lot of women in my lifetime”. Obwohl er zwar stet behauptete schon seit den 80ern mit Gangbangern rumzuhängen, war Loon immer am stärksten, wenn er mit seinem eleganten Flow über die guten Dinge des Lebens referieren durfte. Mittlerweile widmet sich Pretty Loon der Religion und sitzt derzeit in Belgien im Gefängnis wegen Heroinhandels, den er anscheinend vor ein paar Jahren noch betrieben hat.

Usher und Diddy selber konzentrieren sich auf ihre Girl Problems, wobei Usher in der Hook hier am stärksten auf die Tränendrüse drückt. Bei Diddy‘s emotionslosem Vortrag, fragt man sich, ob er da mal wieder nur einen vorher fertigschriebenen Text im Studio abgelesen hat. Viel mehr Spaß scheint Diddy das gemeinsame Tanzen mit Usher zu machen: in dem gesamten Video geben die beiden Herren ein wirklich schönes Tanzpaar ab:

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Nelly feat. JaheimMy Place:

Das Positive vorweg: der stark unterschätzte Jaheim bereichert den hier vorgestellten Nelly Song ‘My Place mit seiner großartigen Soulstimme. Ansonsten gibt es fast nichts Positives zu der Single vom damaligen ‘Suit’ Album zu berichten. Nelly war zwar schon immer ein Ladies Man, der von seinem Debut an auf die Tanzflächen der weltweiten Clubs geschielt hat, aber trotzdem hatte immer wieder in Tracks klargemacht, dass mit ihm ansonsten nicht gut Kirschen essen ist. Bei ‘My Place’ kommt wieder der romantische Nelly durch, wobei die Vorstellung eigentlich nicht mehr romantisch, sondern eher gebrechlich anmutet. Aus allen Poren des aus St. Louis stammenden Rappers trieft der Schmalz und Nelly rappt mit sanfter, ja fast gebrechlicher Stimme, so dass man Angst haben muss, dass er jede Sekunde anfängt zu weinen. Wenn ich eine Frau wäre, würde ich nicht zu Nelly‘s Place gehen.

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Keisha White feat. CassidyI Don’t Care Who Knows

Cassidy vereint in seiner Rappersona mehrere unterschiedliche Charaktere, wie damals schon sein Debut “Split Personality” verriet. Neben dem böse schauenden und AK-47 tragenden Gangster Cassidy, steht der talentierte Freestyle & Battle MC Cassidy und leider existiert zusätzlich der Sucker For Love Cassidy. Den feinbesaiteten Cassidy erlebt man hier an Seite der Sängerin Keisha White: traurig und sehnsüchtig steht der MC angelehnt an der Wand und gibt eine empfindsame Ode an seine Shawty zum Besten. Später dann feiert er erste Erfolge und darf sein Girl am Telefon umgarnen und glücklicherweise gibt es noch ein Happy End für Cas, denn er darf mit seiner Angebeteten romantisch aufder Treppe kuscheln. Immerhin spielt Cassidy den Romantiker überzeugender und natürlicher als Lil Flip

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Und nein, Cassidy wir haben es nicht vergessen: was sollte eigentlich das hier:


Fat Joe feat. J. HolidayI Won’t Tell:

Auch Fat Joe hat auf seinen Track bereits gefühlte 800 gegnerische Rapper ermordet und beerdigt. Der Don Cartagena hat seit jeher das Problem, dass er zwar vornehmlich auf harten Street Shit steht und seine Fans der ersten Stunde immer wieder den “alten” Joe aus D.I.T.C. Tagen fordern, er allerdings auch weiß, dass man damit keine CD’s verkaufen kann um den Lifestyle der Reichen & Schönen zu leben. Folglich packt Joey Crakk auf seine Tonträger immer wieder den einen oder anderen Song für die Mädels und konnte anno 2002 mit ‘What’s Luv’ sogar einen veritablen Welt Hit landen. Vom R&B Erfolg einmal angefixt hat Joe danach weiterhin versucht mit auserwählten Singles in die Clubs zu kommen, was ihm aber bis auf ‘Lean Back’ nicht wirklich gelungen ist. ‘I Won’t Tell’ bildet da keine Ausnahme: statt gemütlich ein paar Rapper zu killen, muss Joe kräftig Süßholz raspeln um die zahlreichen Sexy Mamas zu beeindrucken. Immerhin hat sich Flow Joe für das Video in Schale geschmissen und sich sein schönstes Rosen Hemd angezogen….

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ChingyOne Call Away

Chingy hatte mit ‘Right Thurr’ und ‘One Call Away’ zwei Billboard Hits, bevor Ching-A-Ling größenwahnsinnig wurde, sich mit Ludacris und seinem Disturbing Tha Peace Camp erst zerstritt, dann wieder versöhnte und doch wieder ging und schließlich in die unteren Gefilde des Rapgeschäfte abdriftete. Während ‘Right Thurr‘ noch die Stripclub Hymne darstellte, umgarnt der Rapper mit ‘One Call Away’ die R&B Hörer und sülzt seine Auserwählte mit den typischen Allgemeinplätzen voll. Dazu gesellt sich in der Hook ein Sänger, der im Video dermaßen mit der Gestik übertreibt, das man glauben mag, er würde seine Worte nur an Chingy richten. Im Wind wehende goldbraune Herbstblätter komplettieren das kitschige Theaterspiel. Noch unrealistischer als ein erfolgreiches Chingy Comeback sind jedoch mit Sicherheit die im Video vorgestellten Basketball Skills des Rappers. Na Ja, trotz gefühlsbetonter Attitüde Chingy‘s wird Ludacris dem verlorenen Sohn sicherlich keine dritte Chace mehr geben:

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